Interview

Der Traum vom Fußballer war schnell ausgeträumt

Michael Knüppel ist nach eigenen Angaben ein großer Menschenfreund. Aber nicht zuletzt ein Blick in sein Büro lässt durchaus darauf schließen, dass er vermutlicher auch ein ordentlicher Individualist sein kann. 

Michael Knüppel ist nach eigenen Angaben ein großer Menschenfreund. Aber nicht zuletzt ein Blick in sein Büro lässt durchaus darauf schließen, dass er vermutlicher auch ein ordentlicher Individualist sein kann. 

Foto: Thomas Reunert

Michael Knüppel stellt sich den Fragen von Thomas Reunert

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Was wollten Sie als Kind werden – und warum?

Wie viele fußballverrückte Jungs, wollte ich Fußballer werden, aber gebe zu bei meinen Fähigkeiten ist dieser Traum dann doch relativ schnell geplatzt. Allerdings die Leidenschaft zum Fußball – als glühender Schalke-Fan – ist nach wie vor vorhanden.

Was war der beste Rat Ihrer Eltern?

Ich hatte tatsächlich das Glück, dass meine Eltern mir Werte und auch einen guten Wertekompass vermittelt haben und vielleicht der beste Rat war, bleib authentisch, bleib so wie Du bist, für alle Menschen kalkulierbar, natürlich auch bei den vielen Schwächen an denen man bis zum heutigen Tage auch für sich selbst arbeiten muss.

Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?

Begeistert bin ich von Leonardo da Vinci – seine universalen Fähigkeiten, ob als Bildhauer, Architekt, Naturphilosoph usw. – und zum anderen Nelson Mandela – für mich als Symbolfigur für Freiheit und Gerechtigkeit.

Was haben Ihre Lehrer/Professoren über Sie gesagt?

Vor einiger Zeit haben mich meine Kinder „genötigt“ meine Schulzeugnisse zu zeigen – die spiegeln wider, dass man auch mit nicht immer den besten Noten erfolgreich sein kann. In den Zeugnissen stand unter anderem, wie hieß es . . . ,Michael stört zunehmend, vorlaut den Unterricht.’ Wenn ich das auf heute übertrage, dann würde ich sagen, vielleicht nicht störend oder vorlaut, aber präsent, bestimmend und immer was zu sagen . . .

Auf wen hören Sie?

In erster Linie auf meine Familie. Als Regulativ insbesondere meine Frau, aber auch auf – im Berufsumfeld – meine Kolleginnen und Kollegen.

Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?

Die grundsätzliche Frage ist, wie versteht man sich als Chef. Ich persönlich sehe mich bei den vielen Tausenden Mitarbeitern als ein Puzzleteil, der sicherlich eine andere Verantwortung jeden Tag trägt und auch viele Entscheidungen zu treffen hat. Teamorientierung, Respekt und Wertschätzung sind genau die diametralen Dinge, die man als Chef auf keinen Fall außer Acht lassen sollte. Bestandteil ist ein moderner, offener, kommunikativer Führungsstil.

Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?

Es wäre falsch, wenn ich nicht sagen würde, dass ein ordentliches Einkommen eine vernünftige Grundlage für die Familie und andere Beteiligten sein sollte. Ich persönlich definiere mich in erster Linie darüber, mit vielen, vielen Menschen jeden Tag – Mitarbeiter und Kunden – gemeinsame Ziele, Interessenslagen, Aufgabenstellungen, Maßnahmen, aber auch Probleme gemeinsam zu lösen. Wenn aus all diesen Facetten alle Beteiligten Gewinner sind – so ist es auch legitim für die Aufgabe – gilt für alle – „vernünftiges“ Geld zu verdienen.

Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern?

Fachliche und sachliche Kompetenz ist lernbar. Was nicht lernbar ist bzw. nur ansatzweise veränderungsfähig ist, ist die Persönlichkeitsstruktur, die Empathie, der Charakter. Ethik und Moral haben für mich einen sehr hohen Stellenwert. Runtergebrochen: Klarheit, Loyalität, Reflexionsfähigkeit und das Miteinander gemeinsam die ambitionierten Aufgaben heute und zukünftig zu bewältigen.

Duzen oder siezen Sie im Betrieb?

Wenn man den heutigen globalen Unternehmen folgt, so ist es ja ganz schick grundsätzlich zu duzen. Allerdings gab es grade in den letzten zwei, drei Wochen hierzu eine Studie – Welt am Sonntag – dass fast 50 % aller Mitarbeiter dies nicht als Wertschätzung betrachten, sondern als eine moderne Umgangsform, die aber nichts mit Werten als solches zu tun haben. Also um konkret die Frage zu beantworten: bei mir gilt nach wie vor das Bauchgefühl – das Du anzubieten – und dies hat für mich persönlich einen hohen Stellenwert.

Was sind Ihre größten Stärken?

Wenn man seinem Dominanzprofil einer Analysetätigkeit seiner Gesamtprofilbetrachtung folgt, dann ist es der Bereich Empathie, auf Menschen zuzugehen, Menschen abzuholen, Betroffene zu Beteiligten zu machen, sie begeistern, sie zu führen, neben ihnen oder auch hinter bzw. vor ihnen. Sicherlich auch die Klarheit, die Zielorientierung, die Analytik, allerdings gepaart mit einer guten Empathie.

Was sind Ihre größten Schwächen?

Ganz sicher Ungeduld und die Klarheit – ich sagte es bereits - was im Umkehrschluss übrigens beides auch Stärken sein können, mit klarer Ansage, mit klarer Zielorientierung.

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?

Genug denke ich… Fragen Sie am besten meine Familie. Wenn man diesen Beruf liebt, im Sinne von Freude, Motivation und Engagement, so kommen da schon eine Menge an Stunden zusammen. Hinzukommt natürlich, dass auf Grund der geografischen Größe der Bauking AG auch viel Zeit auf der Straße, im Zug, im Flugzeug verbracht wird.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Hier gibt es unterschiedliche Definitionen, was ist eigentlich Stress. Es gibt positiven Stress, es gibt negativen Stress. Auch wenn es vielleicht den ein oder anderen irritiert, in der Regel ist es für mich positiver Stress und insofern gibt es für mich die Definition Stress – im negativen Sinne – nicht.

Wie informieren Sie sich (außer über den IKZ natürlich)?

Neben der Tageszeitung IKZ, die Süddeutsche, die Welt, entsprechende Fachmedien und digitale Medien… ich lese grundsätzlich viel – aber was viel wichtiger ist, ich frage viel und höre zu.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben