Umwelt

Fridays gegen „Black Fridays“

Weniger als sonst aber dennoch „laut, weil man uns die Zukunft klaut“: Gestern zog wieder die „Fridays-For-Future-Demo durch Iserlohn.

Weniger als sonst aber dennoch „laut, weil man uns die Zukunft klaut“: Gestern zog wieder die „Fridays-For-Future-Demo durch Iserlohn.

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.  Rund 300 Demonstranten sind gestern dem Streik-Aufruf von „Fridays for Future“ gefolgt.

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Ja, der Klimawandel hat vermutlich auch etwas mit ungezügeltem Konsumverhalten zu tun. Die Verbindung zwischen dem massenhaften Kaufen des Kaufens Willen und den Folgen für die Umwelt stellte jedenfalls Christian Kiangala her. „Die meisten Menschen machen sich gar keine Gedanken darüber, was für tiefgreifende Auswirkungen es hat, wenn man einfach so immer einkauft“, sagte er der Iserlohner Schüler bei der abschließenden Kundgebung auf dem Schillerplatz – das Zusammentreffen der gestrigen Fridays-For-Future-Demo mit dem „Black Friday“ als Höhepunkt des vorweihnachtlichen Kaufrausches war natürlich eine Steilvorlage für die Iserlohner Organisatoren der Demonstration.

Es war das vierte Mal, dass sich Iserlohn an den weltweiten Streiktagen für die Umwelt beteiligt hat. Erneut führte der Zug am Mittag vom Hembergparkplatz über die Baarstraße und durch die Fußgängerzone zum Schillerplatz, wo die Demonstration mit Kundgebungen und Aktionen endete. Mit rund 300 Besuchern, von denen fast mehr als die Hälfte Erwachsene waren, war die Demonstration deutlich kleiner als noch beim letzten Mal, laut und öffentlichkeitswirksam wurde es aber dennoch. Und die lautstark skandierten Sprüche gingen auch klar in Richtung Konsum-Maßlosigkeit: „Es gibt kein Recht, ‘nen SUV zu fahren.“ Deutliche Worte fand auch Fridays-Aktivist Fin Jäcker aus Hemer. „Ich habe keinen Bock mehr, in der Adventszeit von unnötigem Scheiß vollgestopft zu werden, der auf Kosten von Menschen und Umwelt geht“, rief der Schüler und legte noch ein „Fuck Black Friday“ nach.

Die gestrige Demo stand aber auch im Zeichen der Klimakonferenz in Madrid, des Klimapaektes der Bundesregierung, das als ein „Glas Wasser auf ein brennendes Haus“ bezeichnet wurde, und vieler anderer Themen rund um den Umweltschutz, die die vielen Redner auf dem Schillerplatz anführten. Ans Mikrofon traten unter anderem Detlev Paul (FriedensPlenum), Sylvia Olbrich (Flüchtlingshilfe) und Manuel Huff (Die Linke), der kritisierte, dass sich der Rat der Stadt nicht dazu hatte durchringen können, den Klimanotstand auszurufen. Das EU-Parlament sei diesen Schritt gegangen und habe damit eine klarere Haltung gezeigt als der Stadtrat. Martin Luckert, designierter Bürgermeisterkandidat der SPD, verteidigte die Entscheidung und setzt auf konkrete Maßnahmen vor Ort. „Ich möchte einen kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr und mehr Platz für Fahrräder auf unseren Straßen“. Im Januar soll es Klima-Workshops der Stadt geben, bei denen sich ausdrücklich auch die Fridays-Vertreter mit ihren Ideen einbringen sollen.

Ebenfalls im Januar reisen die Iserlohner Fridays-Aktivisten nach Brüssel zum EU-Parlamanet, wo sie auf Einladung von Dr. Peter Liese am Umweltausschuss teilnehmen. Dort wollen sie den Politikern die rote Karte zeigen – und zwar nicht nur eine, sondern möglichst viele. Gestern verteilten sie rote Karten an die Demonstranten, damit diese ihre Wünsche oder ihre Kritik darauf schreiben können. Ein weiterer Höhepunkt der Schlusskundgebung war aber – wie bei den ersten drei Demos auch – der Poetry-Slam-Vortrag der 16-jährigen Amelie Werner aus Altena, die das Thema Umwelt sehr poetisch, emotional und unverfälscht angeht.

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