Tiere

„Pflegefall“ erfolgreich vermittelt

Jan hat bei Petra und Jonas Hammann ein neues Zuhause gefunden.

Jan hat bei Petra und Jonas Hammann ein neues Zuhause gefunden.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.  Der schwer kranker Iserlohner Tierheim-Hund Jan findet bei Mutter und Sohn in Norddeutschland ein Zuhause.

Eine lange und traurige Geschichte hat am Donnerstag im Tierheim ein glückliches Ende genommen. Jan, ein wahrer Hunde-Pflegefall, hat ein neues Zuhause.

Rückblende auf Februar 2018: „Jan kam von einem befreundeten Tierschutzverein zu uns. Es hieß: ,Ein ganz netter Kerl, hat nur noch eine kleine Wunde an der Pfote, aber das heilt bestimmt bald ab.’“, erinnert sich Sabine Hammer, Vorsitzende des Iserlohner Tierschutzvereins. Jan soll einen Unfall gehabt haben und aus einem Straßengraben gezogen worden sein. Es stellte sich heraus, dass das Tier einen Niederbruch am Hinterbein hat und durchtrittig ist, also seinen Fuß nicht in die richtige Stellung bekommt. So wird der Ballen falsch belastet, und eine Wunde bildet sich. Dazu kam, dass Jan seinen Urin nicht halten kann und dieser immer in die Wunde lief. Später kam Kot-Inkontinenz dazu. Untersuchungen ergaben, dass er Spondylose hat, und ein Nerv wahrscheinlich abgedrückt wird. Also nicht die besten Voraussetzungen für eine schnelle Vermittlung.

Freiwillig zum Verbandwechsel

„Aber wir wollten doch nicht schon aufgeben! Jan ist durch und durch ein netter, freundlicher und vor allem lebensfroher Hund und der Liebling unserer Gassigänger. Ihn selbst scheint das alles am allerwenigsten zu stören. Zum täglichen Verbandswechsel steigt er freiwillig auf den Tisch und lässt sich gerne ,befummeln’. Seine Schmerzen scheinen sich auch in Grenzen zu halten, weil er immer gut gelaunt ist. Viele spendeten für ihn. Auch die teure Orthese wurde komplett aus Spenden finanziert. Im Laufe der Zeit wurde Jan an der Pfote operiert, ein teurer Laser wurde angeschafft, der sich jetzt aber auch schon bei anderen Tieren bewährt hat“, fasst Sabine Hammer die vergangenen Monate zusammen. Als der Vierbeiner dann auch noch einen Darmverschluss hatte, war sein Ende nahezu besiegelt. Doch der etwa zwei bis drei Jahre alte Hund ist ein Kämpfer.

Zu Jahresbeginn hatte der WDR ihn in seiner Serie „Tiere suchen ein Zuhause“ präsentiert – ohne Resonanz. Durch Zufall sah vor einer Woche Petra Hammann aus Schortens bei Jever die Folge mit den Iserlohner „Kandidaten“. „Wir hatten schon einige alte und kranke Hunde, mussten uns in letzter Zeit von zweien verabschieden“, sagt die 37-Jährige. Ihr sechsjähriger Sohn Jonas komme zwar gut damit klar, Rücksicht auf tierische Pflegefälle zu nehmen, er habe jedoch einen Wunsch geäußert: „Der nächste Hund soll jung sein, etwas länger bei uns bleiben und sich am Bauch kraulen lassen.“ Auf der Suche nach einem solchen Tier sind die beiden auf der Internetseite von „Tiere suchen ein Zuhause“ gelandet. In der Rubrik „Pechvögel“ wurde Jan in einem Video mit den Schlussworten vorgestellt: „Jetzt wartet er auf liebe Menschen, die ihn zu sich holen.“ Jonas’ Antwort kam prompt: „Mama, das sind doch wir!“

Haus mit Garten und viel Verständnis von den Haltern

Am Samstag machte sich Petra Hammann gleich auf den Weg nach Iserlohn, um Jan kennen zu lernen. „Ich war sofort verliebt“, sagt die Pflegefachkraft und Gerontologin, die aus ihrem Beruf natürlich auch alle gesundheitlichen Schwierigkeiten von Demenz bis Inkontinenz kennt. „Ich sage immer: Für jedes praktische Problem gibt es auch eine praktische Lösung.“ Sie sieht keine Schwierigkeiten darin, dass Jan teils eine Windel tragen muss und noch medizinische Behandlungen benötigt. Außerdem sei ihr Haus mit Fliesen und Laminat sowie einem großen Garten am Waldrand optimal geeignet, um dem Hund ein artgerechtes Zuhause bieten zu können. „Ich kann auch Infusionen und Verbände wechseln, so erspare ich ihm den Stress beim Tierarzt“, erklärt Petra Hammann.

Als sie, Jonas und Jan am Donnerstag nach ausführlichen Gesprächen und mit vielen Hinweisen sowie einer medizinischen Erstausstattung den Heimweg gen Norden antraten, gab es hier und da Tränen im Tierheim. Einerseits vor Freude, weil einer der schwersten Fälle nun in liebevoller Atmosphäre leben kann, andererseits vor Sehnsucht, weil Jan dem gesamten Team und vielen Gassigängern ans Herz gewachsen ist.

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