In eigener Sache

Leitplanke für eigene Überzeugung

Uwe Mattern ist neuer Geschäftsführer des Iserlohner Kreisanzeigers.

Uwe Mattern ist neuer Geschäftsführer des Iserlohner Kreisanzeigers.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Uwe Mattern ist seit dem 1. Januar alleiniger Geschäftsführer beim Zeitungsverlag Iserlohn und dem dazugehörigen Vermarkter IKZ-AV.

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Natürlich gibt es immer wieder Branchen, bei denen es – gefühlt – ganz gleich zu sein scheint, aus welchem früheren Arbeitsbereich das Führungspersonal kommt. Aber es gibt eben auch unternehmerische Herausforderungen, die nach wie vor ganz spezielles Fach- und Marktwissen erfordern, die gar nicht ohne „Stallgeruch“ der eigentlichen Branche auskommen. Und so ein spezieller Bereich ist mit Sicherheit auch die Lokalzeitung mit ihrem vielseitigen Journalismus und dem entsprechenden, sich am Verbraucher orientierenden Werbe- und Anzeigenrahmen in all ihren analogen und digitalen Darstellungsformen.

Uwe Mattern (57) ist genau so ein Insider, der das, was er heute nachhaltig erfolgreich vertreten und weiterführen möchte, auch von der Pike auf gelernt hat. Mattern ist seit dem 1. Januar 2020 alleiniger Geschäftsführer beim Zeitungsverlag Iserlohn und dem dazugehörigen Vermarkter IKZ-AV und verantwortet somit den gesamten kaufmännischen Bereich der Heimatzeitung und aller dazugehörigen Produkte.

Herr Mattern, Sie glauben an die Zukunft der lokalen Tageszeitung und damit auch an die Zukunft der Heimatzeitung für Iserlohn und Hemer – warum?

Paul Josef Raue, ein leider gerade viel zu früh verstorbene Kollege mit Weit- und Durchblick, hat es vor gar nicht langer Zeit so formuliert: „Im Lokalen und nur im Lokalen werden die Nachrichten und die Geschichten recherchiert und geschrieben, die unsere Leser wollen, die sie brauchen und die sie als unverzichtbar erkennen; nur hier wird kommentiert, was die Meinungsbildung der Leser wirklich beeinflusst; nur hier beginnen die großen Debatten, die die Menschen bewegen; nur hier starten die Initiativen, die Ehrenämter, die Gründer.“ Dem es ist eigentlich gar nicht so viel hinzufügen.

Glauben Sie also auch an die Existenz der „Hyperlocals“, also der Menschen, die sich auf die Sicht und Welt des Lokalen zunehmend fokussieren?

Auf jeden Fall. Viele Menschen empfinden doch Globalisierung und Informationsflut als Vertrautheitsschwund, und somit wächst bei ihnen das Bedürfnis nach Erdung des eigenen Lebens und Denkens. Und sie möchten sich aktiv in ihrer Mitwelt engagieren. Heimat als Gestaltungsraum – Heimatzeitung als digital-analoges Forum für eine neue Bürgerkultur. Unsere Zeitung liefert für diese Gruppe Trends, Einschätzungen, Leitplanken für die Entwicklung eigener Überzeugungen. Und sie bietet ihnen die Möglichkeit, sich aktiv in Entscheidungsprozesse einzubringen. Und letztlich sogar auch durch Themenstellung den Inhalt „ihrer“ Heimatzeitung mitzubestimmen und mitzuformen.

Die Lokalzeitung also als gesellschaftliches Bindemittel?

Genau! Was die Zeitung besonders macht, ist doch das Dazugehörigkeitsgefühl, das sie vermittelt. Wer die Tageszeitung liest, fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft, weil gewiss ist, dass irgendjemand da draußen gerade genau denselben Artikel liest oder sich über dieselbe Reportage Gedanken macht.

Aber trotz einer langen Verlagsgeschichte und achtbaren Erfolgen in der Vergangenheit – so ganz ohne Umbruch geht es doch bei einer Heimatzeitung auch nicht.

Ich will hier nicht sagen: „Umbruch“! Ich möchte eher sagen „Weiterentwicklung“. Natürlich wollen wir nach wie vor unsere Leserinnen und Leser glücklich und zufrieden machen, die morgens beim Frühstück zuhause oder in der ersten Arbeitspause eine frische Zeitung raschelnd durchblättern und dabei auch den Duft von Druckerschwärze in der Nase haben wollen. Wir wollen aber auch diejenigen zufrieden machen und begeistern, die per Blick auf das iPad, den Rechner-Bildschirm oder die Handy-App wissen wollen, was gerade in ihrer Umgebung Sache ist, worüber man spricht und noch sprechen wird

Also liegt die künftige Herausforderung in der digitalen Ausspielung der Informationen und des ganzen Angebotes?

Ja, aber nicht nur. Der schnelle und möglichst störungsfreie Weg zum Leser ist schon wichtig, aber er ist längst nicht alles. Noch wichtiger ist der professionelle Journalismus. Heute mehr denn je. Gerade Glaubwürdigkeit und Vertrauen gelten in einem immer unübersichtlicher werdenden Medien-Dschungel als einzig wahre Garanten für den Qualitätsjournalismus.

Viele – vor allem auch junge – Nutzer glauben aber, dass das Internet kostenlos auch ausreichend Informationen bieten kann.

Irgendwelche ungefilterten Informationen aus unsicheren Quellen vielleicht. Aber jede noch so große Internet-Betriebsamkeit kann nicht darüber hinwegtäuschen: Qualitätsjournalismus ist nicht umsonst zu bekommen. Das war noch nie so und wird auch nicht so sein.

Heißt für Sie aber auch im Umkehrschluss . . . ?

Die Aufgabe für den modernen, professionellen Informationsanbieter – einmal ganz vereinfacht – lautet, den ökonomischen Erfolg und publizistisches Ideal zu verbinden.

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