Reiten auf der Straße

Das Pferd und die Angst vorm Lkw

Auf der Seilerseestraße: Dieser Lkw hält einen vorbildlichen Abstand zu der Reitergruppe.

Auf der Seilerseestraße: Dieser Lkw hält einen vorbildlichen Abstand zu der Reitergruppe.

Foto: Stefan Drees / IKZ

Iserlohn.  Reiter auf der Straße: Die Polizei mahnt im Verkehr zur gegenseitigen Rücksichtnahme.

Es ist ja nun nicht so, dass Reiter gerne auf der Straße beziehungsweise an ihr entlang reiten. Viel wohler fühlen sich Pferd und Reiter beim Ausritt in der Landschaft, auf lauschigen Wegen, im Wald oder im Herbst gerne auf abgeernteten Feldern. Um aber vom Stall in die entsprechenden Reviere zu gelangen, müssen häufig Straßen überquert werden, oder ihnen einige hundert Meter gefolgt werden. So geht es auch Tina Eichholz, die ihrem Hobby auf dem Hof Windscheif an der Scheffelstraße nachgeht. Um in eines ihrer Lieblingsreviere zu kommen, macht sie beispielsweise Bekanntschaft mit der Seilerseestraße, immerhin eine Bundesstraße. Regelmäßig erlebt sie gefährliche Situationen. Autofahrer fahren vor dem Überholen zu dicht auf, halten, wenn sie überholen, nicht genug Abstand. Und wenn ein Lkw im Anmarsch ist, steigt bei Tina Eichholz der Puls sofort. Daraufhin hat sie sich an die Polizei gewendet. Das Ergebnis: Gestern fand auf dem Hof Windscheif ein Termin mit der Kreispolizeibehörde statt, zu dem auch zwei Reiterinnen der Landesreiterstaffel der Polizei samt „Arbeitsgerät“ erschienen waren. Die Zielsetzung: Aufklärung und das Werben um gegenseitiges Verständnis zwischen Reitern und anderen Verkehrsteilnehmern.

Pferde sind vomNaturell her Fluchttiere

Bleibt dieses gegenseitige Verständnis aus, können die Folgen gravierend sein. Rückt Pferden ein Auto oder gar ein Lkw zu nah aufs Fell, können die Tiere unberechenbar reagieren, für den Reiter nicht kontrollierbar „durchgehen“. Denn Pferde sind vom Naturell her Fluchttiere. Welche Gefahren dann – gerade auf einer Straße – bestehen, kann sich wohl jeder ausmalen. Christof Hüls von der Polizeipressestelle kann von einem Vorfall im Bereich Rheinermark im vergangenen Jahr berichten. Eine Frau führte ihr Pferd an einem Strick über den Vieleweg. Ein Lieferfahrzeug fuhr dicht auf, Signale der Frau, langsamer zu fahren, missachtete der Fahrer. Sie stoppte an einer kleinen Ausweichstelle, der Fahrer gab zum Überholen laut Gas. Das Pferd trabte los. Beim Versuch, das Pferd am Strick festzuhalten, verbrannte sich die Frau die Hände.

Melanie Regine Lipp von der Landesreiterstaffel kennt ebenfalls gefährliche Situationen. Weniger wenn sie Uniform trägt, eher, wenn sie privat auf dem Pferd sitzt. Sie weiß auch, dass es für Reiter oft gar nicht möglich ist, Straßen auszuweichen. Denn Geh- oder Radwege sind für Pferde tabu. Die Polizeihauptkommissarin bittet Auto- und Lkw-Fahrer dringend darum, beim Überholen ausreichend Abstand zu halten und nicht zu schnell zu fahren. Am besten sollte beim Überholen gewartet werden, bis gefahrlos auf die Gegenfahrbahn ausgewichen werden kann. So macht man es ja auch beim Überholen eines Zweirades. Und Lkw-Fahrer sollten beachten, dass ihre Brummis auch schon bei mittleren Geschwindigkeiten eine nicht unerhebliche Druckwelle produzieren – neben Lärm und den optischen Eindrücken ein zusätzlicher Reizfaktor für das Pferd. Nicht zu dicht auffahren, ist ebenfalls eine dringliche Bitte der Polizei-Reiterin.

Aber auch Reiterinnen und Reiter sollten einige Regeln beachten. Sie sollten entlang der Straße nicht neben-, sondern nur hintereinander reiten. Wenn sich hinter ihnen ein Stau bildet, sollten sie an einer Ausweichstelle halten. Und Reiter müssen unbedingt die Verkehrsregeln kennen, bei Manövern wie Radfahrer auch dem übrigen Verkehr mit Arm und Hand Signale geben. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sei auf die Verkehrstüchtigkeit zu achten. Und bei Dunkelheit ist an die vorgeschriebene Beleuchtung zu denken.

Aber auch die Pferde müssen an den Straßenverkehr gewöhnt sein. Der Rat von Melanie Regine Lipp: Junge Pferde sollten bei den ersten Ausflügen in den Straßenverkehr von erfahrenen Pferden begleitet werden. Oder eine Begleitperson sollte mitkommen, um notfalls „vom Boden aus“ eingreifen zu können. Und vor dem ersten Ausritt über eine Straße sollte auf dem Hof trainiert werden. Und mit Autos könne man dort ja entsprechende Verkehrssituationen durchaus simulieren, ergänzt Tina Eichholz. Und für die ersten Gehversuche muss es ja nicht gleich eine Bundesstraße sein.

Einen Helm tragen unddie Vorfahrt nicht erzwingen

Klar ist natürlich, dass ein Reiter sein Pferd bestmöglich beherrschen sollte, bevor es in den Straßenverkehr geht. Und Melanie Regine Lipp hat abschließend noch zwei Anliegen: Reiter sollten einen sicheren Helm tragen und das beachten, was auch für Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer gilt: niemals die Vorfahrt erzwingen!

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