Schweinepest

Das schwere Spiel mit dem Borstentier

Schlauer, als die meisten glauben – Wildschweine sind selbst von Jagdhunden nicht zuverlässig aufzuspüren.

Foto: Gregor Fischer

Schlauer, als die meisten glauben – Wildschweine sind selbst von Jagdhunden nicht zuverlässig aufzuspüren.

Iserlohn.  Die heimischen Landwirte und Jäger rüsten sich für die Afrikanische Schweinepest.

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Im Wald bei Ergste wird heute scharf geschossen: Die Schwerter Jäger wollen versuchen, den Wildschweinbestand zu reduzieren. Hintergrund ist nicht nur die in den vergangenen Jahren rasante Vermehrung der borstigen Paarhufer. Die härtere Bejagung zählt zu den präventiven Maßnahmen, mit denen Schweinezuchten bundesweit vor der in Osteuropa grassierenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) geschützt werden sollen.

Wie wahrscheinlich ein Ausbruch in Deutschland tatsächlich ist, kann niemand mit Gewissheit sagen. Die heimischen Bauern müssen die Gefahr in jedem Fall ernst nehmen, erklärt Ulrich Brinckmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes: „Es reicht ja, wenn irgendwo in Deutschland ein krankes Wildschwein gefunden wird, dann müssen wir sofort die Ställe dicht machen und unter Quarantänebedingungen arbeiten.“ Besonders, wer neben der Tätigkeit auf dem Hof als Jäger unterwegs ist, müsse schon jetzt darauf achten, die Kleidung für den Stallrundgang zu wechseln. „In Quarantänesituationen ringen wir darum, den Verkehr von betriebsfremden Personen zu unterbinden. Dasselbe gilt für Hunde und Katzen“, beschreibt Brinckmann die damit verbundenen Herausforderungen.

Jäger haben keine unbegrenzten Kapazitäten

Wildschweine als potenzielle Überträger zu dezimieren, das ist leichter gesagt als getan, wie aus einem Gespräch mit Frank Eifler, Leiter des Hegerings Iserlohn-Hemer, deutlich wird. Die Ressourcen der Jäger seien begrenzt, und das Aufheben der Schonfrist zum 15. Januar bewirke nicht automatisch mehr geschossene Tiere. „Es geht damit los, dass es zu dieser Jahreszeit abends, wenn die meisten von uns rausgehen können, Licht fehlt und das Wetter schlecht ist“, erläutert Eifler.

Wildschweine sind selbst unter günstigen Bedingungen für ihr Geschick bekannt, mit dem sie sich dem Zugriff der Waidmänner entziehen. Ohne ihre Hunde kommen diese nicht weit: „Auf dem Hochsitz schlägt man sich, wenn man Pech hat, eine ganze Woche lang die Nächte um die Ohren, ohne ein Schwein zu Gesicht zu bekommen.“ Die bellenden Vierbeiner wiederum stoßen im Dauereinsatz an ihre körperlichen Grenzen. „Nach drei, vier oder spätestens fünf Tagen hintereinander sind die platt, die Hundeführer sagen dann ab.“

Ende der Bestandsexplosion im heimischen Wald in Sicht

Eifler hat den Eindruck, dass die Entwicklung der Wildschweinpopulation im Iserlohner Raum ihren Zenit überschritten hat und die heimischen Jäger zuletzt Erfolge verzeichnen konnten. Mit Bestimmtheit ließe sich das aber nicht beurteilen, da nur indirekte Belege wie Streckenlisten und Flurschäden dabei herangezogen werden können. „Dass wir mehr schießen, bedeutet nicht automatisch, dass die Population sinkt“, erklärt der Hegeringleiter.

Ulrich Brinckmann bemerkt, dass bei der ASP die größte Gefahr wohl immer noch vom Menschen ausgehe. „Deshalb würden wir uns wünschen, dass etwa Müllcontainer an Autobahnraststätten strenger kontrolliert werden.“

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