Gesundheit

Beim Schlaganfall gilt „Zeit ist Gehirn“

Dr. Heiko Rinsche, Oberarzt in der Neurologie am St.-Vincenz-Krankenhaus in Menden, spricht im Podcast über das Thema „Schlaganfall“.

Dr. Heiko Rinsche, Oberarzt in der Neurologie am St.-Vincenz-Krankenhaus in Menden, spricht im Podcast über das Thema „Schlaganfall“.

Foto: Kevin Pinnow

Iserlohn.  Heimat-Sprechstunde: Keine echte Lebensbedrohung, aber Behinderungen unterschiedlicher Schwere können die Folge sein

Wenn ein Fachmann wie Dr. Heiko Rinsche, Oberarzt in der Neurologie am St.-Vincenz-Krankenhaus in Menden gefragt wird, was das denn nun eigentlich wirklich sei, so ein „Schlaganfall“, dann sagt er natürlich zunächst einmal fachlich korrekt als Mediziner: „Der Schlaganfall ist definiert als ein plötzlich auftretendes fokales, neurologisches Defizit.“ Und auf die Laien-Nachfrage, was man sich unter „fokal“ vorstellen müsse, sagt er etwas erklärender: „Meist ist das eben eine halbseitige Lähmung oder eine Sprachstörung. Es kann auch der Ausfall eines Gesichtsfeldes sein.“ Vor allem aber passiere das oftmals „aus einem völligen Wohlbefinden heraus“.

Immerhin hat der Mediziner auch gleich eine – wenn man das in so einem Fall sagen kann – nicht ganz so schlechte Nachricht parat. Im Vergleich zu einem Herzinfarkt sei im ersten Moment eine echte Lebensbedrohung bei einem Schlaganfall nicht gegeben. „Hier ist eben das Problem eher, dass Behinderungen unterschiedlicher Schwere entstehen können, die dann unter Umständen den Patienten ein Leben lang begleiten.“ Bei den auch für den außenstehenden Betrachter zu bemerkenden Anzeichen zählt Dr. Rinsche in erster Linie die halbseitige Lähmung und plötzliche Kraftminderung in unterschiedlicher Intensität auf. Auch verwaschene oder undeutliche Sprache, Gesichtsveränderungen mit Mundwinkelschwäche und Sehfeld-Beeinträchtigungen können im Vorfeld wichtige Alarm-Signale sein.

Schnellstmöglich Rettungsdienst alarmieren

Angesprochen auf das geflügelte Medizinerwort „Zeit ist Gehirn“ erklärt Dr. Rinsche den Hintergrund: „Je schneller ich die verschlossene Stelle wieder öffnen und einer Durchblutung zuführen kann, desto größer ist nun einmal die Chance, dass ich bereits entstandene Defizite – zumindest zu großen Teilen oder auch vollständig – wieder zurückführen kann.“ Daher sei es eben auch immer wichtig, so schnell wie möglich den Rettungsdienst zu alarmieren, um den Patienten dann in medizinische Fach-Hände zu übergeben. Klassische Einsatzmöglichkeiten für den Ersthelfer seien, anders als zum Beispiel beim Herzstillstand, allerdings nicht gegeben.

Im Krankenhaus schließlich könne dann, so Dr. Rinsche, unter Einsatz von Bild-Verfahren wie CT und MRT mit einer sogenannten Lyse-Therapie begonnen werden, mit deren Hilfe mögliche Gerinnsel auch wieder aufgelöst werden könnten. Bei größeren und hartnäckigen Gefäßverschlüssen bestünde zudem die Möglichkeit, den Patient auch noch an Fachkliniken weiterzugeben, wo mit Katheter-Hilfe versucht würde, die Verschlüsse auch mechanisch aufzulösen.

Risikofaktor Nummer eins ist Bluthochdruck

Über mögliche bleibende Folgen eines Schlaganfalls, über den „kleinen Bruder des Schlaganfalls“ – die Transistorische Ischämische Attacke (TIA), „die man übrigens genau so ernst nehmen sollte wie den Schlaganfall“; spricht Dr. Rinsche im aktuelle „Heimat-Sprechstunde“-Podcast (www.ikz-online.de) ebenso wie über das ganz wichtige Thema der zahlreichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Als unbestrittene Nummer eins dabei gilt unter Fachleuten übrigens der unbemerkte hohe Blutdruck.

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