Glaube

Erst das Wasser, dann Geschenke

Die vierjährige Isabell war eines der zehn Kinder, die am Sonntag in der gemeinsamen Feier von Johannes- und Versöhnungskirchengemeinde von Pfarrer Jürgen Löprich getauft wurde.

Die vierjährige Isabell war eines der zehn Kinder, die am Sonntag in der gemeinsamen Feier von Johannes- und Versöhnungskirchengemeinde von Pfarrer Jürgen Löprich getauft wurde.

Foto: Emily Karacic

Iserlohn.  Beim Tauffest von Versöhnungs- und Johanneskirchengemeinde haben die Täuflinge den Ton angegeben. Eigentlich sollte draußen gefeiert werden.

Die Johanneskirche am Nußberg ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Und trotzdem erkennt man diejenigen, die bei diesem besonderen Gottesdienst im Mittelpunkt stehen, auf den ersten Blick: Die Mädchen tragen ihre schönsten Kleider mit Pailletten, Spitze und – bei den Kleinsten – richtig viel Tüll, die Jungen zuppeln an der ersten Krawatte, auch der neue Anzug ist noch etwas ungewohnt. Keine Frage: Hier steigt gleich ein großes Fest. Zehn Jungen und Mädchen im Alter von wenigen Monaten bis 13 Jahren werden die Taufe empfangen und von der Versöhnungs- und Johanneskirchengemeinde in ihren Reihen begrüßt werden.

Was auffällt: War es früher üblich, Kinder bald nach der Geburt taufen zu lassen, warten viele Eltern heute lieber ab. So auch Familie Hartmann, deren vierjährige Tochter Isabell gleich getauft wird. „Bislang war uns das nicht so wichtig, aber jetzt ist Isabell in einem kirchlichen Kindergarten und lernt viel über die Hintergründe der Feste wie Weihnachten oder Ostern“, sagt die Mutter. Außerdem sei die Tochter jetzt in einem Alter, in dem man ihr den Sinn der Taufe habe erklären können. „Sie versteht, was da vorne gleich passieren wird.“

Einige hatten auf das Freiluft-Fest gewartet

Anders sieht es bei Baby Elia aus. Der Kleine schlummert selig im Kinderwagen, unbeeindruckt vom Trubel um ihn herum. Sandra Arns erklärt: „Mir ist es wichtig, dass Elia früh getauft wird. Damit pflege ich eine alte Tradition, die noch aus Zeiten stammt, als die Kindersterblichkeit höher war.“ Stilecht trägt der Kleine ein 100 Jahre altes Taufkleid, das von Generation zu Generation in der Familie weitergegeben wird. Auch für Lara Neumann, 15 Monate, ist heute ein besonderer Tag. Stolz hält die Taufpatin die kunstvoll gestaltete Taufkerze. Der Korpus ist grau. Rustikal, das sei in diesem Jahr angesagt, meint sie. Eigentlich sollte Lara schon früher getauft werden, erklärt ihre Mutter. „Aber wir haben extra auf dieses Tauffest draußen im Ortlohn-Park gewartet, weil uns das Konzept gefällt. Schade, dass heute das Wetter nicht mitspielt.“ Tatsächlich hatte sich das Team um Pfarrerin Mirjam Ellermann, Pfarrer Tom Mindemann und Pfarrer Jürgen Löprich auf einen Outdoor-Einsatz gefreut, aufgrund des Regens muss Schutz in der Kirche gesucht werden. Doch das tut der feierlichen Stimmung keinen Abbruch.

Die Kinderkantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Ute Springer und der Posaunenchor unter der Leitung von Stefan Beumers sorgen für die Musik. In diesem Gottesdienst ist einiges anders als sonst: Statt eines Monologes von der Kanzel, setzt Pfarrer Mindemann auf eine Dialogpredigt, in der Jana Finke und Wilfried Diener ihre Erinnerungen an ihre eigene Taufe schildern.

Kirche präsentiert sich frisch und fröhlich

Statt einer schweigenden Gemeinde gibt es ein lustiges Hintergrundrauschen aus vielen jungen Stimmen: Freude und Unmutsbekundungen, Weinen, Lachen – dazwischen immer wieder Eltern, die mit ihren Sprösslingen an der Hand den Weg zur Toilette antreten – so frisch, fröhlich und der Zukunft zugewandt kann Kirche sein.

Und über allem schwebt ein Satz: „Die Taufe ist das größte Geschenk Gottes“, fasst Pfarrerin Mirjam Ellermann die Bedeutung des Ritus Satz zusammen. Das Stichwort für den Täufling in der Bank rechts: „Und wann bekomme ich meine Geschenke?“ Doch davor hat die Tradition noch das Wasser gesetzt. An drei Taufbecken werden die Kinder getauft. Mit sanfter Hand träufelt Pfarrer Jürgen Löp­rich ein paar Tropfen über Isabells Stirn. Das ist der Vierjährigen dann doch etwas unheimlich. Sie blickt in die Gesichter ihrer Eltern und sieht darin Freude, Stolz und ganz viel Liebe. Die Liebe Gottes wird Isabell noch erkennen lernen.

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