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„Online-Märkte sind nicht der heilige Gral“

Michael Knüppel ist nach eigenen Angaben ein großer Menschenfreund. Aber nicht zuletzt ein Blick in sein Büro lässt durchaus darauf schließen, dass er vermutlicher auch ein ordentlicher Individualist sein kann.  

Michael Knüppel ist nach eigenen Angaben ein großer Menschenfreund. Aber nicht zuletzt ein Blick in sein Büro lässt durchaus darauf schließen, dass er vermutlicher auch ein ordentlicher Individualist sein kann.  

Foto: Thomas Reunert

Der Iserlohner Kreisanzeiger stellt in loser Folge „Heimat-Macher“ vor: dieses Mal Michael Knüppel

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Ein „Heimat-Macher“ macht natürlich keine Heimat. Aber er prägt sie, arbeitet für sie und mit ihr und ihren Menschen und trägt so dazu bei, dass sich die Heimat, unsere Heimat, weiterentwickelt. Der Iserlohner Kreisanzeiger stellt in loser Folge solche „Heimat-Macher“ vor. Heute Michael Knüppel, Vorstand für Vertrieb, Marketing und Personalentwicklung des Baustoff- und Holzfachhändlers und Hagebaumarkt-Betreibers Bauking mit Sitz in Iserlohn. Arbeitgeber für rund 4000 Frauen und Männer an rund 130 Standorten.

Dass dieser Michael Knüppel (56) wahrscheinlich sogar der Prototyp eines „Machers“ ist, merkt man nicht erst am Schraubstock-Händedruck. Er kommt schon über den Flur zum Gast wie ein frisch gespannter Flitzebogen auf zwei Beinen. So sehen Dynamiker aus. Im Gespräch wird er sich auch nicht damit begnügen, auf die Fragen nur zu antworten. Knüppel erklärt, stellt Dinge in einen Kontext, verknüpft Themen und schlägt Brücken zwischen unterschiedlichen Arbeits- und Gedankenwelten.

Kunden, die ins Haus kommen, suchen eine Problem-Lösung

Er sitzt in einem schicken Büro mit mächtigem Schreibtisch und mit Blick auf das wahrlich nicht kleine Bauking-Gelände in Bilveringsen kurz vor der Stadtgrenze zu Hemer. Etwas weiter oben thront die Kulisse vom Hagebaumarkt, der gerade nicht unerheblich erweitert wird. In der nicht weniger mächtigen Schrankwand sieht der Besucher eine Art Hobby-Altar mit Porsche-Modell und anderen kleineren Devotionalien. Michael Knüppel stellt sich offensichtlich mit großem Einsatz den Anforderungen des Berufslebens, weiß aber auch dessen Vorteile zu schätzen. Allerdings ist es für ihn auch keine Selbstverständlichkeit, hier und jetzt zu sitzen. Er erzählt von seiner Lehrjungenzeit bei „Holz und Bau“ gegenüber des alten Güterbahnhofs von Iserlohn. „Ich glaube, das kennt ja wohl so ziemlich jeder der nicht ganz so jungen Iserlohner noch.“ Eigentlich sei ihm das Mopedfahren damals viel wichtiger gewesen, als die Lehre in dieser Branche, aber irgendwann muss der gebürtige Hohenlimburger und spätere Dröscheder dann doch wohl Blut geleckt haben. Und nach wie vor findet er es jedenfalls hochgradig spannend, dass man es auf der einen Seite zwar mit unzählig vielen und immer wieder neuen Baustoffen und unterschiedlichsten kaum überschaubaren Baustoff-Angeboten, -Neuerungen und -Veränderungen zu tun, gleichzeitig aber den leibhaftigen Kunden und seine tatsächlichen Bedürfnisse vor Augen und im Geschäft hat. Dass man dabei immer wieder vor neue Probleme gestellt würde und eben nichts davon konfektioniert sei, sei da nur eine der zahlreichen Herausforderungen. „Die Informationsmöglichkeiten und –dichte unserer Kunden ist heute einfach durch das Internet schon unglaublich groß.“ Also müsse man doch davon ausgehen, dass die meisten Kunden, die in die Fachhändler- und Baumärkte kämen, tatsächlich ein Problem hätten. Und das dann tatsächlich zu identifizieren und lösen zu können, sei eine der spannendsten Aufgaben.

Erstaunlich gelassen und realistisch bleibt dieser Michael Knüppel beim Thema „Digitalisierung“. „Einer der überstrapaziertesten Begriffe der jüngeren Zeit“, sagt er. Natürlich arbeiten auch er und seine Mannschaft an einer sinnvollen und zweifellos notwendigen Positionierung in dem großen Feld der Online-Märkte, aber man wolle eben nicht dieser am Ende doch anonyme Digital-Anbieter sein, sondern sich auf ganz neuen Feldern im Bereich Service und Handwerker-Angeboten positionieren. „Online-Märkte sind weiß Gott nicht der heilige Gral. Wir selbst müssen uns darauf konzentrieren, für den Kunden nachvollziehbare Erlebniswelten zu schaffen. Der will nicht unsere 37 Sandsteinsorten sehen, sondern das, was daraus gemacht werden kann. Das muss im Fokus unserer Kreativität liegen.“

Der Schalke-Fan hat derzeit wenig Grund zum Jubeln

Ein großes Unternehmens-Thema ist für den zweifachen Vater Michael Knüppel natürlich auch die Ausbildung junger Menschen. „Wir haben bundesweit derzeit 350 Auszubildende“, sagt er. Und das, obwohl er auch weiß, dass „unserer Branche in der heutigen Zeit vielleicht bei den jungen Leute nicht als besonders sexy angesehen wird“. Hier aber dennoch auf unterschiedlichsten Wegen eine mediale Brücke zu schlagen, sei eine spannende Aufgabe.

Und sonst? Hobbys? „Ich sage bei der Frage immer Sport, aber in der Wirklichkeit ist dafür eigentlich nicht richtig Zeit.“ Bauking sei in Deutschland großflächig aufgestellt, allein das binde schon viel Zeit und Kraft. Dem Schmuck an einer anderen Bürowand ist zu entnehmen, dass Knüppel offenbar auch eine gewisse blau-weiße Zuneigung zu Schalke 04 und den Roosters hat. „Allerdings hatte ich in dieser Spielzeit bisher noch nicht ganz so viel Spaß.“ Aber er gedenkt wohl auch nicht, sich davon nachhaltig niederdrücken zu lassen. Vermutlich gehen seine Gedanken in diesem Moment viel eher in Richtung der nächsten Leitzinserhöhung, bzw. dem von ihm prognostizierten Rückgang im Neubaubereich und einem aufkeimenden Wunsch nach Renovierung und Modernisierung. „Ich bin mir sicher, da wird sich in den nächsten zwei Jahren einiges Gutes für uns entwickeln.“ Ohne eine gehörige Portion Optimismus kommt eben kein Macher aus.

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