Corona

Corona macht Gratulanten kreativ

Zum 70. Geburtstag von Marianne Brooks hatten sich die Kinder eine besondere Überraschung ausgedacht.

Zum 70. Geburtstag von Marianne Brooks hatten sich die Kinder eine besondere Überraschung ausgedacht.

Foto: Stefan JankE

Iserlohn.  In Zeiten von Corona sind die Menschen erfinderische geworden, wenn sie ihren Liebsten zum Geburtstag gratulieren.

„Mit jedem Luftballon, der zerplatzt, werde ich wieder ein Jahr jünger“, sagt Marianne Brooks und lacht übers ganze Gesicht, als es auf der Terrasse ein weiteres Mal knallt. Vielleicht wieder 18. Obwohl, nein – 30 wäre ein tolles Alter, sagt sie. An diesem Dienstag in Corona-Zeiten aber hat die Iserlohnerin ihren 70. Geburtstag, und der sollte natürlich „groß“ gefeiert werden. „Wir hatten mit dem Restaurant Kontakt aufgenommen, das Menü zusammengestellt, doch dann kam der Lock-Down“, erinnert sich Marianne Brooks. Die Hälfte der Einladungskarten war auch bereits verschickt, „aber uns war zu der Zeit schon klar, dass wir kein Risiko eingehen können.“ Schließlich hätten auch „ältere Semester“ zu den Gästen gezählt.

Irgendwie hatten sich Marianne Brooks und ihr Mann Charles schon mit der Situation abgefunden, andere runde Geburtstage und Familienereignisse stehen an, da fallen auch die Feiern ins Wasser: „Das ist schon alles sehr merkwürdig in diesen Tagen“, sagt das „Geburtstagskind“. Und so wollte sie heute mit ihren Lieben eben nur telefonieren oder „skypen“.

Wären da nicht Tochter Kirstin, Schwiegersohn Stefan und die Enkel Malte und Merle gewesen. Die nämlich installierten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen großen, rosaroten Geburtstagsgruß aus 70 Luftballons und einer silbern glänzenden „70“ auf die Terrasse. Kurz vor Mitternacht hatten sich die Vier ums Haus geschlichen und im Schein von Taschenlampen neben den Ballons noch bunte Bänder, „Happy-Birthday-Girlanden“ und anderen Party-Schmuck im Garten drapiert und Marianne Brooks damit eine riesige Freude und Überraschung bereitet.

Ob an Charles’ 80. Geburtstagwieder alles „normal“ ist?

„Wenn das jemand gesehen hätte, der hätte bestimmt bei der Polizei angerufen und einen Einbruch gemeldet“, spekuliert Ehemann Charles Brooks, der übrigens gebürtiger Amerikaner ist, seit vielen Jahren als Dozent für Englisch an der Volkshochschule arbeitet – und im Oktober seinen 80. Geburtstag feiert. Ob seine Frau und er dann vielleicht beide Ehrentage mit einem noch größeren Fest begehen können, auf dieses Frage antwortet Charles Brooks mit einem kurzen Schulterzucken.

Etwas Besonderes gönnt sich das Ehepaar an diesem Abend aber trotz allem: „Ich mache für uns beide ein Fünf-Gänge-Menü – aus dem Kochbuch“, sagt Marianne Brooks, und dann muss sie noch einmal über ihren Enkel Malte lachen, der sich bei der Aktion fragte, warum er nicht in einer „normalen Familie“ groß werden könne.

Nicht weniger überrascht war vor einiger Zeit auch der Sümmeraner Hans Amos. Auch er wollte an seinem runden Geburtstag – der gelernte Konditormeister und spätere Mitarbeiter der Sparkasse Hemer wurde 90 Jahre alt – mit vielen Gästen feiern, doch auch er musste das Fest im „Jägerhof“ abbestellen. Um „ihrem Hans“ trotzdem eine Freude bereiten zu können, überraschten ihn die Kinder seiner Lebensgefährtin Brigitte Hartwig, Frank, Petra und Heike, mit einer riesigen, mit Rosen und Girlanden verzierten „90“, die am Morgen unvermutet im Vorgarten stand. Zusammen mit den Geschenken und Grußkarten war dies eine echt gelungene Überraschung und ein Lichtblick in diesen Zeiten

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