Historisches

Iserlohn hat Bergbau-Folgen selbst verschuldet

Im Stadtmuseum diskutierten (v. li.) Bergbau-Experte und Kreisheimatpfleger Rolf Klostermann, Museumsleiterin Dr. Sandra Hertel und Geologin Dr. Felicitas Wolters die Bedeutung des Galmei-Bergbaus für die Stadt Iserlohn. 

Im Stadtmuseum diskutierten (v. li.) Bergbau-Experte und Kreisheimatpfleger Rolf Klostermann, Museumsleiterin Dr. Sandra Hertel und Geologin Dr. Felicitas Wolters die Bedeutung des Galmei-Bergbaus für die Stadt Iserlohn. 

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann

Iserlohn.  Rolf Klostermann: „Stadt hätte das Gebiet nicht als Baugrund freigeben dürfen.“

Beim Museums-Gespräch im Stadtmuseum waren sich am Ende die Experten einig: „Der Bergbau war für Iserlohn ein Segen. Ohne den daraus resultierenden Wohlstand wäre die Stadt einen anderen Weg gegangen“, fasste es Bergbau-Experte und Kreisheimatpfleger Rolf Klostermann zusammen. Geologin Dr. Felicitas Wolters von der städtischen Abteilung für Umwelt-und Klimaschutz betonte: „Ich habe mich immer gefragt, warum der Bergbau in der Stadt so selten Thema ist.“ Er habe nicht nur schlechte Seiten, sondern der Stadt in der Vergangenheit auch viele Vorteile unddadurch Entwicklungschancen gebracht.

Natürlich kamen aber auch die negativen Seiten in Form von Bodensenkungen und die ungewisse Lage für neue Bauprojekte insbesondere auf dem Schillerplatz zu Wort. Zunächst gab Rolf Klostermann einen Überblick über die Entwicklung des Galmei-Bergbaus vom Mittelalter, damals noch als Tagebau und mit eher primitiven Mitteln, bis zum organisierten Abbau unter Führung der Messinggesellschaft ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Zur Erinnerung: Galmei ist eine alte Bezeichnung für ein aus Kieselzinkerz und Zinkspat bestehendes Zinkerz. In der Verbindung mit Kupfer wird daraus Messing, das je nach Zusammensetzung eine rötliche bis hellgelbe Farbe hat und so auch an Gold erinnert. Zu Zeiten des Galmei-Bergbaus war das Material – verglichen mit heute – noch relativ weich, es wurden daraus Schmuck-, Kult- und Kunstgegenstände hergestellt, wie auch später die beliebten Iserlohner Tabaksdosen.

Die negativen Folgen – besonders des primitiven Alt-Bergbaus – sind hinlänglich bekannt. Grund ist auch, dass es bis heute schwer nachzuvollziehen sei, wo sich die Gruben befunden hätten. „Vor dem 17. Jahrhundert ist der Bergbau viel, wild und regellos betrieben worden“, so Klostermann. Später habe es zwar Karten gegeben, in denen die Gruben verzeichnet gewesen sein, jedoch seien Aufgrund der Verschiebung des magnetischen Nordpols Abweichungen von bis zu fünf Metern möglich.

Streitigkeiten erinnerten schon damals an einen Krimi

„Die folgenden Streitigkeiten zwischen den Eigentümern, der von Absenkung betroffenen Häusern, und der Stadt Iserlohn haben schon damals an einen Krimi erinnert“, sagte Museumsleiterin Dr. Sandra Hertel, die das Gespräch moderierte. Wer hat Schuld an dem Debakel? Die Antwort ist für Rolf Klostermann klar: „Die Stadt hätte das Gebiet nicht als Baugrund freigeben dürfen, dann wäre der Schaden nicht passiert.“ Dr. Felicitas Wolter ergänzte: „Schon im 15. Jahrhundert gab es Gutachten, wonach der Untergrund unter der Lehmkuhle nicht gut zum Bauen geeignet war. Trotzdem sind die Flächen in einer Zeit, wo der Platz für neue Häuser knapp war, zur Wohnbebauung zugelassen worden.“

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