Wale

Iserlohnerin untersucht Schweinswale in der Elbe

Die Iserlohnerin Anna Meyer-Löbbecke ist Meeresbiologin.

Foto: Wenger

Die Iserlohnerin Anna Meyer-Löbbecke ist Meeresbiologin. Foto: Wenger

Iserlohn/Entenwerder.   Mit dem Schlauchboot fährt Anna Meyer-Löbbecke über die Elbe zwischen Entenwerder und Wedel. Ihr Ziel: Schweinswale finden und beobachten. Die Meeresbiologin aus Iserlohn kennt sich mit Walen aus. Sie schrieb sogar ihre Abschlussarbeit über die Akustik von Cuvier-Schnabelwalen.

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Iserlohn im Sauerland und Schweinswale in der Elbe – wie geht das zusammen? Ganz einfach: Das Bindeglied zwischen den bedrohten Meeressäugern und der größten Stadt im Märkischen Kreis ist Anna Meyer-Löbbecke, gebürtige Iserlohnerin und studierte Meeresbiologin.

Hauptberuflich beschäftigt sich die 25-Jährige in einem Hamburger Büro mit Umweltverträglichkeits-Gutachten für Offshore-Parks – das sind die überdimensionalen Windräder, die in Nord- und Ostsee errichtet werden. Doch in diesen Tagen ist sie dabei, die Elbe zwischen Entenwerder und Wedel mit dem Schlauchboot abzufahren. Den Blick auf die Wasseroberfläche gerichtet, in der Hoffnung, einen oder mehrere auftauchende Schweinswale zu entdecken.

Auf Futtersuche im Fluss

„Es ist kein Seemannsgarn“, so Anna Meyer-Löbbecke, „dass die Schweinswale seit einigen Jahren wieder im Frühjahr unsere norddeutschen Flüsse aufsuchen.“ Die Unterläufe von Elbe, Jade und Weser sind von Ende Februar bis weit in den Juni beliebte Ausflugsgebiete der kleinen Zahnwale, die sich in den übrigen Monaten des Jahres mit rund 300.000 Artgenossen in der Nord- und Ostsee tummeln.

„Meist sind die 1,60 bis 1,80 Meter kleinen Wale auf ihrer Wanderung in die Flussläufe einzeln oder zu zweit unterwegs“, berichtet Projektleiterin Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GDR). Doch seien auch schon Gruppen zwischen zehn in der Elbe und dreißig Tieren in der Weser gesichtet worden. Denise Wenger: „2012 erhielt die GDR so viele Meldungen wie nie zuvor, 67 Schweinswal-Sichtungen in der Weser zwischen Bremen und Bremerhaven sowie 47 aus der Elbe.“

Wasserqualität der Elbe hat sich in den letzten 20 Jahren verbessert

Die GDR-Beobachter gehen davon aus, dass die Ursache der Walbesuche in den Laichplätzen kleiner Fischarten liegt. Schwärme des geschützten Fints und auch des silbrigen Stints treffen sich hier zur Paarung und werden so zur begehrten Beute der intelligenten Meeressäuger.

„Die Wasserqualität der Flüsse hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert“, erläutert Wenger, „die Fische erobern ihren ursprünglichen Lebensraum zurück.“ Und weil der Nahrungsdruck in der stark befischten Nordsee permanent wachse, lohne es sich offenbar für den Schweinswal, „Lärm und Gefahren der Flüsse für eine Mahlzeit in Kauf zu nehmen.“

Laute werden aufgezeichnet

Das alles sei aber nur eine Hypothese. Ob diese Annahme stimmt, wollen die Wal- und Delphinschützer untersuchen. „Mit einer systematischen Studie wollen wir klären, wie viele Schweinswale sich zu welcher Zeit wo in den Flüssen aufhalten und welche Fischarten sie tatsächlich fressen“, schildert Dr. Veit Hennig, Biologe von der Uni Hamburg, der mit Teams der Wasserschutzämter Hamburg und Cuxhaven Schweinswal-Klickdetektoren (C-Pods) in der Elbe versenkt: „Diese Geräte zeichnen die hochfrequenten Wallaute auf. Darüber können wir dann die Aufenthaltsorte herausfinden sowie die Futtersuche und die Kommunikation analysieren.“

Ein Aufgabengebiet, in dem sich Anna Meyer-Löbbecke bestens auskennt. Denn für ihre Abschlussarbeit im Masterstudiengang hat sich die Meeresbiologin am Institut für Ozeanographie in San Diego mit der Akustik von Cuvier-Schnabelwalen beschäftigt.

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