Interview

„Habe Prinz Philip immer etwas beneidet“

Rolf Seelmann-Eggebert scheint für den Moment ein bisschen mürrisch in die Kamera der Heimatzeitung zu schauen. Aber das täuscht. Der Mann strahlt „in echt“ Herzenswärme und Empathie aus.

Rolf Seelmann-Eggebert scheint für den Moment ein bisschen mürrisch in die Kamera der Heimatzeitung zu schauen. Aber das täuscht. Der Mann strahlt „in echt“ Herzenswärme und Empathie aus.

Foto: Thomas Reunert / IKZ

Iserlohn.  Für viele war und ist er einfach der „Königsfritze“. Eigentlich gefällt Rolf Seelmann-Eggebert das sogar, aber es ist eben längst nicht alles

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Nicht laut, aber fürstlich markant. Etwas nuschelig vielleicht, aber doch glasklar. Eine Kollegin hat mal geschrieben: der Soundtrack des deutschen Adelsfernsehen. Diese Stimme erkennt man wohl unter tausenden. Diese kleine weiß-silbrigen Löckchen auf den Kopf auch. Und die schnieke Kombi mit Zwei-schlitz-Sakko in gedeckten Farben auch. Irgendwie ist eben alles very british. Vielleicht aber auch hanseatisch. Oder doch eher preußisch? Man weiß es nicht so genau. Auf jeden Fall weiß man aber sofort, dass es zu Rolf Seelmann-Eggebert passt. Im Gespräch mit der Heimatzeitung wird der 82Jährige gleich sagen, dass er sich manchmal etwas wundert, dass sein journalistisches Schaffen vor allem Afrika und auch in England sich nicht in den Köpfen der Menschen wirklich nachhaltig festsetzen konnte. Dass er für viele eher der „Königsfritze“ war und bis heute ist. Was eigentlich bei genauer Betrachtung ja auch eine Form von Ritterschlag war und ist, denn auf diesem Gebiet zeigte Seelmann-Eggebert wahrlich über Jahre fürstliche Kompetenz, Seriösität, Empathie und einfühlsame Nähe ohne jeden Tratsch- und Klatsch-Aszendenten. In seinem Buch „in Hütten und Palästen“, das er auf Anregung und in enger Zusammenarbeit mit seiner Tochter Adele geschrieben hat, lässt der Sohn eines Berliner Notars sein Leben zwischen afrikanischen Slums du königlichen Prunkzimmern Revue passieren. Mit der Heimatzeitung traf er sich letzte Woche auf der Terrasse des Golfhotels in Fröndenberg.

Herr Seelmann-Eggebert, ist es Ihnen im Traum schon passiert, dass Sie König oder Königin waren. Oder wenigstens Prinzgemahl?

Geträumt habe ich von den Figuren natürlich häufiger, weil sie auch immer Gegenstand der Berichterstattung für mich waren. Aber ich habe ihnen ihr schweres Los nie abgenommen im Traum.

Ausfüllen könnten Sie diese Aufgabe vermutlich, denn Sie haben so etwas Aristokratisches? Wird man im Laufe der Jahre durch Dauerkontakt so oder ist das ein natürliches Gen?

Ich glaube, dass ich das Glück gehabt habe, in einer Familie aufzuwachsen, wo man das kleine und das große Alphabet schon lernte, bevor man in die Schule ging. Heißt, die Eltern habe sich viel Mühe um einen gegeben. Dass ich gefärbt wäre in der Wolle durch Erfahrungen mit dem Königshaus trifft nur auf ganz besondere Anlässe zu. Wenn Sie zum Beispiel mit der Königin reden, tritt sie auf Sie zu. Sie treten niemals auf die Königin zu. Sie beginnt ein Gespräch, sie selbst beginnen niemals ein Gespräch. Solche Kleinigkeiten haben für den Alltag in so einem Haus eine gewaltige Bedeutung. Da hat sich bei mir tatsächlich etwas eingeschlichen, das immer schon da war, was aber in Nicht-Monarchien nicht bekannt ist.

Sie bemühen sich bei Empfängen sogar, der Königin so sanft wie möglich die Hand zu geben, weil sie über den Tag so viele Hände schütteln muss und Sie sie nicht weiter quälen wollen.

Gerade, wenn sie Kerle wie mich trifft oder andere Journalisten auf Empfängen mit über 200 Leuten, dann drückt sie 200 Leuten die Hand. Sie haben ja vielleicht schöne, feste Hände und Ihnen würde das nichts ausmachen, aber ein Königin, die das den ganzen Tag macht und auch nicht weiß, wo sie herkommen… Ob aus Australien, wo man es gewohnt ist, mit der Axt zuzuschlagen. Oder aus Liechtenstein.

Mit dem von der Familie geprägten aristokratischen Grundwissen fällt man England vielleicht nicht so auf. Aber an der Elfenbein-Küste, Ihrer ersten journalistischen Station?

Zunächst haben einige wohlmeinende Kollege schon gestaunt. Warum geht der nach Afrika - und dann noch an die Westküste, wo es so heiß ist.

Hatten Sie eine Vorstellung, wie es sein würde in Afrika zu leben und arbeiten?

Das habe ich nach fünf Sekunden gelernt, als ich in Lagos afrikanischen Boden betreten habe. Ich stand direkt hinter der Stewardess, als die Tür aufging und Afrika fiel sozusagen auf mich drauf. Ich war platt. Es war wahnsinnig heiß, es war dunkle Nacht, es gab afrikanische Musik, afrikanische Geräusche. Es gab viel Lachen, es gab Autofahren auf der linken Seite, wo man eigentlich hätte auf der rechten Seite fahren müssen. Es hat mich überwältigt mit dem ersten Anblick. Deswegen bin ich Afrika-treu geblieben. Entweder man ist ein Leben lang Afrika-treu oder man kann gar nichts damit anfangen.

Empfindet man auch schnell so etwas wie Mitleid mit Afrika oder den Menschen dort?

Je näher man Afrika kennenlernt desto mehr entwickelt sich dieses Gefühl, weil sie einfach merken, dass es nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Übervölkerte Dörfer, eigene Siedlungen in den großen Städten ohne Wasser und ohne Strom – da bekommt man wohl den richtigen Eindruck von Afrika.

Einschließlich Demut?

Einschließlich Demut, dass es einem selbst so viel besser geht.

Ihr Vater hat das Testament des letzten deutschen Kaisers verfasst, danach noch für deutsche Adlige gearbeitet. Welches Bild hatten Sie als junger Mensch vom Adel?

Überhaupt kein besonderes, der Adel war für mich so natürlich wie das Bürgerliche. Was natürlich damit zusammenhängt, dass ich nicht aus einer adligen Familie stamme. Ich habe allerdings einen Klienten meines Vaters, der Erbprinz von Sachsen-Altenburg, als Patenonkel hatte. Der Herr Geheimrat und der Erbprinz kannten sich eben sehr gut und so bin ich Patenkind geworden.

Bei ‚Adels‘ hatte man ja auch Kinder. Hat man da als Junge mal rübergeschielt, wie das Leben denn da wohl so ist?

Hat es nicht geben. Die haben sich in ihren Kreisen getroffen, man selbst traf sich in den eigenen. Die Kreise meines Vaters, bezogen auf den Adel, waren immer Arbeitsbeziehungen.

Waren Sie ein guter Schüler, der mal ‚was werden‘ wollte?

Wenn ich guter Schüler hätte sein wollen, hätte es nicht den Goebbels-Befehl von 1943 geben dürfen, dass alle Mütter mit Kindern rausmussten aus Berlin. Von da an hatte ich bis Schulbeginn am Gymnasium nur unregelmäßige Zeiten. Wir waren in Pommern, sind dort ausgebrannt, haben die Berliner Bombennächte miterlebt. Sind dann in Bad Driburg gelandet durch den Umstand, dass der dortige Graf auch ein Klient meines Vaters gewesen war. 1946 sind wir nach Hannover gekommen und 1947 musste ich meine Aufnahmeprüfung schaffen. Was mir nur gelungen ist, weil mir viele Leute geholfen haben.

Noch mal zurück zum Adel. Welches Bild haben Sie heute davon?

Es ist ihm gut gelungen, sich zu integrieren in eine absolut neue Gesellschaft nach 1918, was wir unter anderem auch der Abdankung des Kaisers zu verdanken haben. Es ist wenig passiert, was die Monarchie in Zukunft gestützt hätte. Der Adel hat sich seitdem sehr ruhig verhalten. Man rechnet inzwischen mit rund 80.000 Adligen, die den Anspruch haben, ihre Namen zu führen. Davon sind aus meiner Perspektive 50 bis 60.000, die von ihrem Namen keinen Gebrauch machen. Und es gibt eine neue Trennlinie, die durch die Teilung Deutschlands entstanden ist. Es gab den Adel, der sein Land behielt und den, der sein Land verlor. So wurden arme Adlige plötzlich reiche Adlige und umgekehrt. Ich habe auch die Behauptung nach 1945 nicht bestätigt gefunden, dass der Adel über Gebühr im Offziers-Chor oder in der Diplomatie vertreten wäre.

Der Wassermann gilt als ehrlich und fantasievoll. Prädestiniert das zum Hofkorrespondenten?

Wenn Sie damit meinen, dass ein Hofkorrespondent viel Fantasie entwickeln muss, um seine Leser gut zu unterhalten, dann ist das sicher richtig. Aber ich war nie ein Hof-Korrespondent, der es zum Bespiel rausposaunt hätte, dass es im Hause Wales nicht zum Besten steht. Das war monatelang Spekulation und ich habe mich daran nicht beteiligt.

Sie beschreiben heute immer wieder höfische Handlungen und Rituale. Vor allem ja auch in England. Blicken Sie mit tiefem Verständnis auf das Land oder doch eher aus der immer noch staunenden Position?

Im Moment aus der absolut stauenden Position, denn England ist nicht das, was ich von England erwarte. Dass ein durchgedrehter Premierminister sein ganzes Parlament in den Zwangsurlaub schickt, ist für mich so unvorstellbar.

Haben Sie denn eine Vorstellung, warum die Königin zugestimmt hat?

Weil die Königin ihr Leben lang damit zugebracht hat, Vorlagen, die aus No. 10 Downingstreet kamen, ohne zu zögern zu unterzeichnen. Das gehört zum Selbstverständnis der Monarchie. Ich habe jetzt ein paar Mal daran gedacht, gern Mäuschen in dem Zimmer gewesen zu sein und gesagt zu haben: „Majestät, wenn Sie das nicht unterschreiben, wird Sie keiner absetzen, denn Sie sind ja gar nicht ersetzbar. Aber Sie würden Ihrem Land einen großen Dienst erweisen.“

Aktuell empört sich die britische Presse, dass Prinz Harry eigenhändig eine Autotür geschlossen hat. Haben die keine anderen Sorgen?

Die haben in der Tat sonst andere Sorgen und das mit der Autotür kann auch nur durch Zufall passiert sein, denn normalerweise steigt die Person neben dem Fahrer früh genug aus und öffnet und schließt die Tür. Wie in anderen Systemen auch. Die Kanzlerin bedient die Autotüren ja auch nicht selbst.

Tun manche Königshäuser etwas dazu, in den Schlagzeilen zu bleiben?

Sie wollen es – glaube ich – nicht. Ich gestehe es ihnen aber auch zu und sage dann: Das kommt in den besten Familien vor.

Hätten Sie noch den journalistischen Erfolg oder hätten Sie ihn überhaupt gehabt, wenn Sie mit Königs so hart ins Gericht gehen würden wie manche Journalisten mit Politikern? Wenn Sie nicht immer recht verhalten kommentiert hätten?

Um mal beim englischen Königshaus zu bleiben, ist das eine Einrichtung, die in vierhundert Jahren entstanden ist - und vieles von dem, was heute passiert, geht eben auch so weit zurück. Wer bin ich, aber auch, wer ist die Königin, dass wir einfach sagen können: Das müssen wir auf den Kopf stellen, um es anders zu machen? Der nächste Wechsel von der Königin auf Prinz Charles wird mit Sicherheit viel Überraschendes bereithalten, weil Charles ein anderer Mensch ist. Nicht besser, nicht schlechter. Anders eben und moderner. Aber ich habe mich auch nicht immer um lange Analysen des Königshauses bemüht, mir haben zwei Stunden Kommentar bei der „Trooping the Colour“-Übertragung oft auch schon gereicht.

In Deutschland macht am ehesten noch so eine adlige Resterampe Schlagzeilen? Wird das in anderen Ländern, anderen Monarchien und Adelshäusern auf Sicht auch so kommen?

Ich denke, dass das in anderen Monarchien auch vorkommt, weil sie eben ihre Rollen als Monarchie auch durchgehalten haben. Aber bei den noch existierenden Monarchien sind alle nachfolgenden Generationen bestens auf ihre Zukunft vorbereitet. Sie haben die Welt bereist, waren alle im Militärdienst, haben allesamt einen öffentlichen Kindergarten und öffentliche Schulen besucht, haben bis zum Ende Studien absolviert. Da steht eine glänzend vorbereitete Garde im Hintergrund.

Berichte über Königshäuser und Berichte über das Leben der Menschen in Afrika, Kann es einen größeren journalistischen Spagat geben?

Nein, kann es nicht. In Afrika waren es Liebe und Furcht auf den ersten Blick als Begleiter. Beides kann dort doppelt stark entstehen. Bei den Königshäusern und in England ist die Geschichte anders gelaufen. Ich habe meine Korrespondentenzeit dort verbracht, habe Engländer dabei gut kennengelernt, habe zu der Zeit auch schon die Hochzeit von Charles und Diana mitgemacht. Da ging es um den journalistischen Ehrgeiz, an diese geschlossene Gesellschaft tatsächlich heranzukommen. Von diesem Moment an habe ich versucht zu bohren und bin ja danach auch an zahlreiche Gespräche und Interviews gekommen.

Wobei das Zustandekommen des Gesprächs mit Charles schon außergewöhnlich war.

Ich hatte bereits mit allen potenziellen „Türöffnern“ gesprochen, auch dem deutschen Botschafter. Die Idee war: Wir wissen in Deutschland gar nicht, wie eine Monarchie tatsächlich funktioniert. Und das wollen wir zeigen! Selbst beide Außenminister haben diese Idee sehr wohlwollend abgenickt. Aber irgendwann rief der Adjutant von Charles an und sagte: Das können Sie lassen! Prinz Charles will Ihnen im Moment kein Interview geben. Ich überlegte noch einmal und da fielen mir die Schwestern vom Herzog von Edinburgh ein. Also besonders die, die mit einem hannoverschen Prinzen verheiratet ist. Die habe ich angerufen, habe ihr mein Schicksal geschildert und sie sagte: Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann. Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf von eben dem Adjutanten von Charles, der sagte: Rolf, Sie werden besser wissen, was passiert ist, ich weiß es nämlich nicht, aber ich soll mit Ihnen einen Termin klarmachen. Das war natürlich ein Einstieg, der sehr wichtig war. Sowohl für den Rest des englischen Königshauses, dann aber auch für die anderen Königshäuser, bei denen sich das rumsprach: Der hat den Charles gekriegt, was ist denn an dem so besonders?

Sie machen den Eindruck, als könnte Sie nichts wirklich aufregen. Ist die vermeintliche Ausgeglichenheit der Grund für ihre Agilität?

Ich weiß nicht, wie Sie empfinden, aber ich habe für mich ein Gefühl entwickelt, dass mir sehr über Schwierigkeiten hinweghilft. Wenn das Rotlicht anging und ich wusste, da sind gleich zweieinhalb Millionen Zuschauer, dann hat mich das beunruhigt. Und mir auch viel Lampenfieber verschafft. Aber ich habe mir gesagt: Es mag tausend Reporter auf der Welt geben, die das jetzt besser machen würden, aber im Augenblick bist nur du da. Das hat mich sehr getröstet.

Ist Ihnen die Queen offenkundig so sympathisch, weil auch sie schon mal spült und wahrscheinlich auch schon mal hinter Philipp herräumt? Und Sie das – wie man hört auch - auch tun, obwohl die Familie Sie „Pascha“ nennt?

Mache ich in der Tat ziemlich häufig. Die Königin macht das, wenn sie in Ferien ist, auch. Dann reitet sie mit Gästen aus oder nimmt die im Jeep mit. Und die Gäste müssen dann in einem kleinen Holzhaus Brote schmieren und hinterher abwaschen. Das macht der Premierminister dann auch.

Sie waren nie die Börse für Klatsch und Tratsch, haben Geheimnisse für sich behalten. Aus innerer Würde oder aus Angst, anschließend nur noch am Schlosstor rappeln zu dürfen?

Da hatte ich einen inneren Kompass, der mir gesagt hat: wenn du in dieser Situation einer bevorstehenden Scheidung bist, dann kannst du alles gebrauchen, aber nicht, dass andere Leute in deine Akten gucken.

Durfte man zum Beispiel bei Lady Di und ihrem Schicksal Partei sein?

Man ist es gewesen, weil die Faktenlage so war.

Ärgert es Sie in Ihrem Innersten, wenn zum Beispiel Prinz Charles gern auch mal als leicht verstrahlter Öko-Schluffi dargestellt wird und Sie in vielleicht ganz anders, tough und zukunftsorientiert kennengelernt haben?

Der hat vor zwanzig Jahren schon gesagt, was unsere Grünen heute sagen. Das ist zu belegen, weil er Filme für die BBC gemacht hat. Über moderne Architektur, über Landwirtschaft und andere Themen, wo die ganzen Fragen, die heute hochkommen, schon bearbeitet wurden.

Gerade wurde bekannt, dass es bei der Queen sogar Second-Hand-Bettwäsche gibt. Können Sie das bestätigen?

Dass die Königin in einem Laken schlafen könnte mit einem Plumeau darüber, das vom Wochenmarkt stammt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Zumal Buckingham Palace während des Krieges nicht sonderlich zerstört wurde. Wie es in den „Servant Quarters“, den Räumen der Assistenten, zugeht, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich hat Elisabeth auch noch Wäsche, die Viktoria bereits angezogen hat.

Haben Sie – eben weil Sie Journalist sind - irgendwo Hof-Verbot?

Ich habe alle sieben Königs-Häuser besucht, hatte mit allen Monarchen Interviews, habe viele der Besuche wiederholt. Bin offenbar immer als Gast ertragen worden.

Gibt es im Umkehrschluss Adelshäuser, die sie selbst mit Einladung niemals betreten würden?

Das Problem hatte ich nur einmal, als ich von Gloria von Thurn und Taxis nicht die erhoffte Unterstützung bekam. Aber das war noch zu ihren kessen Zeiten.

Viele Väter möchten ja, dass es Ihren Kindern mal besser geht als ihnen. Geht das in Ihrem Fall überhaupt?

Ich habe drei Kinder. Der Jüngste ist ein Sonderfall. Er hat einen Schwimmunfall hingelegt in Südamerika, ist seitdem hoch querschnittgelähmt und ein Sorgenkind Nummer eins. Insofern ist die Familie heute etwas anders strukturiert, als sie früher strukturiert war. Dann sind da eben noch die zwei Schwestern. Und zusammen mit meiner Frau versuchen wir den Florian gemeinsam in die Zukunft zu tragen.

Angeblich können Sie einen legendären Kartoffelsalat. Woher?

Den habe ich schon von meiner Mutter gelernt. Er unterscheidet sich nicht sehr von anderen Kartoffelsalaten, aber ist mit Öl und Essig, viel Schnittlauch, vielen Zwiebeln und er muss schön eiskalt sein.

Eigentlich wollten Sie Ihre Biografie gar nicht schreiben? Ihre Tochter musste Sie erst überreden. Warum?

Hielten Sie Ihr Leben für zu langweilig? Die Biografie für zu früh? Vermeintlich zu unterinteressant?Ich bin mit 65 Jahren pensioniert worden, habe bis dahin gar nicht gemerkt, dass ich pensioniert bin, weil ich einfach weitergemacht habe. Bis heute. Jetzt bin ich 82. Das hat was damit zu tun, dass ich diesen Beruf sehr liebe. Und auch, dass ich meinem Sohn, der trotz seiner Probleme an der Filmschule in München studiert hat, geholfen habe, einen kleinen Betrieb aufzubauen. Da war ich fast 15 Jahre sein Autor. Aber auch das neigt sich nun durch mein Alter dem Ende zu.

Kleine Frage am Rande, die ich fast vergessen hätte: Haben Sie Prinz Philipp eher bedauert oder doch beneidet?

Ich habe ihn eigentlich immer eher beneidet, weil natürlich der Mann an der Seite der Queen immer der ist, der nicht so viel zu tun hat und nicht so viel Verantwortung trägt.

Rührt es Sie, dass Sie jetzt auf Ihren Lesungen Menschen treffen, die zu Ihnen jetzt ein ganz inniges oder auch bewunderndes Verhältnis entwickelt haben?

Ich finde es lustig, wenn ich heute in Hamburg auf dem Isemarkt mit meiner Frau einkaufen gehe, ich als Packesel hinter meiner Frau, und dann angesprochen werde: Herr Seelmann-Eggebert, was machen Sie denn hier, Sie gehören doch nach London? Und dann sage ich: Ich bin vor 25 Jahren aus London zurückgekommen. Dann verstehen die Leute das gar nicht. Afrika haben sie gar nicht zur Kenntnis genommen, obwohl ich noch nie so fleißig war wie in Afrika. Aber ich war nun einmal der „Engländer in der ARD“. Und zum Glück nicht nur der Königsfritze. Das ist schön.

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