Grabschändung

Dreister Beutezug über den Friedhof

Diese

Foto: Josef Wronski

Diese Foto: Josef Wronski

Iserlohn.   Täter haben mehrere Metall-Objekte von historischen Gräbern gestohlen.

So eine Tat ist schon erschütternd. Nur für den Gegenwert des Metalls haben unbekannte Täter in den vergangenen Tagen mehrere Gräber auf der historischen und denkmalgeschützten Abteilung des Hauptfriedhofs geschändet. Als gestohlen wurden bisher gemeldet: ein Eisvogel aus Messing, eine etwa 50 Zentimeter hohe Madonna aus Bronze, eine Maria mit Kind aus Kupfer, zwei Bronzekreuze (eins davon von etwa 85 Zentimetern Höhe), zwei Blumentöpfe aus Metall und als dreiste Krönung eine 1,80 Meter hohe Frauenfigur von 1899.

Es habe auch in der Vergangenheit schon einmal Metalldiebstähle gegeben, sagte Marc Giebels, Pressesprecher des für den Friedhof zuständigen Stadtbetriebs Iserlohn-Hemer (SIH) gestern auf Anfrage – ebenso wie Vandalismus und andere Formen von Grabschändungen. Einen so schweren Fall habe er aber noch nicht erlebt.

Zumal durchaus noch weitere Fälle hinzukommen könnten – Gräber werden schließlich nicht jeden Tag kontrolliert, wie auch Polizeipressesprecher Marcel Dilling sagt. Dementsprechend unklar sei auch der Tatzeitraum, da bei den nach und nach eingehenden Meldungen über Beschädigungen nicht eindeutig zu sagen sei, wann sie sich abgespielt haben. Es sei aber davon auszugehen, dass die Täter Anfang September den Friedhof heimgesucht haben. Ob sie einmal oder mehrmals zugeschlagen haben, ist ebenfalls unklar.

Das Ausmaß der Verwüstung lässt auf eine genau geplante Tat und hohe Professionalität schließen. Denn die Täter müssen auf jeden Fall mit einem Fahrzeug auf den Friedhof gelangt sein – vermutlich über den unteren Eingang an der Oestricher Straße. Dort ist auch ein Tor geknackt worden. Von dort ging es auf den historischen Teil des Friedhofs, wo vor allem die prachtvollen Familiengräber früherer Iserlohner Großunternehmer und Kommerzienräte geschändet wurden. Das 1,80 Meter hohe metallene Frauendenkmal wurde gewaltsam von der Steinstele der Grabanlage der Familie Möllmann abgebrochen. Rechts daneben wurden vom Grab der Familie von Kommerzienrat Theodor Fleitmann zwei vasenähnliche Objekte sowie eine Grabplatte von der Wand entfernt. Auch an anderen Grabplatten sind Spuren zu erkennen, die darauf hinweisen, dass auch dort jemand versucht hat, sie mit einer Zange oder ähnlichem zu entfernen.

Die Polizei bittet nun um Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Aufklärung der Tat beitragen können. Zeugen können sich unter 02371/9199-0 melden. Die Täter haben sich nicht nur des Diebstahls, sondern auch der Störung der Totenruhe schuldig gemacht. Weder der entstandene Sachschaden noch der Materialwert des erbeuteten Metalls lässt sich derzeit genau beziffern. Er wird aber in keinem Verhältnis zu dem hohen ideellen Wert der Kunstwerke stehen – sowohl für die Hinterbliebenen als auch für den Iserlohner Friedhof. „Das waren friedhofsprägende Objekte“, sagt Marc Giebels, der nach eigenem Bekunden erst überhaupt nicht glauben konnte, dass so große Gegenstände abtransportiert wurden. Für den Friedhof sei das einfach schade.

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