Ausstellung

Exponate sollen dramatischen historischen Wandel zeigen

Torsten Reters, Wolfgang Hoffmann und Gerd Schäfer präsentieren die Ausstellung mit zeitgenössischen Fotos, Dokumenten und Plakaten, aber auch Alltagsgegenständen, die den dramatischen Wandel verdeutlichen sollen.

Torsten Reters, Wolfgang Hoffmann und Gerd Schäfer präsentieren die Ausstellung mit zeitgenössischen Fotos, Dokumenten und Plakaten, aber auch Alltagsgegenständen, die den dramatischen Wandel verdeutlichen sollen.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die neue Ausstellung „Zeitenwende 1918“ im Stadtmuseum porträtiert ab sofort eine folgenreiche und unterschätzte Phase der deutschen Geschichte.

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„Die Welt in Waffen!“ titelt der Iserlohner Kreisanzeiger am Montag, 3. August 1914. Nun sei gekommen, was man seit Wochen befürchtet habe: der Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Russland. „Stark gerüstete, große Mächte sind es, die gegen uns auf den Plan treten“, heißt es in dem Artikel, der die erste Seite füllt.

Passende Mode für den Schützengraben bei B&U

„Die Bereitstellung unserer Streitmacht soll (...) nichts anderes (sein) als der weithin hörbare Ruf eines mächtigen Volkes: Wir sind bereit (...)“, röhrt der IKZ zur Mobilmachung. Auf der Rückseite bewerben „Basse & Uerpmann“ die passenden Textilien für den Feldzug: „Trikotagen u. Strümpfe zu enorm billigen Preisen.“ Das Geschäft existiert heute noch, der abgekürzte Name „B&U“ ist im Iserlohner Sprachgebrauch noch präsenter.

In einer Kopie der historischen Ausgabe können Besucher der neuen Ausstellung „Zeitenwende 1918“ im Stadtmuseum blättern. Direkt daneben hängt das Blatt vom 11. November 1918. „Die Waffenstillstandsbedingungen angenommen!“ verkündet der Titel in gleichsam eindringlichem Ton, der sich im Text jedoch gewandelt zeigt – zwei Tage zuvor ist nach der Novemberrevolution in Berlin die Weimarer Republik ausgerufen worden, die Deutschen schwanken zwischen Verunsicherung und Aufbruchsstimmung. Der „beispiellose zeitgeschichtliche Epochenwandel“, der sich über eine knappe Zeitspanne vollzog, verdient 2018 viel mehr Aufmerksamkeit, sind die Verantwortlichen Wolfgang Hoffmann und Torsten Reters überzeugt.

Für „wichtiger als das Lutherjahr“ hält Reters das Jubiläum. Es sei die Zeit, in der sich der Wechsel von Monarchie zur Demokratie vollzog und die Frauen in Deutschland das Wahlrecht erhielten, bekräftigt Hoffmann. Die Handlung der Serie „Babylon Berlin“, die gerade im deutschen Fernsehen angelaufen ist, setzt etwas später ein. Um die darin porträtierte Gesellschaft zu verstehen, lohnt sich der Blick auf die Zeit unmittelbar nach Kriegsende. In Iserlohn ist die Aufstellung der Arbeiter- und Soldatenräte friedlich verlaufen, kann man im Stadtmuseum erfahren. Wolfgang Hoffmann steuert mit dem Nachlass seiner Mutter Exponate bei, die ihn ganz persönlich mit dieser Zeit verbinden.

Mit Kriegsdenkmälern differenziert befassen

Öffentlich sichtbar künden heute noch Denkmäler für die Gefallenen von einer Anteilnahme, die sich zwischen 1914 und 1918, bei allem Wandel, auch in den Zeitungsannoncen unverändert zeigt. An dem Monument in Griesenbrauck ist Museumsleiter Gerd Schäfer allerdings selbst lange jeden Tag vorbei gefahren, ohne besondere Notiz davon zu nehmen, wie er berichtet. Als er im September Fotos der heimischen Denkmäler für die Ausstellung sammelte, sei ihm bewusst geworden, wie wichtig die Auseinandersetzung damit ist. „Es sind primär Orte der Trauer. Auch wenn es schon damals die Gegenbewegung ,Nie wieder Krieg’ gab, war die Heroisierung der Gefallenen damals nichts Ungewöhnliches. Aber die Erinnerungskultur wurde auch für Propagandazwecke ausgenutzt, das wollte ich zeigen.“

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