Armbrust-Prozess

Entzugsklinik statt Haft für 49-Jährigen

Symbolbild

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Foto: David Ebener / dpa

Iserlohn/Hagen.  Ein 49-jähriger Iserlohner wurde jetzt verurteilt.

Es ist dabei geblieben: Wie von Staatsanwalt und Verteidiger beantragt, verurteilte das Schwurgericht des Landgerichts Hagen einen 49-jährigen Iserlohner zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Die Kammer ging dabei vom minderschweren Fall eines versuchten Totschlags aus. Nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft muss der Angeklagte diese Haftstrafe allerdings nicht absitzen: Die Kammer ordnete seine Unterbringung in einer geschlossenen Entzugsklinik an – ohne Vorwegvollzug weiterer Haftmonate. Sollte er diese Therapie erfolgreich durchstehen, würde deren Dauer teilweise angerechnet und der Rest der Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Die Richter folgten auch der Em­pfehlung des psychiatrischen Gutachters Dr. Nikolaus Grünherz, der wegen des „seit Jahrzehnten“ tiefeingewurzelten Hangs des Angeklagten zum „Genuss“ von Alkohol und Drogen eine Therapiedauer von zwei Jahren empfohlen hatte. Hauptproblem sei der intensive Alkoholkonsum, der alle Kriterien einer Suchterkrankung erfülle. Der Alkohol sei auch der Hauptauslöser für das zuweilen aggressive Verhalten des ansonsten recht friedfertigen 49-Jährigen, der im Rausch „eine affektive Störung und eine erhöhte Streit- und Kampfbereitschaft“ zeige. „Wenn er nicht behandelt wird, wird sein Lebensweg so weitergehen wie bisher“, beantwortete der Gutachter die Frage, ob weitere Straftaten des vorliegenden Musters vom Angeklagten zu erwarten seien. Die anderen „Substanzen“, sprich Drogen, die der Angeklagte zum Tatzeitpunkt im Blut gehabt hatte, spielten in dessen Leben eine eher untergeordnete Rolle.

Angeklagter entschuldigtsich „bei allen“

Auf der Grundlage seines Gutachtens stellte Dr. Nikolaus Grünherz dem 49-Jährigen trotz der langen Abhängigkeit eine günstige Prognose: „Die Maßnahme ist dringend notwendig.“ Der Angeklagte entschuldigte sich in seinem Letzten Wort „bei allen“ und bekräftigte die schädliche Wirkung des Alkohols: „Normalerweise bin ich nicht so.“

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