Parktheater

Generationenkonflikt besonderer Art

Während Johannes (Joachim H. Luger) Yoga auf dem Balkon macht, philosophieren Anne (Simone Rethel-Heesters) und Eddi (Lutz Reichert) wie früher am Küchentisch ihrer Studenten-WG über das Leben.

Foto: Michael May

Während Johannes (Joachim H. Luger) Yoga auf dem Balkon macht, philosophieren Anne (Simone Rethel-Heesters) und Eddi (Lutz Reichert) wie früher am Küchentisch ihrer Studenten-WG über das Leben. Foto: Michael May

Iserlohn.   Einen tollen Theaterabend mit einer ganz besonderen Zugabe erlebten am Montag rund 700 Zuschauer im Großen Haus des Parktheaters.

Einen tollen Theaterabend mit einer ganz besonderen Zugabe erlebten am Montag rund 700 Zuschauer im Großen Haus des Parktheaters.

Denn anlässlich der 200. (!) Vorstellung von „Wir sind die Neuen“ kam beim Schlussapplaus Regisseur René Heinersdorff auf die Bühne und sorgte für zahlreiche weitere Lacher, als er vortrug, wie das Leben der sechs Hauptfiguren weitergeht. Dabei baute er auch regionale Bezüge in dieses Bonbon fürs Iserlohner Publikum ein. Der Direktor des Düsseldorfer „Theaters an der Kö“, der auch bekannt wurde durch die Rolle des Lothar Fuchs in der RTL-Serie „Die Camper“, setzte damit noch mal einen schönen Schlusspunkt hinter diesen Abend, der entscheidend geprägt wurde von den drei älteren Protagonisten auf der Bühne.

Simone Rethel-Heestersüberspielte Bänderdehnung

Denn Joachim H. Luger, Simone Rethel-Heesters und Lutz Reichert spielten in der Komödie nach dem gleichnamigen Kinofilm von Ralf Westhoff aus dem Jahr 2014 mit großer Freude und Überzeugung die Alt-68er, die es gut drei Jahrzehnte nach ihrer Studentenzeit noch mal als WG versuchen (müssen). Was dabei wahrscheinlich höchstens die ersten Zuschauerreihen mitbekamen: Simone Rethel-Heesters ließ sich in ihrer Rolle der ehemaligen Biologin Anne auch nicht von einer starken Bänderdehnung bremsen, die sich die 68-Jährige kurz vor der Pause zuzog, als sie auf der Bühne einen Rucksack übersprang und umknickte. Dass Joachim H. Luger, den viele sicherlich als Erstes mit der Rolle des Hans Beimer aus der „Lindenstraße“ verbinden“, mit 74 Jahren der älteste im Scheinwerferlicht war, konnte man indes glatt vergessen angesichts seiner tänzerischen und läuferischen Einlagen als früherer Rechtsanwalt Johannes; anmerken konnte man ihm sein Alter jedenfalls nicht. Und auch Lutz Reichert, Jahrgang 1951 und seit 1977 immer wieder in verschiedensten Rollen im Fernsehen (so als „Meier Zwo“ aus den früheren Hamburg-Tatorten mit Stoever und Brockmüller), gefiel sehr in der Rolle des ewigen Charmeurs und pensionierten Lehrers Eddi.

Wie die Drei in einen Generationenkonflikt der etwas anderen Art geraten, bei dem sie nämlich mit ihrer Lust auf Party die jungen Studenten im Lern- und Prüfungsstress (nicht weniger überzeugend gespielt von Katarina Schmidt, Julie Stark und Florian Gierlichs) aus dem Stockwerk über ihnen schnell zur Weißglut treiben, sorgte schon für reichlich Lacher und Zwischenapplaus.

Auch ernste Themenwurden kurz angerissen

Es wurde aber zwischendurch auch immer wieder kurz zum Nachdenken angeregt, wenn Themen wie beispielsweise bezahlbarer Wohnraum, Altersarmut oder sogar auch die Angst vor dem Sterben angerissen werden. Interessant anzusehen war auch, wie dass eine spartanische Bühnenbild ohne wirklichen Umbau (vom Stühlerücken mal abgesehen) ausreichte, um die Handlung teils parallel in zwei Wohnungen und sogar noch auf der Straße vor dem Haus spielen zu lassen. Nachdem so auch mal Müll nach unten geworfen wird und sogar Putz rieselt, wenn „oben“ mit dem Besenstiel geklopft wird, müssen die Alten schließlich gar den Jungen helfen und tun dies auch letztlich gern, bevor die erste gemeinsame Party startet.

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