Schule

Pragmatismus in der Pandemie

Schulunterricht in Zeiten von Corona: Desinfizieren und Masken gehören genau so zum Alltag wie neuerdings das ständige Lüften.

Schulunterricht in Zeiten von Corona: Desinfizieren und Masken gehören genau so zum Alltag wie neuerdings das ständige Lüften.

Foto: HalfPoint / Shutterstock/Halfpoint

Iserlohn.  Schuldezernent Martin Stolte beobachtet in der Schulleiterkonferenz einen konstruktiven Umgang mit Corona.

Kaum ein Thema wird derzeit so heiß diskutiert wie Schule in Zeiten von Corona: So lange offen halten, wie es geht, sofort komplett schließen, Schichtdienst mit halben Klassen, Maskenpflicht auch für Grundschüler – die Meinungen gehen auseinander und werden von Lehrerverbände, Politikern und Elternvertretern zunehmend emotional vertreten. Schule wird eben schnell und immer wieder zum ideologischen Schlachtfeld.

An der Iserlohner Basis ist das bisher (glücklicherweise) noch nicht angekommen. Am Dienstag haben sich die Iserlohner Schulleiter zu ihrer turnusmäßigen Konferenz getroffen. Corona war natürlich auch da das große Thema. Schuldezernent Martin Stolte konnte in der Runde aber grundsätzlich einen sehr nüchternen, pragmatischen und konstruktiven Umgang mit dem Thema beobachten. Erregung angesichts der ständig wechselnden Vorzeichen ihrer Arbeit oder gar Resignation angesichts der nicht enden wollenden Corona-Probleme sei da nicht zu spüren gewesen. „Die Schulen haben sich mit der Situation arrangiert und bereits eine gewisse Routine entwickelt, mit dem Ausfall von Schülern oder Lehrer in Quarantäne umzugehen “, sagt Stolte. „Sie machen das Beste aus der Situation und versuchen, dieses Halbjahr vernünftig zu Ende zu bringen.“

Lüften ist derzeit das ganz große Thema

Allerdings hätten die Schulleiter auch eine hohe Verantwortung für die Gesundheit sowohl der Beschäftigten als auch der Schüler. Dass sich zum Beispiel viele Lehrer, die eigentlich zur Risikogruppe zählen, täglich einer gewissen Ansteckungsgefahr aussetzen, beschäftige schon viele Schulleiter. Und mit Blick auf die Schülergesundheit sei jetzt, da es in Richtung Winter geht, natürlich das geforderte Lüften das große Thema.

20-5-20 lautet die Landesvorgabe. Nach 20 Minuten Unterricht wird also fünf Minuten gelüftet, bevor die nächsten 20 Minuten Unterricht bis zur Pause folgen, in der dann natürlich auch gelüftet wird. Die Vorgabe decke sich in etwa mit den Erkenntnissen, die beispielsweise das Stenner-Gymnasium mit dem Einsatz von CO2-Warnanlagen gesammelt habe. Nach rund 17 bis 18 Minuten würden die Werte demnach in einem normalen, voll besetzten Klassenraum bedenklich.

Schon jetzt sei es kaum möglich, eine vernünftige Raumtemperatur aufrecht zu erhalten, ganz gleich wie man die Heizungsanlage einstelle. Wie das dann werden soll, wenn es draußen richtig kalt wird, weiß niemand. „Wir haben dafür auch keine Lösung parat“, sagt Stolte. Die Kälte könne man nicht verhindern. Er, als Schulträger, hangele sich in der Pandemie von einem Problemfeld zum nächsten. Hygiene, Seife und Desinfektionsmittel als anfängliche Probleme habe man inzwischen gut gelöst. Nun geht es ums Lüften – auch bei der Öffnung der Turnhallen, für die es wie bereits berichtet auch für etwa die Hälfte der rund 30 Schulhallen keine einfachen Lösungen gibt, um die Lüftungsvorgaben des Landes zu erfüllen. Das sei momentan ein Dilemma.

Schulbetrieb aufrecht erhalten, aber lieber im Schichtmodell?

Stolte selbst folgt bei seiner Einschätzung der Schulministerin Yvonne Gebauer. Grundsätzlich sei es sinnvoll, die Schulen möglichst lange im Betrieb zu halten – die Erfahrungen aus der ersten Schulschließung in der ersten Corona-Welle im Frühjahr seien einfach zu negativ. Ein gestaffeltes Modell und halbierte Klassen könne er sich aber – anders als die Ministerin bisher noch – sehr gut vorstellen. Es gebe keine Iserlohner Messungen, inwieweit Schulen die Pandemie verstärken. Ein Infektions-Treiber seien sie sicherlich nicht, aber es kommen doch so viele Menschen dort zusammen, dass er sich gut vorstellen kann, dass auch Schulen ein gewisser Verstärker sind.

Ein Alleingang zum Schichtbetrieb, wie ihn andere Kommunen schon gehen, sei in Iserlohn nicht möglich, da Iserlohn keine kreisfreie Stadt mit eigenem Gesundheitsamt sei. Gleiches gelte für gestaffelte Anfangszeiten, um den Busverkehr zu entzerren. Auch das sei deutlich zu komplex, um es als kreisangehörige Stadt alleine anzugehen. Auch kreisfreie Städte, die den Weg gegangen seien, hätten enorm viel Energie in eine solche Lösung investieren müssen. Letztlich sei es aber auch fraglich, ob beispielsweise ein schulisches Schichtmodell wirklich alle Probleme löse.

Letztlich gehe es darum, dass Lehrer, Schüler und Eltern in Lage versetzt würden, den Unterricht so intelligent zu organisieren, dass alles auch gut weiterlaufe, wenn das Schulgebäude nicht zur Verfügung steht. „So weit sind wir aber noch nicht.“ Und vieles laufe daher auch nicht gut. Weder bei den Schulschließungen in der ersten Phase, noch jetzt, da der normale pädagogische Fluss immer wieder unterbrochen werde. „Es ist einfach ein schwieriges Jahr“, sagt Stolte. „Es wäre interessant im Nachhinein einmal zu erfahren, wie viel Bildung durch Corona verloren gegangen ist.“

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