Wirtschaft

Passt Ihre Unternehmenskultur in die Zeit?

ikolas Schwarzpaul (li.), Geschäftsführer des Iserlohner Beratungs-Startups „COHR“, und Christoph Neumann, „Head of Sales“, glauben an ihren auf den Menschen bezogenen Bertungsansatz. 

ikolas Schwarzpaul (li.), Geschäftsführer des Iserlohner Beratungs-Startups „COHR“, und Christoph Neumann, „Head of Sales“, glauben an ihren auf den Menschen bezogenen Bertungsansatz. 

Foto: Thomas Reunert

Iserlohn.  COHR Consulting aus Iserlohn entwickelt eine neue Geschäftsidee, weil Kunden bereits mit Vertrauens-Vorschuss nachfragen.

„Ich habe eher durch Zufall Niko nach einigen Jahren wiedergetroffen, er hat mir von seiner Idee erzählt, und mir wurde ziemlich schnell klar: Hey, das passt doch ganz prima zusammen.“ Der Mann, der das sagt, ist Christoph Neumann, bis Ende letzten Jahres noch in Diensten der ESO und des Aufbau- und Privatgymnasiums am Seilersee und vielen Menschen in Südwestfalen, vor allem Studenten und Unternehmern, bekannt als aktueller Chef-Organisator und bereits langjähriger Mit-Strippenzieher beim Campus Symposium. Der „Niko“, vom er da gerade gesprochen hat, ist Nikolas Schwarzpaul, 30-jähriger Geschäftsführer des Iserlohner Startups „COHR“.

Und COHR Consulting, um das Neugeborene beim richtigen Namen zu nennen, wiederum ist ein Startup im neuen Leichtlauf-Work-Tempel „Office&friends“ zu Sümmern, das sich auf Unternehmensberatung mit einer ganz besonderen auf den Menschen bezogenen Methodik und Analytik spezialisiert hat. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit für COHR tätig und Neumann, der also zum Jahreswechsel als „Head of Sales“ zum Startup gewechselt ist, betont am Rande, aber auch mit leichtem Stolz in der Stimme: „Fünf davon sind Absolventen der ehemaligen BiTS, die irgendwie diese Dietrich-Walther-Mentalität in sich haben, dieses unternehmerische Denken und Handeln.“ Von ihm, das könne man jetzt schon sagen, habe man eben gelernt, jedes Unternehmen individuell zu betrachten. Mit all seinen Eigenheiten, Stimmungsbildern und Alleinstellungsmerkmalen. Darüber wird später noch zu reden sein.

Beim Campus Symposium wird viel weiter Hand in Hand laufen

Eigentlich hatte die Gesprächsverabredung ja stattgefunden, um Informationen darüber zu bekommen, wie die neue berufliche Situation des Christoph Neumann Einfluss haben könnte auf die Durchführung des diesjährigen Campus Symposiums. Und auch, um bei diesem Thema mal ein grundsätzliches Veranstaltungs-Update zu bekommen. Da aber COHR-Geschäftsführer Nikolas Schwarzpaul ebenfalls an diesem Morgen des noch ganz jungen Jahres ins Gutenbergzimmer gekommen ist, wird es plötzlich ein ganz spannendes Gespräch über eine neue, verfeinerte Idee auf einer durchaus bereits gesetzten Basis.

Doch bevor es nun um COHR Consulting geht, soll es aber doch noch einmal kurz ums Campus Symposium gehen. Er könne, wie schon bei seinem früheren Arbeitgeber, sich dem Thema ganz intensiv widmen, sagt Neumann. Und auch der Kontakt zur ISM, der Dortmunder Hochschule, die nach der BiTS in die Rolle des universitären Partners geschlüpft war, werde sich im Grundsatz nichts ändern. Sein Kontakt zu allen bisherigen Partnern sei ungebrochen vorhanden, und „vieles wird auch weiterhin Hand in Hand laufen“. Aber auch sein neuer Arbeitgeber passe eben ganz hervorragend zu den Campus-Zielen- und –Themen. So weit, so vielversprechend.

Nun also zu Nikolaus Schwarzpaul, wie Neumann übrigens Absolvent der Unternehmer-Hochschule BiTS am Seilersee. Er berichtet, dass die Unternehmenswurzeln von COHR in der bereits seit über 50 Jahren am Markt agierenden Iserlohner Firma OP&V zu suchen sind, spezialisiert auf die Themen „Entgeltabrechnung“, „Personaladministration“ und „Personal-Management. „Die Firma wurde damals von neun Iserlohner und Hagener mittelständischen Unternehmern gegründet, die es damals schon verstanden haben, dass es im Rahmen der damals noch nicht EDV-gestützten Personal-Prozesse Sinn machen kann, Synergien zu schöpfen.“ Im Laufe der 80er Jahre habe man sich dann auch für andere Kunden geöffnet und daraus ein richtiges Firmenmodell entwickelt, zählen heute über 250 Unternehmen der Region und darüber hinaus zu den Kunden. Schwarzpaul: „Und viele davon sind immer wieder mit der Frage an uns herangetreten, ob man denn nicht aufgrund der ohnehin vorhandenen Insider-Positionen in den Betrieben auch noch in anderen Fragen des Personalwesens weitergehende Beratungsleistungen anbieten können.“

Diese Kontakte und die aus dem engen Draht zu den Unternehmen und ihren Personalsituationen resultierenden Fragestellungen will man nun mit dieser „echten Ausgründung“ nutzen, um ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln und am Markt offensiver zu platzieren. „Daran haben wir rund ein Jahr vorbereitend gearbeitet. Und jetzt geht es endlich los.“

Digitalisierung heißt nicht einfach Automation von XY

Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht laut Neumann das Kümmern um und „die Sorge für die Mitarbeiter, die wir in Südwestfalen haben und die, die wir hier jetzt du zukünftig brauchen“. Weiter sagt er: „Wir müssen verstehen, dass es – wenn wir über Digitalisierung sprechen – nicht um Automation von XY geht, sondern wir müssen die Denkweise der Arbeitnehmer und auch der Führungskräfte und Unternehmen ein Stück weit aufbrechen. Wir müssen uns für die Arbeitssuchenden interessant machen.“ Und dann fragt Neumann noch etwas provozierend: „Aber warum tun wir uns dabei so schwer in Südwestfalen? Weil viele Unternehmen oftmals eine Unternehmenskultur haben, die viele junge Leute einfach nicht anspricht.“

Bei COHR wolle man also versuchen, ohne die Südwestfalen-DNA zu verlieren, mit einzelnen Unternehmen eine junge, frische DNA hinzubekommen, die das Unternehmen für die nächsten Generationen attraktiv machen würde. Und Schwarzpaul ergänzt: „Das Ganze aber auch, ohne Mitarbeiter, die schon lange im Betrieb und riesige Knowhow-Träger sind, zu verlieren.“ Und er ergänzt noch: „Kern unserer Aktivitäten wird also sein, den Menschen in den Kern unserer Überlegungen zu stellen und auch alte klassische Werte nicht zu verletzen.“ Es ginge darum, den Menschen für die Arbeit einen neuen Sinn zu vermitteln. „Es geht nicht nur allein ums Geldverdienen, sondern auch um die Frage: Warum fahre ich heute ins Büro, was ist der Mehrwert? Wie hoch ist der Grad der Zufriedenheit, der sich dann auch wieder auf die Leistungsfähigkeit und das Ergebnis auswirken. Und dieses Potenzial schlummert in ganz vielen unserer einheimischen Betriebe, und wir verlieren trotzdem viele gute Leute an die Großstädte und Unternehmen.“ Das führe aber eben auch inzwischen zu einem Umdenken auf der Arbeitgeberseite: Sie stellten fest, dass sowohl bei den Azubis als auch bei den Fachkräften keine oder nur eine geringe Stellennachfrage herrsche, der Erfolgs-Automatismus der letzten Jahrzehnte habe sich aufgelöst. Also müsse gehandelt werden.

Hoffnung für alle die, die neue Entwicklungen fürchten

Und dann wird Christoph Neumann noch einmal grundsätzlich, fast arbeits- und zukunftsphilosophisch. „Wir haben eine Mission. Die Mission, in Südwestfalen das Leben schöner zu machen und dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhalten. Ich wiederhole mich, aber ich sage es gern noch einmal: Ich möchte, dass meine Kinder hier und der Region tolle Jobs finden können, wenn sie das denn möchten. Und das auch noch in 25 Jahren.“ Und das passe neben auch so genau zum Campus Symposium. „Und das gibt uns auch das Recht, mal etwas lauter zu werden und zu sagen: Hey, liebe Unternehmer, was ist denn los bei Ihnen? Werden Sie wach!“ Und da ist auch noch ein Satz im Firmenprofil, der in Zeiten des Umbruchs und auch der Skepsis vieler Menschen gegenüber der offenbar unaufhaltsamen Digitalisierung zeigt, dass es durchaus auch konzeptionelle Hoffnung geben kann: „Wir passen auf, dass wir Sie auf der digitalen Transformationsreise nicht verlieren. TOP 1: Nicht alles, was digitalisiert werden kann, muss digitalisiert werden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben