Kirche

Die schlummernde Schatzkiste Handy heben

Hanns-Peter Springer (2. v. l.) und Rahel Schöttler übergeben zusammen mit Antonia und Lewin von der Jugendkantorei die Handys an Dr. Jean Gottfried Mutombo.

Hanns-Peter Springer (2. v. l.) und Rahel Schöttler übergeben zusammen mit Antonia und Lewin von der Jugendkantorei die Handys an Dr. Jean Gottfried Mutombo.

Foto: maximilian karacic / IKZ

Iserlohn.  Die Evangelische Kantorei hat rund 150 alte Handys an die Sammelaktion der Landeskirche übergeben.

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Die Zahlen lassen wirklich aufhorchen. Rund 124 Millionen alte Handys sollen alleine in deutschen Schubladen vor sich hin schlummern – ein immenser Schatz. Wie Dr. Jean Gottfried Mutombo verrechnet, seine darin schätzungsweise drei Tonnen Gold, 100.000 Tonnen Kupfer und – für den Kongolesen noch wichtiger – jede Menge seltener Erden, für deren Gewinnung in seiner Heimat Kinder in die Bergwerke geschickt werden, nicht selten mit tödlichen Folgen.

Mutombo ist Gemeindemitglied der Iserlohner Versöhnungs-Kirchengemeinde und Regionalpfarrer der MÖWE (Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Verantwortung der Ev. Kirche von Westfalen). Und um kirchliche Verantwortung geht es letztlich auch, wenn MÖWE zu ihrer Handy-Aktion aufruft, in der es darum geht, die an den Schubladen schlummernden Handys einzusammeln und die kostbaren Rohstoffe wieder zu verwerten. Die Handys gehen an die Telekom, wo sie entweder noch einmal verwendet oder fachmännisch zerlegt werden. Ein Teil des Gewinns aus dem Erlös der Rohstoffe geht an Brot für die Welt. 18.000 Euro sind auf diesem Wege schon an die Hilfsorganisation gegangen. Unter anderem wird damit auch das Hilfsprojekt „Gitarren statt Gewehre“ im Kongo unterstützt.

Ein Teil des Geldes kommt nun auch aus Iserlohn, denn hier mehren sich Unterstützer. Die ersten waren die Mitglieder der Kantorei und der Kinderkantorei. „Durch die Rohstoffgewinnung für neue Handys entsteht nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein großer sozialer Schaden, sagt Kantor Hanns-Peter Springer, der vor mehr als einem Jahr mit der Sammlung in der Gemeinde angefangen hat. „Da dürfen wir als Christen nicht tatenlos zusehen.“ Rund 150 Handys hat er gestern an Dr. Jean Gottfried Mutombo übergeben. „Da geht aber mit Sicherheit noch viel mehr“, sagt er.

Möglichst viele Menschen zum Mitmachen bewegen

Wichtiger als die absolute Zahl im ersten Anlauf ist es ihm aber, diese Aktion bekannter zu machen und noch viel mehr Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Darin unterstützt ihn auch Pfarrerin Rahel Schöttler, Kantoreimitglied und Lehrerin am Friederike-Fliedner-Berufskolleg. „Es ist wichtig, möglichst viele für dieses Thema zu sensibilisieren“, sagt sie und unterstreicht noch einmal die Unerträglichkeit des Gedankens, dass unser westlicher Lebensstil auf Kinderarbeit in der Dritten Welt fußt. Auch sie hat inzwischen eine Sammelstation an ihrer Schule eingerichtet.

Auch die Aktion der Kantorei läuft weiter. Wer Handys abgeben möchte, kann sich direkt an das Kantorat, 02371/1329, wenden. Einfach einen Behälter aufzustellen, sei nicht praktikabel, es müsse schon ein geschützter Raum für alten Handys her, sagt Springer. Außerdem gibt es in der Verbraucherzentrale eine Sammelstation.

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