Musik

Mehr Luther in einem Konzert geht nicht

Prof. Istvan Ella wurde am Sonntag von Katalin Ella unterstützt, als er auf der Johanneskirchen-Orgel spätromantische Werke spielte.

Foto: Michael May

Prof. Istvan Ella wurde am Sonntag von Katalin Ella unterstützt, als er auf der Johanneskirchen-Orgel spätromantische Werke spielte. Foto: Michael May

Iserlohn.   Der Orgelsommer in der Johanneskirche am Nußberg endete mit dem Konzert von Prof. Istvan Ella.

Der rote Mittelklassewagen mit dem ungarischen Kennzeichen „B-A-C-H 01“ auf dem Parkplatz an der Johanneskirche am Nußberg kündigte es bereits an: Prof. Istvan Ella, musikalischer Wegbegleiter und persönlicher Freund des Orgelsommer-Initiators Dr. Wolfang Besler, hatte sich eigens für den Abschluss der diesjährigen Musikreihe auf den langen Weg von Budapest nach Iserlohn gemacht, um weitere, sehr markante, musikalische Akzente im Lutherjahr 2017 zu setzen.

Einprägsamste Choralmelodien im Gepäck

Waren die bisherigen Programme des Orgelsommers durchaus auch vom Großereignis des Lutherjahres geprägt, nach dem Abschlusskonzert war sich die anwesende Iserlohner Orgelgemeinde jedoch einig: mehr Luther in einem Konzert geht nicht. Istvan Ella hatte einige der einprägsamsten und bekanntesten Choralmelodien Luthers im Gepäck, bearbeitet in Orgelwerken der sicherlich ihre jeweilige Epoche prägenden und bestimmenden Orgelkomponisten Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger.

Ella begann und endete mit Werken Johann Sebastian Bachs, der ja quasi 200 Jahre nach Luther mit dessen Liedern in protestantischer Tradition aufwuchs und die Melodien dieser Kirchenlieder in vielen Choralsätzen oder Orgelbearbeitung verwendete. Die aus diesem „Verwandtschaftsverhältnis“ zwischen Luther und Bach entstammenden und in den „Clavierübungen III“ zusammengefassten Choralbearbeitungen, oftmals als Orgelmesse bezeichnet, gehören zweifellos zu den Gipfelwerken der Orgelliteratur. So erklang zunächst Luthers „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ in fugenartigen Einsätzen, kunstvoll verarbeitet und perfekt dargeboten von Istvan Ella. Die das Konzert umfassende „Bach-Klammer“ schloss sich am Ende des Konzerts als Zugaben in Form zweier Choralvorspiele zu „Vater unser im Himmelreich“.

Luthers „Aus tiefer Not“ durchdrang dann ebenfalls Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate A Dur im mächtigen und dem Interpreten bereits technisch alles abverlangenden ersten Satz, während zum zweiten Satz, passend zu den versöhnlich ausklingenden Schlussakkorden, die Abendsonne freundlich durch die Kirchfenster lugte. Mendelssohn Bartholdys sehr kontrastreich angelegte Bearbeitung des Luther-Chorals „Vater unser im Himmelreich“ in seiner Sonate d-Moll gab Istvan Ella darauf die Gelegenheit der Ott-Orgel der Johanneskirche trotz deren überschaubaren Registrierungsmöglichkeiten eine bewundernswert vielfältige und authentische Ausdrucksstärke zu entlocken. Dass auf einer derartig rein mechanisch konzipierten und natürlich ohne elektronische Programmierungshilfen versehenen Orgel durchaus auch spätromantische Werke wiedergegeben werden können, bewies Professor Ella, mit tatkräftiger Unterstützung des „Registrierteams“ Katalin Ella und Dr. Wolfgang Besler, bei der abschließenden, fantastischen Choralfantasie von Max Reger „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Das geht schon unter die Haut, wenn die Melodie dieser protestantischen „Luther-Hymne“ in seinem dramatischsten Teil (. . . und wenn die Welt voll Teufel wär) mit dreifachem Forte und Doppelpedal die Welt äußerst drastisch schildert, um zum Schluss (. . . das Reich muss uns doch bleiben), zunächst musikalisch versöhnlich im Pianissimo endend, dann aber doch mit harmonisch ausdrucksstarken, kräftigen und bestimmenden Akkorden jegliche Zweifel an der Textaussage Martin Luthers zu zerstreuen.

„Meine Orgelsachensind schwer“

Max Reger, selbst katholisch, besaß, insbesondere in Bezug auf die formalen Quellen und die Kompositionstechniken, eine große Affinität zu Bachs Werken und damit auch zu Luthers Chorälen. „Meine Orgelsachen sind schwer“, schrieb er 1900, „es gehört ein über die Technik souverän herrschender geistvoller Spieler dazu“. Dass ein solcher Spieler in Person von Istvan Ella am Sonntagabend am Nußberg zu Gast war und dass mit diesem virtuos-glänzenden und zugleich dramatischen Werk ein äußerst passender und würdiger Höhepunkt und Abschluss des Orgelsommers im Lutherjahr gefunden wurde, war allen Zuhörern mehr als klar und wurde mit lang anhaltendem, dankbarem Beifall belohnt.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik