Energie

Keine Sorge vor dem Gas-Engpass

Weil in Iserlohn 2023 von L-Gas auf H-Gas umgestellt werden soll, müssen zuvor an rund 22000 Gasgeräten in Privathaushalten die Düsen getauscht werden.

Foto: Norbert Försterling

Weil in Iserlohn 2023 von L-Gas auf H-Gas umgestellt werden soll, müssen zuvor an rund 22000 Gasgeräten in Privathaushalten die Düsen getauscht werden. Foto: Norbert Försterling

Iserlohn.   Nach den Erdbeben in der Förderregion Groningen: Laut Plan werden die Geräte in Iserlohn erst 2023 umgestellt – ein immenser logistischer Aufwand steht bevor.

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Weil unter einem von Europas wichtigsten Förderfeldern in Groningen die Erde immer häufiger rumort, planen die Niederlande laut Medienberichten die Produktion zu drosseln. Auch Iserlohn bezieht Gas aus dem Groninger Feld, mit einem energiepolitischen Erdbeben in Form eines drohenden Gas-Engpasses rechnet man beim hiesigen Hauptversorger, den Stadtwerken Iserlohn, allerdings nicht. „Wir sehen das Thema noch recht gelassen“, sagt Thomas Armoneit, Bereichsleiter Technisches Management.

Zur Erklärung: Bis 2030 sollen sämtliche Haushalte in Deutschland von L-Gas („Low Calorific Gas“), wie in Groningen produziert, auf H-Gas („High Calorific Gas“) umgestellt werden. Letztgenanntes enthält rund 10 Prozent mehr Energie – und ist somit effizienter. 2023 – so sieht es der Netzentwicklungsplan vor, sollen die Gasgeräte in Iserlohn umgestellt werden. Im Wesentlichen müssen dazu die Düsen getauscht werden. Andernfalls würde der höhere Energiegehalt des H-Gases für eine zu große Flamme sorgen.

Rund 20 000 Kunden in Iserlohn sind betroffen

Auf die Stadtwerke kommt durch die nahende Umstellung ab 2021 eine Menge Arbeit zu. Rund 20 000 Gaskunden mit 22 000 Zählern hat der Versorger im Stadtgebiet. Hinzu kommen noch die Industriekunden. Andere Gasanbieter decken laut Armoneit rund 15 Prozent der Gaskunden ab.

Stand jetzt müssten Monteure im Jahr 2021 beginnen, die betroffenen Haushalte zu besuchen und Vorarbeiten zu leisten. Der genaue Aufwand hängt dann vom technischen Stand der vorhandenen Geräte ab. „In der Hochphase werden sicher ungefähr 100 Monteure durch Iserlohn ziehen“, schätzt Armoneit – ein immenser logistischer Aufwand, der nur durch externe Auftragsunternehmen gedeckt werden könne.

Eine weitere Schwierigkeit: Für die Umstellung von L- auf H-Gas wird es keine Übergangsphase, sondern einen konkreten Termin geben. „Es gibt Geräte, die können drei Monate vorher, andere eine Woche, wiederum andere auch drei Monate später umgestellt werden“, erklärt Armoneit – je nach technischem Stand. All dieses muss termingenau koordiniert werden – mit den Monteuren und auch den Kunden.

Die Gasversorger bekommen dazu ein verbindliches Zutrittsrecht für Gebäude. Wer sich weigert oder verhindert ist, dessen Haushalt kann im schlimmsten Fall von der Gasversorgung abgetrennt werden. „Das müssen wir natürlich vorab jedem Kunden gut erklären“, sagt Thomas Armoneit darum.

Spannend wird auch sein, ob sich überhaupt ausreichend Fachkräfte für die Umstellung finden lassen werden. Die nämlich müssten sich eigens vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches zertifizieren lassen – und wären nach planmäßigem Abschluss der Umstellung 2030 voraussichtlich beschäftigungslos.

Konvertierungsanlage als eine mögliche Lösung

Sollten nun, wie in einigen Medien vermutet, die Niederlande aufgrund der zunehmenden Erdbeben in Groningen die Gas-Produktion nachhaltig drosseln oder womöglich gar vor dem Ende der geplanten Umstellung in Deutschland 2030 einstellen, könnte dies laut Thomas Armoneit noch für „eine gewisse Brisanz“ sorgen.

So ist eine Beschleunigung der Umrüstung logistisch nur schwer machbar. Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Erdgasumstellung, der auch die Stadtwerke angehören, hatte in dieser Zeitung erklärt: „Es gibt keinen Plan B.“

Eine theoretische Möglichkeit wären Konvertierungsanlagen. In der Praxis könnten diese dem H-Gas beispielsweise Stickstoff zusetzen – und somit den eigentlich höheren Brennwert auf das gewohnte L-Gas-Niveau drosseln. „Das können wir aber nicht alleine entscheiden“, gibt Thomas Armoneit zu bedenken. Den Stadtwerken als Netzbetreiber vorgelagert sind die Westnetz GmbH und die „Open Grid Europe GmbH“ (ehemals „E.ON Gastransport“). Wer nun wo eine mögliche kostspielige Konvertierungsanlage einrichtet, müsste zunächst geklärt werden.

Sollte es für Iserlohn bei einer Umstellung im Jahr 2023 bleiben, rechnet Armoneit nicht mit relevanten Kosten für die Verbraucher. Die Höhe der Umlage bei geschätzt fünf bis sechs Millionen von der Umstellung betroffenen Haushalten in Deutschland werde wohl nur im Cent-Bereich liegen.

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