Gesundheit

Etwa 200 Medikamente sind in Iserlohn zurzeit Mangelware

Apothekerin Silvia Wulf sieht keine Entspannung.

Apothekerin Silvia Wulf sieht keine Entspannung.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Apothekerin Silvia Wulf sieht die Politik in der Verantwortung.

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Diverse Medikamente sind derzeit – wieder einmal – nicht in Iserlohner Apotheken erhältlich. Zu den „Defekten“, so nennen die Pharmazeuten die nicht vorhandenen Mittel, gehören aktuell beispielsweise Antidepressiva sowie Präparate für Schilddrüsen- und Herz-Kreislauferkrankungen.

„In den letzten zwei Jahren hat sich die Situation stark verschlechtert“, sagt Silvia Wulf, Inhaberin der Markt-Apotheke, die als Sprecherin die Interessen ihrer Fachkollegen vertritt, auf Nachfrage unserer Zeitung. Sie berichtet von etwa 200 Medikamenten, die derzeit schwer beziehungsweise gar nicht erhältlich sind. Antiepileptika seien ebenso betroffen wie Arzneien für Prostata- und Magen-Erkrankungen, selbst beim gängigen Schmerzmittel Ibuprofen – zumeist in der 800-Milligramm-Dosierung – gebe es Engpässe.

„Angst müssen die Patienten nicht haben, aber es steckt schon ein hoher Aufwand dahinter, die Medikamente zu besorgen“, erklärt Silvia Wulf. Und: „Das dürfte nicht sein.“ Patienten wegzuschicken, sei ärgerlich. Aber sie auf andere Mittel umstellen zu müssen, das sei besonders unangenehm. „Bisher haben wir immer etwas ,zusammenbasteln’ können, beispielsweise durch Präparate anderer Hersteller“, sagt die Apothekerin.

Aus ihrer Sicht ist die Politik gefragt. „Die Krankenkassen schließen immer engere Rabattverträge mit den Herstellern, die wiederum ihre Produktion immer weiter in Richtung Asien verlagern“, berichtet Silvia Wulf.

Kontingent-Arzneimittel besonders knapp verteilt

Sie kritisiert auch die so genannten Kontingentartikel: Darunter versteht man jene Arzneimittel, die von dem Hersteller absichtlich nur limitiert an Großhändler übersandt werden. Dadurch ist es dem Hersteller möglich, auch über den Direktvertrieb Medikamente an Apotheken zu verkaufen. „Sie werden äußerst knapp verteilt, Generika (Nachahmerpräparate) gibt es in der Regel nicht“, erklärt die Fachfrau. Bevorraten können sich Silvia Wulf und ihre Kollegen mit den Kontingentarzneimitteln nicht. Sie haben oft auch keine Informationen, wann eine Lieferung wieder möglich ist. „Manche Hersteller haben Bandansagen auf ihren Hotlines, aber danach kann man sich nicht unbedingt an sie richten. Manchmal bemühen wir uns stundenlang – und packen nachmittags unsere Lieferung aus, die dann die angeblich nicht lieferbaren Artikel enthält“, skizziert sie. Viele würden auch vermuten, dass sich Großbritannien vor dem Brexit noch mit Medikamenten eindecke.

„Keine Besserung in Sicht“, lautet das Fazit von Silvia Wulf.

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