Saisonarbeiter

Drepper in Sümmern: Ab April gibt es spürbar mehr Arbeit

Christian (li.) und Heinrich Drepper bauen auf großen Flächen Gemüse an.

Christian (li.) und Heinrich Drepper bauen auf großen Flächen Gemüse an.

Foto: Michael May

Sümmern.  Christian Drepper verstärkt normalerweise sein Team mit Saisonkräften aus Polen. Nun muss er nach anderen Lösungen suchen.

Bekommen die landwirtschaftlichen Betriebe vor dem Hintergrund der Corona-Krise überhaupt genügend Saisonarbeitskräfte? Besonders arbeitsintensiv ist da ja beispielsweise der Gemüseanbau auf Hof Drepper in Sümmern. Ganz akut, so Christian Drepper, sei die Situation in seinem Betrieb aktuell noch nicht. Sieben Saisonkräfte seien momentan im Einsatz, das sei auch planmäßig. Anfang April steige der Bedarf dann auf zwölf bis 15 Kräfte, denn dann wird tageweise begonnen, erste Gemüse-Setzlinge auf den Äckern in die Erde zu bringen.

Derzeit, so Christian Drepper, gebe es rege Aktivitäten beispielsweise auch vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, der eine Plattform für die Suche nach Saisonkräften betreibe. Da müsse man schauen, welche Möglichkeiten sich ergeben würden. Der Landwirt berichtet auch von direkten Anfragen von Interessierten, die wegen der aktuellen Corona-Situation beschäftigungslos seien, darunter auch Selbstständige und Freiberufler. Teilweise würden diese Anfragen aber auch im Sande verlaufen. Denn es gehe ja nicht um ein paar Stunden lockerer Arbeit auf dem Feld in frischer Frühlingsluft. Man rede schon von anstrengenden Tätigkeiten.

Einen weiteren Rückschlag bedeutet das am Mittwoch erlassene Einreiseverbot auch für Saisonkräfte, beispielsweise aus Rumänien und Bulgarien. Wie es mit Kräften aus Polen aussieht, sei aktuell unklar, sagt Christian Drepper. Die Landwirte seien sehr überrascht über das Einreiseverbot gewesen, denn bislang habe das Landwirtschaftsministerium immer signalisiert, dass insbesondere für Saisonkräfte in der Landwirtschaft Ausnahmen gelten sollten. Drepper blickt daher ein wenig angespannt in die nächsten Wochen und Monate. So seien auf Hof Drepper eine wichtige Säule Saisonarbeiter aus Polen. Schon vorher seien polnische Saisonarbeiter sehr zögerlich gewesen, zu kommen. Einige, so Drepper, hätten wohl gescheut, in der aktuellen Krise ihre Familien in Polen zu verlassen. Als Beispiel nennt er einen langjährigen Vorarbeiter, der sich mit 60 Jahren auch ein Stück weit zur Risikogruppe zähle. Eine Sorge sei es vielleicht auch, dass die Kräfte möglicherweise später Schwierigkeiten hätten, nach Polen zurückzukommen, in Quarantäne müssten. Ein großer Verlust sei das, sagt Drepper. Das seien angelernte Kräfte mit viel Erfahrung, beispielsweise auch durch Tätigkeiten in anderen Ländern wie den Niederlanden.

Erledigt hat sich vorerst das Thema Saisonkräfte aus Rumänien und Bulgarien. Auch vor dem Einreiseverbot, so Christian Drepper, habe es hier große Probleme gegeben. Kräfte von dort konnten zwar unter bestimmten Voraussetzungen noch einreisen, Transitländer wie beispielsweise Ungarn hätten da aber nicht mitgespielt. Drepper weiß sogar von Bemühungen, Charterflugzeuge für Saisonarbeiter zu organisieren. Aber auch das habe sich nun erledigt.

Stamm an Schülern undStudenten mit Führerschein

Wie geht es nun weiter auf Hof Drepper? Momentan sei man noch halbwegs zuversichtlich, die anstehende Erhöhung auf zwölf bis 15 Kräfte im April irgendwie stemmen zu können. Es gebe immer auch Möglichkeiten. So verfüge man über einen gewissen Stamm an Schülern und Studenten, teilweise mit Treckerführerschein. Die würden sich auch melden. Überhaupt müsse man irgendwie auf Kräfte aus der Region zurückgreifen. Die seien aber ungelernt, teilweise würden sich auch die Vorstellungen zur Arbeitszeit nicht decken.

Völlig offen bleibt es derzeit, wie es zur Hochsaison ab Juni aussehen wird, dann steigt der Bedarf an Saisonkräften auf Hof Drepper auf 30 bis 40. Im Moment, so Drepper, sei es noch nicht absehbar, wie dann die Situation rund um die Corona-Krise aussehen werde. Deutlich größer seien die Sorgen in Betrieben, wo die Saison jetzt schon voll begonnen habe, beispielsweise in der Pfalz. Spargel, Salate, Erdbeeren – es sei nicht auszuschließen, dass da einiges auf den Feldern bleibt, meint Drepper.

Auch im Gemüsegroßhandel des Betriebs in Sümmern gibt es nach Angaben von Christian Drepper derzeit Schwankungen. Zu Beginn der Corona-Problematik habe es teilweise Aufträge gehagelt. Aktuell sei es aber wieder ruhiger geworden. Die Schließungen in der Gastronomie oder von Kantinen könnten sich hier ausgewirkt haben. Das Einkaufsverhalten sei derzeit nur schwer zu kalkulieren. Privatkunden im Landmarkt würden teilweise auch Gemüse auf Vorrat kaufen, um es dann zubereitet einzufrieren. Zunehmend Probleme könne es auch dabei gegeben, Importware für den Großhandel zu bekommen. Denn vom Ausfall der Saisonkräfte seien ja auch landwirtschaftliche Betriebe in den Nachbarländern betroffen, die dann möglicherweise nicht liefern könnten.

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