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Das dunkle Reich unter der Waldstadt

Eine Karte Iserlohns aus dem 19. Jahrhundert.Links mittig noch zu sehen die katholische Kirche, die wegen Bergschäden 1872 abgerissen werden musste.

Eine Karte Iserlohns aus dem 19. Jahrhundert.Links mittig noch zu sehen die katholische Kirche, die wegen Bergschäden 1872 abgerissen werden musste.

Foto: Stadtarchiv

Iserlohn.   Bis ins Jahr 1900 war Iserlohn eine vom Bergbau geprägte Stadt, für die Sicherung von Stollen und Schächten sind heute die Stadtwerke verantwortlich. Doch wie aufwendig ist das überhaupt?

Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus in Iserlohn datiert auf den 14. Februar 1478, gut 100 Jahre später sind die ersten Senkungsbewegungen notiert. Wie viele Tunnel und Schächte die Bergleute über die Jahrhunderte tatsächlich durch den Iserlohner Grund trieben, ist unklar. Es dürften jedoch einige Kilometer zusammenkommen. Immer noch erhalten, aber für die Öffentlichkeit nicht zugängig, ist beispielsweise der Adlerstollen zwischen Grüne und dem Hauptfriedhof, der allein eine Länge von 1104 Metern hat.

Das dunkle Reich unter der Waldstadt – es ranken sich noch heute Legenden darum, zum Beispiel die von der bis zur Kirchturmspitze versunkenen Lehmkuhlenkirche (heute Schillerplatz). Eine „Mär“ allerdings, wie der Historiker Rolf Klostermann in seinem Buch „Der Bergbau in Iserlohn“ schreibt – trotz nachweislicher schwerer Bergschäden in dem Bereich, die mit zum Abriss der Kirche führten.

Zuletzt richteten die Grünen im Dezember die Bitte an die Stadtverwaltung, im nächsten Umweltausschuss im Februar über mögliche „Gefährdungen durch den Altbergbau“ und Erkenntnisse aus Begehungen berichten zu lassen.

Stadtwerke haben seit Mitte der 70er die Galmei-Rechte

Für die Sicherung und Kontrolle der Überbleibsel des Bergbaus, der in Iserlohn offiziell im Jahr 1900 endete, sind als Inhaber der Galmei-Rechte seit Mitte der 70er Jahre die Stadtwerke verantwortlich. Und bei denen namentlich Jürgen Richters, Bereichsleiter Technischer Service.

Ein spätgeborener „Kumpel“ ist der Stadtwerke-Mann darum aber noch lange nicht. Begehungen sind nicht eben an der Tagesordnung. „Je nach Risikoklasse finden sie nur alle ein bis drei Jahre statt“, sagt Richters. Alle drei Jahre, wenn dann sämtliche bekannten Schächte und Stollen kontrolliert werden müssen, beschäftigt dies zwei Mitarbeiter zwei Tage lang – ein überschaubarer Arbeitsaufwand. In den meisten Fällen wird lediglich die Oberfläche oberhalb von Schächten und Stollen auf mögliche Schäden in Augenschein genommen.

Seit 2011 gibt es das sogenannte Risiko-Management der Stadtwerke. Neben Iserlohn gehören Hemer und Teile von Altena zum überwachten ehemaligen Galmei-Abbaugebiet – eine Fläche von 100 Millionen Quadratmetern. Zugängliche Schächte gibt es lediglich noch am Wasserwerk „Krug von Nidda“ in Iserlohn und auf Hemer-Westiger Gebiet. Stollen gibt es einige mehr, „die sind aber alle verschlossen und ordnungsgemäß zurückgebaut“, sagt Reiner Timmreck, Geschäftsführer der Stadtwerke. Eine Karte oder ein Kataster, die die gesamte Dimension und Intensität des einstigen Bergbaus veranschaulicht, gibt es laut Timmreck nicht, lediglich Ausschnitte. Und auch an die ist schwer zu gelangen, es bedarf in der Regel einer Genehmigung der Grundstücksbesitzer (siehe Info-Box). Und so ist die Länge des einstigen Netzes unterhalb der Waldstadt heute unbekannt. Zumal vor allem in den Anfangstagen des Bergbaus nicht jeder Tunnel kartiert wurde.

„Man kann das grundsätzlich aber mit dem Kohle- und Erzbergbau nicht vergleichen“, sagt Jürgen Richters – zumal der Bergbau in Iserlohn schon vor über 100 Jahren zu Ende gegangen sei. In Bezug auf mögliche Bergschäden sagt er schlicht: „Wir haben da nichts festzustellen.“ Reiner Timmreck ergänzt: „Seit wir als Stadtwerke die Rechte haben, hat es nicht einen Fall gegeben, von dem wir wüssten.“

Zwar könne es im Stadtgebiet durchaus zu Nachrutschungen in Baugruben kommen, was allerdings nicht am einstigen Bergbau liege: „Man muss bedenken, dass der Boden unter Iserlohn stark verkarstet und grundsätzlich löchrig ist“, sagt Timmreck. Die Einzelfall-Bewertung falle letztlich in das Aufgabengebiet der Bezirksregierung.

Und so ist wenig geblieben vom Bergbau. Bergwerk-, Galmei- oder Erzstraße – viel mehr als Straßennamen erinnern heute nicht mehr an das dunkle Reich unter Iserlohn.

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