Jahresbericht

Jeder Mensch braucht eine eigene Wohnung

Ulf Wegmann, Leiter der Wohnungslosenhilfe (Mitte), Kollegin Stefanie Schulte und Diakonie-Pressesprecher Fabian Tigges stellen den Jahresbericht der Wohnungslosenhilfe vor.

Ulf Wegmann, Leiter der Wohnungslosenhilfe (Mitte), Kollegin Stefanie Schulte und Diakonie-Pressesprecher Fabian Tigges stellen den Jahresbericht der Wohnungslosenhilfe vor.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr stellt den Jahresbericht vor und zeigt Probleme auf

Insgesamt 805 Hilfeberechtigte nahmen im Jahr 2017 das Beratungsangebot der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr wahr. Das ist zwar ein minimaler Rückgang – Ulf Wegmann, Leiter der Wohnungslosenhilfe und Mitarbeiterin Stefanie Schulte bewegen sich aber weiterhin am Limit ihrer Kapazitäten.

„Die Grenze haben wir eigentlich schon vor Jahren erreicht, aber mit der Zeit verschiebt sich die natürlich“, erklärt Wegmann, der deswegen auch beim aktuellen Jahresbericht wieder gezielt auf die Errichtung einer „Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungsverlusten in Iserlohn“ verweist. Insgesamt bleibt die Versorgung mit Wohnraum nämlich weiterhin schwierig, auch wenn im vergangenen Jahr mit 35,1 Prozent etwas mehr Besucher der Beratungsstelle beim Erstkontakt eine eigene Wohnung hatten (2016: 27 Prozent). Gleichzeitig hat die Zahl der akut wohnungslosen Klienten aber zugenommen. Im Erhebungsmonat Juni waren rund 170 Besucher wohnungslos.

Alles dreht sich um die Existenzsicherung

Dementsprechend fokussiert sich die Arbeit der Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe derzeit ganz gezielt auf die Existenzsicherung. Heißt: Die Sicherung des Lebensunterhaltes sowie die Sicherung oder Beschaffung von Wohnraum stehen im Zentrum der Hilfe. Eine längerfristige psychosoziale Unterstützung – die in vielen Fällen nötig wäre – ist aufgrund der hohen Besucherzahlen und der umfangreichen Probleme der Klienten kaum möglich, von Präventivmaßnahmen mal völlig abgesehen. „Durch die könnten bei bislang noch nicht bekannten Klienten frühzeitig Probleme erkannt und somit der Wohnungsverlust vermieden werden“, sagt Wegmann. Und genau an diesem Punkt komme eben wieder die Fachstelle ins Spiel, die genau dort ansetzt. „Wünschenswert wäre es, wenn diese Stelle in kommunaler Hand läge“, sagt der Leiter der Wohnungslosenhilfe. Denn anders als ein freier Träger könnte diese direkt in Kooperation mit dem Jobcenter für Hilfe sorgen.

Weiterhin problematisch empfindet Ulf Wegmann die Situation rund um Bürger aus anderen EU-Ländern. Mit Blick auf das Themenfeld Migration und Wohnungslosigkeit sei eine Verschiebung unter den Besuchern der Wohnungslosenhilfe von Besuchern mit Fluchterfahrung hin zu EU-Bürgern festzustellen. „In den ersten Aufenthaltsjahren können prekäre Lebenssituationen entstehen, die dazu führen, dass Wohnraum nicht mehr gesichert ist“, erklärt Wegmann.

Die Zahl der Besucher mit Fluchthintergrund ist 2017 hingegen deutlich zurückgegangen. „Und auch die Problemlagen haben sich zu den übrigen der Wohnungslosenhilfe angeglichen“, erläutert Stefanie Schulte.Gründe für Wohnungslosigkeit seien oftmals die Trennung vom Partner oder die Entlassung aus einer Jugendhilfemaßnahme, Schulden oder unzumutbarer Wohnraum. Für Ulf Wegmann und Stefanie Schulte Probleme, mit denen sie täglich konfrontiert werden – die deswegen aber keinesfalls leicht zu lösen sind.

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