Dichtheitsprüfung

„Kanal-TÜV“: 2020 wird es ernst

Kanaluntersuchun Fa. Möller in der Klöterheide Siegfried Paulina mit der Kamera

Kanaluntersuchun Fa. Möller in der Klöterheide Siegfried Paulina mit der Kamera

Foto: NEUBOLD, Ingo / WR

Iserlohn.  2020 müssen in Wasserschutzgebieten auch die Häuser untersucht werden, die nach 1965 gebaut worden sind.

Anfang Juli brandete kurzfristig erneut eine Diskussion zum Thema Dichtheitsprüfung oder „Kanal-TÜV“ auf. Im Mittelpunkt stand die Frage, was denn aus dem Versprechen der Landesregierung, diesbezügliche Vorschriften weiter lockern zu wollen, geworden sei. Experte in Sachen Dichtheitsprüfung im Iserlohner Rathaus ist Joachim Reiß von der Abteilung Stadtentwässerung. Und der rechnet nicht mehr damit, dass es noch Änderungen geben wird, auch im jüngsten sogenannten „Entfesselungspaket“ der Landesregierung hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben. Behält Reiß mit seiner Prognose recht, müssten 2020, also bereits im kommenden Jahr, alle Iserlohner Hausbesitzer, deren Objekt sich in einem Wasserschutzgebiet befindet und nach 1965 gebaut worden ist, die Dichtheitsprüfung vornehmen lassen. Für Gebäude in Wasserschutzgebieten, die vor 1965 gebaut worden sind, musste bereits bis Ende 2015 eine Prüfung erfolgen.

Hausbesitzer werdenim Frühjahr angeschrieben

In Iserlohn sind in etwa alle Bereiche, die sich nördlich der Autobahn befinden – mit Ausnahme des Stübbeken – Wasserschutzgebiet. Wer es genauer wissen möchte: Gibt man auf der städtischen Homepage in der Suchfunktion das Stichwort Dichtheitsprüfung ein, gelangt man zu einer Seite, auf der es auch einen Link zu einer entsprechenden Karte gibt. Im kommenden Frühjahr sollen betroffene Hausbesitzer ein Informationsschreiben der Verwaltung erhalten. Vorbereitungen wie die Aktualisierung der Adressenlisten sollen noch dieses Jahr erfolgen.

Durchgesetzt hat sich bei der Dichtheitsprüfung das Kameraverfahren. Der Sachverständige durchfährt mit einer Spezialkamera die Abwasserleitungen zwischen Haus und Anschluss an den öffentlichen Kanal. Lagen die Kosten anfangs noch bei 200 bis 300 Euro, nennt Reiß inzwischen eine Größenordnung von 400 bis 600 Euro. Werden bei der Untersuchung Schäden oder fehlerhafte Anschlüsse festgestellt, kommen weitere Kosten für die Sanierung hinzu.

Für Gerlingsen wurdenErgebnisse angefordert

Für Häuser in Wasserschutzgebieten, die vor 1965 gebaut worden sind, galt wie erwähnt bereits eine Prüfpflicht bis zum Jahr 2015. Wurde dem von den Hausbesitzern nachgekommen? Reiß kann hier keine Aussage für das gesamte Stadtgebiet treffen. Denn die Unterlagen der Kanalprüfung müssen erst nach Aufforderung vorgelegt werden. Und zu diesem Schritt, so Reiß, habe man sich bislang nur im Ortsteil Gerlingsen entschieden. Und hier findet Reiß durchaus lobende Worte. Dort seien die Hausbesitzer ihrer Verpflichtung gut nachgekommen. Und vom verbleibenden Rest habe wiederum der Großteil nach einer weiteren „Erinnerung“ die Prüfung vornehmen lassen. Aussagen zu festgestellten Schäden kann Reiß noch nicht machen, da sei man mit der Auswertung noch nicht weit genug, sie benötige noch bis zu einem Jahr. Ohnehin konzentriere man sich bei der Sichtung der Prüfungsergebnisse auf die Fragestellung, ob fälschlicherweise Regenwasser in den Schmutzwasserkanal eingeleitet wird. Unerwartet viel Regenwasser im Schmutzwasserkanal bereitet der Verwaltung seit Jahren Probleme im Abwassernetz. Im Rahmen der Beseitigung festgestellter Falschanschlüsse rechnet Reiß nicht damit, das Problem auf „Null“ zurückfahren zu können. Erhebliche Fortschritte werden aber schon erwartet. Reiß kündigt außerdem an, mit Augenmaß vorgehen zu wollen. Dort, wo es sich nur um einen sehr geringen Anteil der Dachfläche handelt, der falsch entwässert wird, eine Behebung aber sehr aufwändig sei, gebe es einen Ermessensspielraum.

Und was ist mit Hausbesitzern, deren Haus nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt? Hier, so Reiß, gebe es keine gesetzliche Prüffrist. Das bedeute aber keine Narrenfreiheit für diese Hausbesitzer. Generell seien alle Hausbesitzer dazu verpflichtet, eine einwandfreie Abwasseranlage zu betreiben und das auch sicherzustellen.

Vergleichsangebote fürSanierung einholen

Denjenigen, auf die die Prüfpflicht nun zukommt, rät Reiß dazu, den Termin gut vorzubereiten. Auf besagter Internetseite befinde sich auch ein Link zu einer Liste mit Sachverständigen. Da inzwischen zumeist nach dem tatsächlichen Aufwand abgerechnet werde, sei es sinnvoll, den Revisionsschacht zum Termin gut zugänglich zu machen. Auch eventuell vorliegende Pläne sollten bereitgehalten werden. Und wenn bei der Prüfung Sanierungsbedarf festgestellt wird: In diesem Fall empfiehlt Reiß, Vergleichsangebote einzuholen. In Zweifelsfällen stehe auch die Abteilung Stadtentwässerung für Fragen zur Verfügung.

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