Kultur

Das spannende Leben im Land der tausend Berge

Egal, wo ein Reiner Hänsch zu Gast ist, seine Gitarre kann er nie Zuhause lassen. So auch bei seiner Lesung.

Egal, wo ein Reiner Hänsch zu Gast ist, seine Gitarre kann er nie Zuhause lassen. So auch bei seiner Lesung.

Foto: Stefan Drees

Iserlohn.   Reiner Hänsch stellte sein neues Buch „Sauerland Live“ bei „Presse&Buch im Bahnhof“ vor

„Dann wolln we mal“: Schon gleich zu Beginn präsentiert sich Reiner Bruno Gustav Hänsch sauerländisch korrekt. „Mr. Sauerland“ ist zu Gast bei „Presse&Buch im Bahnhof“, stellt sein neues Buch „Sauerland live“ mit 14 neuen Abenteuern der Familie Knippschild vor. Einige davon trägt er vor, hat am Samstag aber auch seine Gitarre mit zum Iserlohner Stadtbahnhof gebracht. Seine These: Das Leben im Land der tausend Berge ist mindestens genauso spannend wie anderswo.

Eine alte Dame, die gerne Rezepte und Krankheiten googelt, bekommt gleich die Pimpernellen, weil das Internet seinen Dienst versagt, ja, sie wird geradezu rammdösig. Hänsch spielt in seinen Knippschild-Geschichten einmal mehr geschickt mit den sprachlichen Rustikalitäten der Sauerländer. Er übertreibt dabei aber nicht, dosiert genau richtig. Denn Hänsch versteht sich auch darauf, geradezu elegant zu formulieren, geistreich und bildreich. Er macht sich so liebevoll über Frauen am Steuer lustig, dass sogar ebendiese herzlich lachen müssen. Urkomisch ist auch die Hosenanprobe im Klamottenladen, Hänsch verballhornt die Hüftjeans, „bei denen immer noch der halbe Arsch rausguckt“ oder solche Exemplare, die bereits ab Werk zerfetzt sind.

Männer sind ganz anders als Frauen, befindet Hänsch. Die Frau muss immer auf den Mann achten, ohne Endkontrolle darf Mann nicht aus dem Haus, sonst läuft er rum wie ein stinkender Bär. Männer sind grundlegend anders gestrickt: So lange man noch um den Dreck herumlaufen kann, braucht man ihn nicht wegzumachen. Bei „Sauerland Live“ besuchen die Knippschilds auch ein Spiel der Roosters, es geht gegen die Haie. Dumm nur, das Knippschild ausgerechnet einen rotweißen Schal trägt . . . Ein Besuch beim Friseur – der Vorgang des Haareschneidens wird bei Hänsch/Knippschild zur „Beschneidung“ – lässt kaum ein Klischee aus, gleiches gilt für die Teilnahme an einer „Familienfeier mit Alleinunterhalter“. Ja, dieser Reiner Hänsch kann den Sauerländern offenbar sehr genau auf den Mund schauen. Jeder kann sich irgendwo wiedererkennen, dass ist immer noch das beste Rezept für gute Komik.

Natürlich darf auch die Gitarre nicht fehlen

Nun aber zur Gitarre. Hänsch präsentiert eigene Songs, parodiert aber auch gerne. Aus „Come together“ von den Beatles wird da mal eben „Kannse vergessen“. Zur Hochform läuft Reiner Hänsch auf, wenn es darum geht, das Kapitel „Deutscher Schlager“ kritisch zu würdigen. Da ist er dann fast schon wie Otto Waalkes unterwegs. „Was muss man denn genommen haben, um so etwas zu schreiben?“, kommentiert Hänsch die bisweilen völlig geistfreien Schlagertexte. Und dann ist es soweit: Hänsch spielt, nein, Hänsch zelebriert den Sauerland-Song. Nun wird in der Buchhandlung mitgesungen, mitgeklatscht. Wir sind ja schließlich im Sauerland. Einen rundum gelungenen und auf vielfältige Weise unterhaltsamen Abend in der Bahnhofsbuchhandlung beendet Hänsch so, wie die meisten Zoff-Konzert auch: mit dem Song „In 100 Jahr’n“.

Am gestrigen Dienstag begeisterte Hänsch auch in der Aula des Hemeraner Woeste-Gymnasiums, am 10. November kommt er in die Letmather Rock- und Popfabrik. Auch dann heißt es „Sauerland live“.

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