Umwelt

Ersten Kompromiss erzielt

Anwohner diskutieren mit den Vertretern des Landes und des Stadtbetriebes über die geplanten Baumfällungen am Gemarkenweg.

Anwohner diskutieren mit den Vertretern des Landes und des Stadtbetriebes über die geplanten Baumfällungen am Gemarkenweg.

Foto: Michael May / IKZ

Drüpplingsen.  Für den JVA-Neubau sollen am Ende rund 100 Bäume weichen, im ersten Schritt aber nur welche, die im Rahmen der Abbrucharbeiten im Weg sind.

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Rund 100 Bäume – Ahorn, Birken, Eschen, Linden, Stieleichen und Weiden – sollen für den geplanten JVA-Neubau weichen. Gegen die großflächige Abholzungsaktion auf dem Außengelände der Justizvollzugsanstalt in Drüppling­sen formiert sich der Widerstand der Anwohnerinitiative.

Wie berichtet, sollen die ersten Arbeiten zur „Freiräumung der Flächen“, also die Beseitigung von Sträuchern und Bäumen, in den Bereichen der mittlerweile leergezogenen Dienstwohnungsgebäude am Gemarkenweg im Norden und an der Straße Zum Schmerbruch im Süden erfolgen. Sie müssen bis Ende Februar beendet sein, dann beginnt die Brutsaison der Singvögel. Marco Löhken von der Initiative Bertingloher Weg schaltete verschiedene Verantwortliche in Politik und Verwaltung ein, weil er der Auffassung ist, dass die im Dezember von der Stadt dafür erteilte Ausnahmegenehmigung nicht rechtens ist.

JVA-Nachbarn treffen sich mit Projektleiter des Landes

Neben den JVA-Nachbarn kam John Haberle von den Grünen am Freitagmorgen zu einem Ortstermin mit dem Projektleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) Nordrhein-Westfalen, Matthias Holtmann, und Eckehardt Schröder vom Stadtbetrieb Iserlohn/Hemer (SIH).

Marco Löhken bezweifelt, dass eine sachgerechte Begutachtung der Quartiersstruktur stattgefunden hat. Dazu hatte im Dezember ein Landschaftsplanungsbüro die Gehölze auf Vorkommen planungsrelevanter Tierarten und deren Lebensstätten überprüft und die Installation von Nistkästen in der Umgebung nach Beendigung der Bauarbeiten empfohlen. „Ich lebe seit 42 Jahren hier. Im Herbst waren noch Grünspechte im Garten, und im November hatten wir auch noch Fledermäuse.“ Laut Gutachten gebe es in dem in Frage kommenden Bereich keine Baumhöhlen oder -spalten, Ast- oder Spechtlöcher oder abstehende Rindenstrukturen mit Quartierseignung für Fledermäuse oder andere planungsrelevante Säugetier- und Vogelarten, verweist der 42-jährige Datenanalyst Löhken auf Unstimmigkeiten in der Untersuchung.

Beim Ortstermin der JVA-Anwohner mit den Vertretern des BLB und des SIH am Freitagmorgen wurde nun das weitere Vorgehen festgelegt: Am Montag sollen die Bäume markiert werden, die erhalten bleiben sollen. Projektleiter Holtmann sicherte zu: „Es müssen jetzt nur Bäume weichen, die im Rahmen der Abbrucharbeiten im Wege sind. Die anderen können so lange stehen bleiben, bis der Neubau beginnt. Bis dahin dürften zwei bis drei Jahre ins Land gehen.“ Außerdem soll ein Bauzaun errichtet werden, der Unbefugte aus dem Bereich fernhält.

Stadtplaner Frank Hofmeister: „Alles im grünen Bereich“

Wie kann es sein, dass es eine Fällgenehmigung gibt, obwohl es noch gar keine Baugenehmigung gibt?, fragt Marco Löhken. Dazu teilt Frank Hofmeister von der Planungsabteilung der Stadt mit, dass bei dem Vorhaben auf dem Landesgrundstück „alles im grünen Bereich ist“. „Für den Abriss der Gebäude brauchen sie von uns keine Genehmigung. Und die Fällgenehmigungen sind rechtskonform“, sagt Hofmeister.

Marco Löhken kritisiert, „dass sich die Waldstadt vom Land die Bäume für 52.600 Euro abkaufen lässt.“ Das ist aber nach Baumschutzsatzung so vorgesehen, teilt Hofmeister aus dem Bereich der Bauleitplanung der Stadt mit. Laut Ausnahmegenehmigung muss der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW für die Bäume auf dem Außengelände der Justizvollzugsanstalt, die für die Überbauung des Geländes weichen müssen, eine Ausgleichszahlung leisten. Nach der Baumschutzsatzung ist die dann fällig, wenn eine Ersatzpflanzung nicht möglich ist.

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