Unterirdischer Vortrieb

Kanal am Burgweg in Iserlohn endgültig ein Sorgenkind?

An der „Startgrube“ hinter dem Parkplatz von Getränke Hoffmann ruhen die Arbeiten.

An der „Startgrube“ hinter dem Parkplatz von Getränke Hoffmann ruhen die Arbeiten.

Foto: Stefan Drees

Iserlohn.  Aktuell ruhen die Arbeiten an der Kanaltrasse vom Burgweg zur Bleichstraße wieder.

Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man die Kanalbaustelle zwischen der Ecke Burgweg/An der Kochsburg und dem Knotenpunkt Bleichstraße/Wallstraße als ein „Sorgenkind“ bezeichnen würde. Auf diesem Abschnitt soll bekanntlich eine große massive Kanalleitung im Zuge eines unterirdischen Vortriebs verlegt werden (wir berichteten wiederholt). Nun scheinen die Arbeiten erneut zu ruhen, an der „Startgrube“ hinter dem Parkplatz von Getränke Hoffmann war gestern am Vormittag jedenfalls keinerlei Bautätigkeit zu beobachten. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung einen Tag zuvor ließ aufhorchen: Demnach gibt es offenbar erneut ein Problem, man wolle sich vermutlich zu Beginn der kommenden Woche in Form einer schriftlichen Mitteilung zu der Angelegenheit äußern.

Im Bereich der Stadtwerkewimmelt es vor Leitungen

Das könnte zum einen darauf hindeuten, dass das „Problem“ in seiner ganzen Auswirkung noch nicht erfasst werden konnte oder es noch keinerlei Lösung gibt, wie dieses „Problem“ gelöst werden könnte. Ein zuständiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung hielt sich gestern übrigens im Bereich der Einmündung Im Weingarten/Burgweg auf, also an der Stelle, an der die unterirdisch vorgetriebene Kanaltrasse wegen des Straßenverlaufs erstmals „um die Kurve“ fahren muss. Gibt es genau hier die Probleme? Eine Antwort bleibt derzeit aus. Muss auf dem verbliebenen Trassenabschnitt eventuell sogar eine konventionelle Verlegung erfolgen, also unter Aushub eines tiefen Grabens? Dagegen, so unsere Information, dürfte es sprechen, dass die weitere Trasse auch entlang der Stadtwerke-Zentrale verläuft. Und da soll es vor Versorgungsleitungen aller Art nur so „wimmeln“. Gerade das, so war zu hören, sei ja einer der Hauptgründe dafür gewesen, sich für den unterirdischen Vortrieb zu entscheiden, tief genug, um besagte Leitungen in sicherem Abstand zu unterqueren.

Zur Erinnerung: Im November 2018 waren die Vortriebarbeiten hinter dem Parkplatz von Getränke Hoffmann gestartet worden. Nach nur drei Monaten sollte die „Zielgrube“ im Bereich Bleichstraße/Wallstraße erreicht werden. Wegen massiver Felsvorkommen wurde die dafür nötige „Geschwindigkeit“ aber nie erreicht. Im Bereich Februar/März 2019 dann ein ernster Zwischenfall: Vermutlich lockere und massive Felsbrocken waren in ein Betonrohr eingedrungen. Den ganzen Sommer über dauerte es dann, am Burgweg eine tiefe Grube auszuheben, die beschädigten Rohrteile auszutauschen und danach die Grube wieder zu verschließen, damit der Vortrieb wieder starten konnte. Der erneute Start ließ dann aber noch weitere Wochen auf sich warten, da die ausführende Firma zwischenzeitlich schweres Gerät von der Startgrube abgezogen hatte, um es während der Zwangspause auf anderen Baustellen einsetzen zu können.

Ganz in der Nähe steht übrigens eine weitere größere Kanalbaumaßnahme an, die nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Verkehr haben dürfte. Es geht um den Bereich zwischen Trift und Im Weingarten entlang der Baarstraße. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen wird ein Regenüberlauf unter der befestigten Mittelinsel der Baarstraße in etwa in Höhe des Fußweges zwischen Post und Kirchhoff, der Baarstraße und Stefanstraße verbindet.

Mischwassereinleitung in den Baarbach reduzieren

Zunächst soll eine aus der Trift kommende Kanalleitung bis zum Regenüberlauf auf einer Länge von 70 Metern auf einen Durchmesser von einem Meter vergrößert werden. Und von besagtem Überlauf in der Mitte der Baarstraße an soll der Kanal auf einer Länge von 230 Metern bis etwa zur Einmündung Im Weingarten auf einen Durchmesser von 0,5 Metern vergrößert werden. Einschließlich eines umfangreichen technischen Umbaus des Regenüberlaufes sind Kosten von rund einer Million Euro veranschlagt. Der Planungsausschuss fasste jetzt den Baubeschluss, die Mittel kommen aus dem Sondervermögen Stadtentwässerung.

Warum ein so großer und auch finanziell hoher Aufwand? Bei den genannten Leitungen handelt es sich um Mischwasserleitungen, soll heißen gesammeltes Oberflächenwasser und Abwässer fließen in ein und derselben Leitung. Aufgrund der bisherigen Kapazität kommt es bei stärkeren Niederschlägen häufiger zu Engpässen, dann müssen Teile dieses Mischwassers zur Entlastung im Bereich der Stefanstraße in den Baarbach eingeleitet werden. Gemessen an heutigen ökologischen Maßstäben geschieht das zu häufig und in quantitativ zu großem Ausmaß. Durch die Vergrößerung der Leitungen soll es zu weniger Fällen kommen, in denen es überhaupt zu Einleitungen in den Baarbach kommt, und wenn doch, soll sich wenigstens die Menge des eingeleiteten Mischwassers reduzieren.

Wie Nicole Neuhoff, Leiterin der Abteilung Stadtentwässerung berichtet, soll die Maßnahme noch in diesem Jahr ausgeschrieben und nach Möglichkeit dann auch mit dem Bau begonnen werden. Ein Konzept, wie der Verkehr während dieser Arbeiten geregelt werden soll, ist noch nicht zu erwarten, das geschieht in der Regel ja erst in Absprache mit den ausführenden Firmen. Klar dürfte aber auch sein: Da mit der Baarstraße eine der verkehrsintensivsten Hauptstraßen der Stadt betroffen ist, dürfte eine weitgehend „schmerzfreie“ Bauzeit wohl ausgeschlossen sein.

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