Internet-Abzocke

Bots locken mit #Iserlohn in die Abofalle

Nicht Menschen haben Beiträge dieser Art gepostet, sondern Computerprogramme.

Foto: Michael May

Nicht Menschen haben Beiträge dieser Art gepostet, sondern Computerprogramme.

Iserlohn.   Bei Twitter sieht man unter dem Hashtag (#) Iserlohn immer wieder halbnackte Damen. Hinter den unseriösen Beiträgen steckt eine Betrugsmasche.

Unter dem Hashtag (#) Iserlohn finden sich in diesen Tagen auf Twitter häufig Bilder mit knapp bekleideten Damen. Hinter diesen Bildern verstecken sich allerdings keine echten Frauen, sondern Computerprogramme. Unbeholfene Opfer sollen so auf unseriöse Seiten gelockt werden. Geht man auf das Angebot ein, ist man schon in der Abo­falle gefangen.

Schon der Name der vermeintlichen Nutzer, die die „Posts“ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verbreiten, ist auffällig. „@HenryHenry5766“ oder „aLpGjiYpGnFKntf“ sind nur zwei Beispiele dafür. Die unaussprechlichen Namen sind ein Hinweis darauf, dass es sich um sogenannte Bots handelt. Programme, die nur dafür geschaffen sind, solche Inhalte unter #Iserlohn zu verbreiten. Sie verweisen auf eine Internetadresse mit unzweideutig sexuellem Inhalt.

Das Geschäftsmodell der Abzocker

Folgt ein Nutzer den Spuren der Bots, landet er über eine Drittseite auf unterschiedlichen Flirtportalen, unter anderem vom Bremer Unternehmen Flirtano.

Diese Seiten haben sich auf Abo­fallen spezialisiert, wie aus zahlreichen Seiten von Rechtskanzleien und der Seite Aboalarm.de hervorgeht. Das Geschäftsmodell: Mit einem zweiwöchigem Probeabo für einen Euro wollen die Anbieter ihre Opfer in die Abofalle locken. Die Mitgliedschaft wird nämlich nach 14 Tagen automatisch verlängert. Dann müssen die Nutzer monatlich gleich 89 Euro berappen. Mindestlaufzeit für das Abo ist sechs Monate. So kommt schnell ein Betrag von über 500 Euro zusammen.

Auch Ingrid Höcker von der Verbraucherzentrale Iserlohn sind Abo­fallen ähnlicher Art bekannt. „Solche Angebote sind völlig unseriös“, sagt sie. Dafür gebe es meist zahlreiche Hinweise. „Die Vertragsbedingungen müssen deutlich sein, ansonsten ist das ein Nepp“, sagt sie. Auch in Iserlohn seien solche Fälle kein Einzelfall. „Ich rate den Verbrauchern dringend, die Hemmschwelle zu überwinden, und sich Rechtsbeistand oder Hilfe von der Verbraucherzentrale zu holen“, sagt Ingrid Höcker.

Dass vor allem sexuelle Inhalte mit solchen Inhalten verknüpft werden, sei nämlich kein Zufall. „Viele bezahlen dann einfach, damit sie sich keine Blöße geben müssen“, sagt die Verbraucherschützerin. Ignoriert man die Zahlungsaufforderung, kommt schnell ein Brief von einem Inkassounternehmen. „Die Firmen sind dann sehr hartnäckig. Wenn man die Forderungen ignoriert, kann es schon mal zu einem Titel vor Gericht kommen“, sagt sie.

Inkassounternehmenfordert oft zu viel Geld

Auf jeden Fall solle man deswegen das Abo schnellstmöglich kündigen und die Zahlungsaufforderung prüfen lassen. „Viele Inkassounternehmen fordern mehr als ihnen zusteht“, sagt Ingrid Höcker. Bei Abzocken, die über das Smartphone abgeschlossen werden, empfiehlt die Verbraucherschützerin außerdem, dass Nutzer Drittanbieter sperren lassen. Zahlungspflichtig seien Angebote nur, wenn der Verbraucher einen Button mit dem Hinweis „zahlungspflichtig bestellen“ oder ähnlichen konkreten Formulierungen drückt.

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