Jugendliche

Fortsetzung dringend erwünscht

Das Märkische Gymnasium MGI führt mit Lisa Pauli und Felix Kriewald in der Oper Dortmund das Musical Joseph auf.

Das Märkische Gymnasium MGI führt mit Lisa Pauli und Felix Kriewald in der Oper Dortmund das Musical Joseph auf.

Foto: Björn Hickmann

Iserlohn/Dortmund.  MGI-Schüler werden beim Opern-Projekt im Theater Dortmund mit großem Jubel belohnt.

Hand auf’s Herz: Es war die dritte Kooperation der MGI-Chöre mit der Oper Dortmund. Man fragt sich da vorher schon: „Was soll ich da bloß noch schreiben? Es ist doch alles gesagt.“ Kooperation, Mitwirkende, Bedeutung – auch zu diesem dritten Projekt namens „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ hatten wir schon zwei umfängliche Vorberichte im Blatt. Hinterher ist man dann aber auch beim dritten Mal derart überwältigt von alledem, was da mit den jungen Iserlohner Sängerinnen und Sängern auf der großen Opernbühne passiert, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll, so sehr sprudeln einem die Eindrücke aus dem Kopf.

Keine Abstriche, nur weil es Kinder sind

Also vielleicht noch einmal ganz einfach im Grundsätzlichen anfangen, weil das auch das Besondere und Einzigartige dieses Projektes am besten erklärt. Die kleinen und großen Jungs und Mädchen vom MGI arbeiten – und die Betonung liegt da wirklich auf Arbeit – mit einem echten Regisseur zusammen, der wie bei jeder großen Opern-Produktion eine Idee und künstlerische Vorstellungen hat und sich viel Zeit nimmt, um diese in monatelanger Arbeit mit den Kindern umzusetzen. Und mit einem echten Dirigenten, der gerade erst die „Westside Story“ zu einem umjubelten Erfolg mit vielen Zusatzvorstellungen gemacht hat und der auch bei diesem Webber-Musical klare Klangvorstellungen im Kopf hat, die er unnachgiebig mit den Schülern umsetzt. Bühnenbild, Kostüm, Maske, Technik – alles kommt von den Opern-Profis, die ihre Arbeit als Teil der großen Bühnenkunst verstehen und auch hier bei diesem Schulprojekt keine Abstriche machen.

Das Ergebnis erntete im voll besetzten Opernhaus lang anhaltende Ovationen im Stehen, und macht alle Beteiligten einfach glücklich – auch die Projektleiterin Heike Buderus und all die Mitwirkenden vom Theater, die bei der After-Show-Party mit einem breiten Lachen in der Menge badeten. Denn auch für sie ist es etwas Tolles, eine große Produktion von ganz normalen Kindern aus Iserlohn tragen zu lassen.

Denn das taten die MGI-Schüler – sie trugen dieses Stück. Das fängt beim großen Kinderchor an, der nicht nur Beiwerk war, sondern jeden Song veredelte und vor allem als fester Bestandteil der Kulisse immer auf der Bühne, ständig in Bewegung und sehr intensiv im Spiel war. Die Einsätze des Chores und die Bilder, die er krönte, hatten auf den jeden Fall den größten Gänsehaut-Faktor.

Weiter geht das beim gemischten Chor, in dem die älteren MGI-Schüler ab der 9 – darunter viele aktuelle Abiturienten – zusammen mit den „Tortugas“ vom Dortmunder Opernclub für Action sorgten, tanzten, schauspielerten und – teilweise mit Headset – sangen. Die MGI-Generation, die da loslegte und sich größtenteils mit dieser Aufführung auch verabschiedete, ist gespickt mit tollen Talenten und inzwischen gestandenen Darstellern. Man wird sie zukünftig sicherlich vermissen.

Starke Solo-Auftritte von Lisa Pauli und Felix Kriewald

Und das endet schließlich bei den Iserlohner Spitzenkräften, die in diesem Jahr die rar gesäten und größtenteils von den Dortmunder halb-Profis besetzen Solo-Rollen abgekriegt haben. Allen voran natürlich Lisa Pauli, die als Erzählerin jede Szene mit starkem Spiel und großer Stimme prägte. Wobei sie tragischerweise stimmlich sehr angeschlagen in die Aufführungen ging. Die Premiere am Mittwoch meisterte sie noch so, dass niemand im Publikum etwas merkte. Am Donnerstag musste sie dann leider gesanglich ersetzt werden, konnte aber weiter spielen. Am Mittwoch beeindruckte sie aber grenzenlos und bekam den meisten Szenenapplaus. Am lautesten wurde das Publikum aber, als Felix Kriewald den Pharao gab und mit Elvis-Timbre und Ägypter-Gang über die Bühne wirbelte – was für ein Auftritt.

Nun ist natürlich zu hoffen, dass es weiter geht. Wie, wann und ob überhaupt steht noch nicht fest. Signale für eine Fortsetzung der Kooperation sind aus Dortmund aber schon gekommen. Und von unten drängeln die Kleinen vom MGI, die gestern in der Schülervorstellung gesehen haben, wo die Reise hingehen kann. Für die Schule und die beteiligten Lehrkräfte ist so ein Projekt ohne Zweifel ein enormer Kraftakt. Aber vielleicht ist es ja wie bei einer Geburt, von der es ja heißt, dass der Schmerz schnell vergessen ist, das Glücksgefühl aber bleibt.

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