Klimawandel

Neue Ziele beim Klimaschutz

Stadtbaurat Thorsten Grote und die Klimaschutzbeauftragte Ulrike Badziura erläutern im Gespräch Klimaschutz-Aktivitäten.

Stadtbaurat Thorsten Grote und die Klimaschutzbeauftragte Ulrike Badziura erläutern im Gespräch Klimaschutz-Aktivitäten.

Foto: Stefan Drees

Iserlohn.  Mit vielen kleinen Schritten möchte die Verwaltung am Ende spürbare Fortschritte erzielen.

Anfang März wird es einen gemeinsamen Workshop des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz, des Verkehrsausschusses und des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung geben. Im Mittelpunkt wird dann das Thema Klimaschutz stehen. Ein Thema, das, wie es die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Iserlohn, Ulrike Badziura, sagt, „mehr denn je in der Gesellschaft angekommen ist – jeden Tag und überall in der Welt“. Aktuell befindet sich die Verwaltung in einer Art Zwischenphase.

Ziele, die beispielsweise durch einen Ratsbeschluss 2012 definiert worden sind, seien teilweise erreicht oder man befinde sich bei der Umsetzung im Soll. Der Bedeutung und Dynamik, die das Thema Klimaschutz vor dem Hintergrund des Klimawandels nunmehr erfahren hat, will man aber auch durch neue Zielsetzungen gerecht werden. Wird Iserlohn da die eine „Superidee“ aus dem Hut zaubern, die die Stadt wegweisend nach vorne bringt? Ulrike Badziura glaubt daran nicht. Vielmehr müsse man im Alltag viele Ideen zusammentragen, aus denen dann viele kleine Schritte hervorgehen würden, die dann in der Summe aber gleichwohl spürbare Fortschritte bringen sollen.

Badziura betont, dass Iserlohn in Sachen Klimaschutz nicht bei Null anfange. Bereits 1991 sei mit einem Energieversorgungskonzept und ersten Ermittlungen der CO2-Emissionen begonnen worden. CO2-Minderungsprogramm, Beitritt zum Klimabündnis, das Projekt Ökoprofit, Ernennung eines Klimaschutzbeauftragten, Gründung des Netzwerkes Iserlohnenenergieklima (Gebäudesanierung, Energieeffizienz), ein Klimaschutzkonzept beim Kommunalen Immobilienmanagement und seit 2009 regelmäßige Auditierungen beim European Energy Award sind hier zunächst zu nennen. Ulrike Badziura betont, dass bei den meisten Projekten die Stadtwerke Iserlohn ein wichtiger Partner gewesen seien und noch sind.

2012 dann der bereits erwähnte Ratsbeschluss zu einem Integrierten Kommunalen Klimaschutzkonzept. So sollen die von der Stadt beeinflussbaren CO2-Emissionen mit Stand 1990 bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent sinken. 2017 betrug hier der „Erfüllungsgrad“ 48 Prozent. Fortschritte gibt es auch beim Ziel, den Anteil Erneuerbarer Energien am Energieendverbrauch zu steigern. In diesem Bereich gibt es aber auch einen Punkt, bei dem Iserlohn hinterherhinkt. Gemeint ist die Erzeugung Erneuerbarer Energien direkt vor Ort. Das hängt insbesondere damit zusammen, dass Projekte im Bereich Windkraft geplatzt sind, maßgeblich auch aufgrund von Widerstand aus der Bevölkerung. Ulrike Badziura sagt hier aber auch: „Wir leben in einer Demokratie und es gibt ein Spannungsfeld wegen der räumlichen Nähe von Anlagen.“

ÖPNV: Akzeptanz beijungen Menschen steigt

2014 folgte der Schritt zur KWK-Modellkommune, erneut in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken. 2015 wurde dann eine Stelle Klimaschutzmanagement eingerichtet. Inzwischen, das betont Stadtbaurat Thorsten Grote, gebe es einen einstimmigen Beschluss, diese Stelle auch nach dem Auslaufen der Förderung Ende des Monats beizubehalten. Und vielfältige Aktivitäten gibt es auch im Bereich E-Mobilität.

Es gibt Aktionstage (e-Mobil-Tag), ein Netzwerk oder Anstrengungen zum Ausbau der Lade-Infrastruktur. Ulrika Badziura ist überzeugt, dass die E-Mobilität in absehbarer Zeit einen explosiven Marktdurchbruch erleben wird. Parallelen sieht sie hier beispielsweise zum Durchbruch der Smartphones. Und Thorsten Grote ist überzeugt, dass auch das Thema ÖPNV bedeutsamer werde, auch im ländlichen Raum. Grote spricht hier auch von einer steigenden Akzeptanz bei jungen Menschen. Grote nennt das Beispiel Seilerseegebiet. Bei der Lösung der dortigen Probleme werde dem ÖPNV ein großer Anteil zugesprochen.

Bei der Energieerzeugung kündigt Grote weitere Schritte im Bereich Photovoltaik an. Gemeinsam mit den Stadtwerken sei man auf einem guten Weg, künftig alle geeigneten Dachflächen öffentlicher Gebäude mit Photovoltaik zu bestücken. Und bei der Entwicklung neuer Baugebiete oder größerer Bauprojekte werde regelmäßig der Einsatz alternativer Energieformen geprüft. Notwendig sei es aber, dass solche Alternativen auch marktgängig seien.

Iserlohn gehört zu den Kommunen, die sich dagegen entschieden haben, den sogenannten „Klimanotstand“ auszurufen. Ein Fehler? Stadtbaurat Grote glaubt das nicht. Denn die Ausrufung des Klimanotstandes würde die vielfältigen Aktivitäten und Projekte verkennen, die Iserlohn längst auf den Weg gebracht habe. Und Ulrike Badziura sagt sogar, dass es inzwischen in der Verwaltung eine „gelebte Art“ sei, sämtliche Dinge immer auch unter dem Blickwinkel des Klimaschutzes zu beleuchten. Thorsten Grote sagt aber auch, dass diesbezügliche Aktivitäten Sinn machen müssten, Vorgaben dürften nicht zur „Beschäftigungstherapie“ ausarten.

Erst so warm wie in Karlsruhe, später dann wie in Lyon

Bei allen Anstrengungen und Projekten ist aber auch eines klar: Bei der Verhinderung oder Abmilderung des Klimawandels kann Iserlohn nur einen ganz kleinen Beitrag leisten. Anders sieht es bei der Fragestellung aus, inwieweit eine Stadt Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels ergreifen kann. Vor wenigen Monaten hat der Rat auch dazu ein Konzept beschlossen. Eindrücklich dürfte hier eine plastische Darstellung im Rahmen der Konzeptvorstellung geblieben sein: Würde der Klimawandel ungebremst weiter gehen, würden sich in Iserlohn im Zeitraum von 2031 bis 2060 klimatische Verhältnisse wie heute in Karlsruhe einstellen, im Zeitraum 2071 bis 2100 prognostizieren die Gutachter dann sogar klimatische Verhältnisse wie heute in Lyon. Als wichtige Tätigkeitsfelder, die unter dem Blickwinkel der Anpassung an den Klimawandel durchleuchtet werden müssten, werden die Bereiche Bauen, Biodiversität, Wald & Forst, Landwirtschaft, Verkehr, Industrie und Gewerbe, Energie, Abfallwirtschaft, menschliche Gesundheit, Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz genannt.

Bürgerbeteiligung einwichtiger Bestandteil

Und spätestens beim Thema Wald wird ja auch deutlich, dass der Klimawandel Iserlohn erreicht hat und das auch nicht mehr geleugnet werden kann. „Wer hätte 2017 geglaubt, dass unserem Wald eine Katastrophe bevorsteht?“, fragt Ulrika Badziura. Der Wald, so Stadtbaurat Grote, dürfe nicht mehr nur als Wirtschaftsfaktor gesehen werden. Insofern sieht er dadurch, dass der Stadtwald mit Beginn des Jahres mit der Herauslösung aus dem SIH sich wieder komplett im Verantwortungsbereich der Stadt Iserlohn befinde, auch mehr direkte Gestaltungsmöglichkeiten. Den Wald überlebensfähig machen, damit er seiner Bedeutung für Klima und Naherholung gerecht werden könne, sei das Ziel.

„Fridays for Future“ – diese Bewegung hat längst auch Iserlohn erreicht. Thorsten Grote und Ulrike Badziura begreifen das auch als Ansporn und Druck, in Iserlohn noch mehr in Sachen Klimaschutz zu unternehmen. Bürgerbeteiligung inklusive Austausch mit der jungen Generation sehen dabei beide als einen wichtigen Bestandteil. Und sie haben die Hoffnung, dass in Iserlohn sämtliche Ziele im gesellschaftlichen Dialog zu erreichen sind.

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