Arbeitsgericht

Kein Einsatz für Spielzeugautos

Der 19. April 2019: Das Fahrzeug des Hemeraners war nach dem Unfall nur noch Schrott, unter anderem war eine Achse herausgerissen worden.

Der 19. April 2019: Das Fahrzeug des Hemeraners war nach dem Unfall nur noch Schrott, unter anderem war eine Achse herausgerissen worden.

Foto: Archiv-Foto: Feuerwehr Iserlohn

Iserlohn.  Das Arbeitsgericht Iserlohn vertagt sich erneut in dem Verfahren, das sich mit den Folgen eines Unfalls beschäftigt.

Die juristische Aufarbeitung und Bewertung eines Verkehrsunfalls gehört nicht gerade zu den Spezialitäten eines Arbeitsgerichts. Diesen Weg hätte das Arbeitsgericht Iserlohn unter Vorsitz von Kristi Bäcker aber beschreiten müssen, hätte es beim gestrigen Termin ein Urteil fällen wollen. Hintergrund ist ein schwerer Verkehrsunfall in der Nacht zum 19. April vergangenen Jahres auf der Mendener Straße.

Kein gewöhnlicher Unfall, im Raum steht der Verdacht, dass ein illegales Autorennen stattgefunden haben soll. Warum das überhaupt ein Thema für ein Arbeitsgericht ist? Ein junger Hemeraner Werkzeugmacher, der nach Auffassung der Ermittlungsbehörden wohl der Unfallverursacher sein soll, hatte seinen damaligen Arbeitgeber aus Nachrodt-Wiblingwerde verklagt, weil dieser seinem aufgrund des Unfalls arbeitsunfähigen Mitarbeiter die Lohnfortzahlung verweigert hatte (wir berichteten).

Seinen Schritt hatte der Arbeitgeber damit begründet, dass der Mitarbeiter den Unfall und somit auch seine zur Arbeitsunfähigkeit führenden Verletzungen durch grob fahrlässiges Verhalten selber zu verantworten habe. Das Arbeitsgericht hatte, nachdem es sich nach einem ersten Termin im September auf den gestrigen Donnerstag vertagt hatte, darauf gehofft, dass inzwischen das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren beziehungsweise ein möglicherweise folgendes Strafverfahren so weit gediehen ist, um bei der Würdigung des Unfalls auf die Ergebnisse dieser Verfahren zurückgreifen zu können. Äußerungen des jungen Mannes, im Arbeitsgerichtsverfahren Kläger, verdeutlichten aber, dass dem nicht so ist. Ihm liege inzwischen zwar eine Art Zusammenfassung der Ermittlungsergebnisse vor, mehr aber noch nicht. Es sei aber mit einer Anklage und einem Verfahren zu rechnen.

Kristi Bäcker schlug daher vor, das Arbeitsgerichtsverfahren erneut zu vertagen, bis strafrechtlich eine Antwort darauf gefunden ist, was sich im April vergangenen Jahres zugetragen hat. Dabei hatte sich die Richterin extra zwei Spielzeugautos auf den Tisch gestellt, um mögliche Fragestellungen etwas plastischer beleuchten zu können.

Kläger stimmtzähneknirschend zu

Die blieben aber ungenutzt, denn Bäcker stellte klar: Ein Arbeitsgericht habe keine Handhabe, eigene Ermittlungen zum Hergang eines Verkehrsunfalls anzustellen. Nach Beratung mit seiner Vertretung, einer DGB-Rechtssekretärin, stimmt der Kläger einer erneuten Vertagung zähneknirschend zu. Vom Rechtsvertreter des beklagten Unternehmens kam ebenfalls kein Widerspruch, er sieht der weiteren Entwicklung offenbar ohnehin gelassen entgegen.

Warum? Während laut Polizei der Taxifahrer, mit dem der junge Werkzeugmacher beim Unfall kollidiert war, dem Kläger aus Richtung Seilerseekreuzung entgegengekommen sein soll, behauptet dieser, dass das Taxi vor ihm hergefahren sein soll und dann unerwartet zu einem Wendemanöver angesetzt habe. Erst so sei es zum Unfall gekommen. Für den Rechtsvertreter des Unternehmens stellt sich die Situation so dar: Dem ehemaligen Mitarbeiter wird die Schuld am Unfall zugesprochen, die Verweigerung der Lohnfortzahlung sei dann rechtmäßig gewesen. Oder aber der Taxifahrer werde für den Unfall verantwortlich gemacht. Dann, so der Anwalt, würde der Taxifahrer in Regress genommen. Zunächst aber ruht nun das Verfahren vor dem Arbeitsgericht.

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