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Die Iserlohner Familie Zieba geht auf Weltreise und verkauft ihren gesamten Hausstand. Thomas und Jackie Zieba verlassen Iserlohn Anfang August 2019.

Die Iserlohner Familie Zieba geht auf Weltreise und verkauft ihren gesamten Hausstand. Thomas und Jackie Zieba verlassen Iserlohn Anfang August 2019.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Familie Zieba erfüllt sich einen großen Traum, geht auf Weltreise und verkauft dafür Hab und Gut.

„Wir gehen auf Weltreise. Alles muss weg. Wir verkaufen unser komplettes Hab und Gut!“ So warb Familie Zieba für ihren Flohmarkt im heimischen Garten an der Kantstraße am Pfingstwochenende.

Dabei präsentieren Jackie (34) und Thomas (35) in Kisten, auf Tapeziertischen und Bierzeltgarnituren Kinderkleidung, Bürozubehör, Schulsachen, Oster- und Weihnachtsdekorationen, Kinderbücher, Spiele, Camping- und Gartenzubehör.

„Ihr seid echt mutig! Diesen Satz hören wir immer wieder“, sagt die reiselustige Grundschullehrerin, die gerne in Wermingsen lebt, „mit dem schönen Wald direkt vor der Haustür“.

Mechatroniker Thomas Zieba hat bereits seinen Job bei der Firma Sarstedt in Westig gekündigt. An der Heideschule in Hohenlimburg lässt sich Jackie Zieba für ein Jahr beurlauben. Auch für ihre Tochter, die zur Bartholomäus-Schule geht, gibt es eine Schulbefreiung. Das Reihenhaus an der Kantstraße haben sie bereits verkauft. Denn im August geht’s los. Vorher aber steigt noch eine Abschiedsparty, aber vermutlich auf neutralem Gebiet. Denn bis dahin ist nicht mehr viel da, etliche Möbel sind bereits verkauft.

„Aussortieren hat etwas Befreiendes“

„Unglaublich, was sich alles angesammelt hat“, sagt die Iserlohnerin und zeigt auf die 100 Quadratmeter Wohnfläche sowie Stauraum in Keller, Gartenhaus und Garage. Und sie gesteht, „dass Aussortieren etwas Befreiendes hat“.

„Mehr als die Hälfte der Sachen sind bereits weg“, ergänzt sie. „Die Möbel und die Hantelbank werden noch abgeholt“, sagt Thomas Zieba. Von den privaten Garten-Flohmarktbesuchern werden auch Erik und Vivian Mark fündig. Sie kaufen Babykleidung, Tennisschläger und ein Kaleidoskop.

„Wir starten in Südostasien Anfang August“, erzählt Thomas Zieba. „Danach geht’s langsam Richtung Australien und Neuseeland, danach rüber nach Südamerika und Zentralamerika. Und, wenn dann noch Geld und Zeit da ist, auf Safari nach Afrika.“

Ursprünglich wollten die reiselustigen Ziebas auswandern. „Wir haben zwei Jahre lang überlegt und Neuseeland oder Südamerika ins Auge gefasst“, erzählt Thomas Zieba. „Wir wollten aber erst mal Fernreiseerfahrungen sammeln. In Europa waren wir schon viel unterwegs. Wenn wir uns schon die Zeit nehmen, müssen wir die Länder erst mal sehen.“

Mit „wir“ meint er sich, seine Frau und die beiden Kinder Nora (8) und Tommy (4). Viele Freunde unterstützen sie, auch mit Aufrufen in den sozialen Medien. „Das Interesse ist riesig, wir freuen uns, mit Leuten, die sowas schon gemacht haben, ins Gespräch zu kommen, und haben schon viele Tipps erhalten“, erzählt Jackie Zieba.

„Die Kinder können sich super trennen“

Für die junge Familie ist dieses Jahr der beste Zeitpunkt: Der Kleine kommt danach in den Kindergarten, die Tochter erst ein Jahr später in die weiterführende Schule. Bis auf neue Fahrräder, Fotos und das Lieblingsspielzeug der Kinder, die sie bei Freunden und Angehörigen deponieren, geben die Ziebas alles auf. „Die Kinder können sich super trennen“, staunt die Mama und schaut auf die vielen Spiele und Bücher, die auf den Auslagen und in Kisten auf Kundschaft warten. „Was wir über Pfingsten nicht losgeworden sind, werden wir auf einem offiziellen Trödel und über Ebay verkaufen. Und am Ende werden wir Sachen spenden oder an die Familie verschenken.“

Wie sie sich vorbereitet haben? „Wir haben viel gelesen“, erzählt Thomas Zieba. Und budgetmäßig, was kalkulieren sie für ihre Weltreise? „Zwischen 50.000 und 60.000 Euro“, glaubt der Iserlohner und verweist darauf, dass sie neben preiswerten Hostels und Ferienwohnungen auch Campingplätze nutzen wollen. „Wir sind offen für alles, auch für Gastfamilien. Und in Neuseeland möchten wir mit dem Wohnmobil rumfahren.“

Und wenn sie nach einem Jahr zurückkehren? „Dann müssen wir nochmal ganz von vorn anfangen“, zeigt sich Jackie Zieba unerschrocken und optimistisch. „Freunde haben uns angeboten, dass wir erstmal bei ihnen unterkommen können.“ Eine andere Alternative wäre der Wohnwagen eines Arbeitskollegen.

„Wir haben gelernt, dass wir nicht mehr so viel anhäufen werden“, sagt Jackie mit Blick auf die vielen Sachen, die auch nach zwei Tagen Flohmarkt immer noch keine neuen Abnehmer gefunden haben. „Wenn wir wieder da sind, werden wir die besten Besucher der Stadtbücherei. Wir leihen uns dann alles aus“, blickt Jackie nach vorne auf die vielen Spiele und Bücher, von denen sie sich jetzt trennen. Apropos – können sich die Kinder von ihren Freunden trennen? „Sie sind traurig und voller Vorfreude“, schildert die Mama die gemischten Gefühle ihrer Kleinen. „Wir können ja skypen und Nora will ihrer Klasse an der Bartholomäus-Schule in Oestrich jeden Monat einen Brief schreiben.“

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