Parktheater

Beifallssturm für ungewöhnliche Kombination

Enrique Ugarte dirigierte das Philharmonische Orchester Hagen und freute sich, dass Juan José Mosalini bei der „Fiesta con Tango“ dabei war.

Enrique Ugarte dirigierte das Philharmonische Orchester Hagen und freute sich, dass Juan José Mosalini bei der „Fiesta con Tango“ dabei war.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.  Der Akkordeon-Virtuose Enrique Ugarte und der Weltklasse- Bandoneonist Juan José Mosalini begeisterten mit den Hagener Philharmonikern.

Ein ungewöhnliches, wirklich großartiges „Meisterkonzert“ in der gleichnamigen Aboreihe, das seinen Namen mehr als verdiente, erlebten am Samstagabend rund 720 Besucher im Parktheater. Mit dem Akkordeon-Virtuosen Enrique Ugarte, der zugleich das Philharmonische Orchester Hagen dirigierte, und dem Bandoneonisten Juan José Mosalini waren aber auch zwei der weltbesten Musiker ihres Fachs zu Gast und begeisterten bei der „Fiesta con Tango“ das Publikum restlos.

Für den im baskischen Tolosa geborenen und heute in München lebenden Ugarte war es indes bereits die zweite „Fiesta“ mit den Hagenern. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres hatten sie gemeinsam mit der Mischung aus Tango- und Jazz-Klängen in der Stadthalle der Volmestadt für Furore gesorgt. Für die erneute Zusammenarbeit hatte er nun noch seinen aus Argentinien stammenden sehr guten Freund dazu geholt, mit dem er auch schon mehrfach unter anderem gemeinsam mit der NDR-Radiophilharmonie aufgetreten war, und das führte jetzt letztlich auch zu Ugartes zweitem Gastspiel in Iserlohn. 2012 hatte er ebenfalls zusammen mit dem Hagener Orchester und mit Dominique Horwitz mit Chansons von Jacques Brel das Publikum zum Jubeln gebracht.

Daran knüpfte Enrique Ugarte jetzt nahtlos an. Schon beim ersten Stück, Georg Gershwins „Cuban Overture“, war die lateinamerikanische Lebensfreude spürbar. Einige Zuschauer gingen direkt mit, und, anders als wohl die allermeisten Dirigenten, konnte Ugarte nicht anders und tanzte am Pult mit. „Die Musik spricht eben direkt den menschlichen Geist an“, erklärte er später im Gespräch mit der Heimatzeitung, was für ihn und immer mehr Menschen das Faszinierende und Mitreißende an der lateinamerikanischen Musik und speziell dem Tango ausmacht. „Das ist nichts Vorgeplantes, da wird viel improvisiert.“ Wenn dann noch die unterschiedlichen musikalischen Farben eines Orchesters dazu kämen, sei das auch noch mal etwas Besonderes. Und er vermutete nicht zu Unrecht, dass es wahrscheinlich auch seine Art des Spielens auf dem Akkordeon sei, die die Menschen begeistere, so wie es auch am Samstagabend im Parktheater zu erleben war. Die unglaubliche Fingerfertigkeit, mit der der 62-Jährige, der seit seinem vierten Lebensjahr das Instrument spielt und als junger Mann bei einer Weltmeisterschaft in Italien den Vize-Titel errang, der 50 Jahre alten Dallapé bei Astor Piazzollas „Libertango“ ungeahnte Töne entlockt, ist berauschend für Augen und Ohren. Auch bei den Klavier-Soli von Andres Reukauf gehen Ugartes Finger zwischendurch immer mit. Schon nach dem zweiten Stück bricht das erste Mal an diesem Abend ein Jubelsturm im Großen Haus los. Der steigert sich kurz darauf noch mal, als nach einer kleinen Umbaupause, die von Ugarte so humorvoll und unterhaltsam überbrückt wird wie er auch sonst überleitet, Juan José Mosalini bei Astor Piazzollas „Aconcagua“ dazukommt und bevor das von den drei Sätzen sichtlich beeindruckte Publikum in die Pause entlassen wird.

Die ungewöhnliche Kombination der beiden Instrumente mit einem Philharmonischen Orchester hat derweil neben den Abonnenten auch Gäste aus dem weiteren Umland angelockt, wie Christoph Preker aus Werl, der durch einen Hemeraner Arbeitskollegen, der im Förderverein des Parktheaters ist, darauf aufmerksam wurde und seiner aus dem Baskenland stammenden Frau Eva mit den Karten zu Weihnachten eine besondere Freude machte: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen.“ Und während Eva Preker nach der Pause bei „Ume Eder Jazz“, einem baskischen Volkslied, das Ugarte mit Jazz-Klängen arrangierte, sehr aufmerksam zugehört haben dürfte, war das bei Alwine Samp sicher bei „Contrabajeando“ der Fall, dem Stück, das Piazzolla seinem Kontrabassisten Enrique „Kicho“ Diaz gewidmet hat, spielt sie das Instrument doch im Sinfonischen Blasorchester des Musikzuges Ennest in Attendorn, den ihr Mann Ingo dirigiert. Der und auch Leonard (9) bereuten den Ausflug nach Iserlohn jedenfalls auch keine Sekunde. Nach dem tosenden Applaus des Publikums nach Piazzollas „Adiós Nonino“ und vor allem nach Chick Coreas „Spain“ und „La Fiesta“ als Zugaben, als minutenlang im Stehen Beifall gegeben wird, verspricht Ugarte: „Wir sehen uns wieder!“ Und alle Musikfreunde können sich schon jetzt darauf freuen.

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