Brandschutzmängel

Rathaus Iserlohn: „Endlich anfangen, Alternativen zu prüfen“

Wegen der Brandschutzmängel im Rathaus soll das Jugendamt ins Hansahaus ziehen (siehe Zweittext unten).

Wegen der Brandschutzmängel im Rathaus soll das Jugendamt ins Hansahaus ziehen (siehe Zweittext unten).

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Die unklare Zukunft des Rathausgebäudes sorgt für viele Fragezeichen was Finanzen und künftige Projekte angeht. Das sagen die Fraktionen

Dem Rathaus droht wegen Brandschutzmängeln die Räumung, am 30. Oktober soll der Stadtrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Vom Ausmaß der Mängel und den dramatischen Folgen – ein Großteil der Verwaltung wird in die leerstehende Realschule Bömberg ziehen – wurden auch die Fraktionsvorsitzenden der Iserlohner Parteien überrascht. Wie soll es nun weitergehen?

„Viele Fragen sind offen“, sagt Detlef Köpke (FDP). Abriss und Umzug der Verwaltung, möglicherweise zum Bahnhof, braucht es eine neue Schillerplatz-Brücke? „Die Stadt braucht jetzt eine Prioritätenliste dazu, welche Investitionen überhaupt in den nächsten Jahren anstehen und in welcher Reihenfolge“, sagt Köpke, der als Rathaus-Standpunkt aber weiter die Innenstadt präferiert.

Hans Immanuel Herbers (UWG-Piraten) fordert, nun auch andere Standorte zu prüfen. So sei die freie Fläche am Bahnhof in städtischem Besitz, gut an den ÖPNV angebunden, von der Fußgängerzone aus gut zu erreichen, ebenso für die Menschen aus den nicht innerstädtischen Stadtteilen. Der Untergrund sei unproblematisch und biete Platz genug – auch in Nachbarschaft zum von der CDU für die Zukunft angestrebten Wissenscampus. Anstelle des Rathaus I wäre Platz für Büros und Wohnbebauung, die Brücke zum Schillerplatz wäre obsolet, ein Café oder Ähnliches könnten hier wieder entstehen. Eine Kostenfrage, klar, wie allerdings auch eine Beseitigung der Mängel im Rathaus nach aktuellen Brandschutzvorgaben, meint Herbers. „Wir sagen nicht, dass es so sein muss. Aber man sollte sich zumindest endlich mal mit Alternativen befassen.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt die CDU: „Fakt ist, dass sich jetzt auch Chancen bieten. Das kann der Mix aus Einzelhandel und Bürgerbüro am Schillerplatz ebenso sein, wie moderne Verwaltungseinheiten auf dem Areal des digitalen Wissenscampus“, sagt Fabian Tigges. „Das Zentrum Iserlohns muss attraktiv bleiben, getroffene Entscheidungen rund um den Schillerplatz wie die Brücke müssen jetzt neu überdacht und angepasst werden.“

„Man hat es in der Vergangenheit versäumt, rechtzeitig gegenzusteuern“, sagt Oliver Ruhnert (Linke) in Bezug auf zumindest die bekannten Mängel beim Brandschutz. „Nun muss man die Kräfte bündeln und etwas schaffen, was 40 oder 50 Jahre hält.“ Es gebe keine Möglichkeit, das zu verschieben. „Andere Prestigeprojekte werden jetzt hinten anstehen müssen.“ Wichtig sei, die gute Erreichbarkeit stark frequentierter Bereiche wie des Einwohnermeldeamtes weiter sicherzustellen.

Peter Leye (SPD) zeigt sich erstaunt, dass die Mängel erst jetzt bemerkt wurden – „wenn auch die Fehler in der Vergangenheit begangen wurden“. Zu klären sei nun: Wie geht es weiter mit dem Gebäude? Kann man zumindest die 1. und 2. Etage als Anlaufstelle für die Bürger erhalten, bis eine Lösung gefunden ist? „Und welche Auswirkungen hat dies auf den Schillerplatz? Brauchen wir jetzt überhaupt noch eine neue Brücke?“

Alexander Langguth (Blaue) fordert vor allem, „jetzt einen klaren Kopf zu behalten“. Und nicht die Schuld bei den aktuell Verantwortlichen suchen, wo doch die eigentlichen Fehler in den 70er Jahren beim Bau begangen worden seien. Wichtig sei nun: „Wie werden wir den Denkmalschutz los“, fragt Langguth, den er vor allem dem ehemaligen Baudezernenten Mike-Sebastian Janke anlastet. Eine Priorität bezüglich eines künftigen Standortes für das Rathaus, Innenstadt oder Bahnhof, habe seine Partei nicht. „Das ist eine Kostenfrage.“

Elke Olbrich-Tripp (Grüne) beklagt, dass man nicht vor zwei Jahren entschied, wie von den Grünen angeregt, Rathaus- und Schillerplatz-Areal als Ganzes zu betrachten und entwickeln. Gute Planung sei nun gefragt – auch im Hinblick auf ein Verkehrskonzept. „Damit das nicht wie bei der Gesamtschule kaputtgemacht wird.“ Es böten sich nun viele Chancen, aber: „Ich will die Sache nicht kaputtreden. Aber das ausgerechnet jetzt ein Gutachter das Rathaus niederschreibt . . . Ein Schelm, wer böses dabei denkt.“

Provisorische Brücke liegt vorerst auf Eis

Die Vorbereitungen für den Bau einer provisorischen Brücke als Ersatz für das vor dem Abriss stehende Bauwerk am Schillerplatz liegen vorerst auf Eis. Damit zieht die Verwaltung erste Konsequenzen, nachdem bekannt wurde, dass das Rathaus wegen Brandschutzmängeln großteils geräumt werden muss. „Ob wir die Brücke überhaupt noch brauchen, wird Thema in der Sondersitzung des Rates am 30. Oktober sein“, sagt Baudezernent Thorsten Grote. Glück im Unglück für die Stadt: Bei der Ausschreibung hatte es ein Verfahrensproblem gegeben. Bisher ist lediglich ein Planungsauftrag vergeben. 460.000 Euro würde die Behelfsbrücke die Stadt kosten.

Weitere Neuigkeiten: Ratssaal, Sitzungs- und Fraktionsräume in den unteren Geschossen des Rathauses sollen auch bei einer Teilräumung weiter nutzbar sein. Voraussetzung: Es muss mit dem Brandschutz vereinbar sein. „Wir können es nicht versprechen, aber das ist das Ziel“, so Grote weiter. Ebenfalls Thema in der Sondersitzung soll eine Verlegung des Jugendamtes (90 Mitarbeiter) ins Hansahaus sein. So würden weniger Mitarbeiter zum Bömberg in die Realschule umziehen.

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