Musik

Beeindruckende Vielfalt zum Finale

Gerald Garcia, „die Seele des Festivals“, dirigiert das Festival-Ensemble beim Abschlusskonzert.

Gerald Garcia, „die Seele des Festivals“, dirigiert das Festival-Ensemble beim Abschlusskonzert.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.  Das internationale Festival-Orchester begeistert mit Gerald Garcias „Concerto for 4 guitars an Guitar Orchestra“.

Nachdem im letzten Jahr das Abschlusskonzert des Internationalen Gitarren-Festivals in Iserlohn auf Grund einer Veranstaltung auf dem Fritz-Kühn-Platz in das Parktheater ausweichen musste, konnte die Veranstaltung in diesem Jahr wieder in der Oberste Stadtkirche stattfinden und erhielt vom Veranstalter, der Lokalität und den Gegebenheiten angepasst, einen entsprechend umgestalteten Rahmen. Nicht die Präsentation der Gewinner des Wettbewerbs stand, wie im letzten Jahr, im Mittelpunkt des Abends, sondern die ‚normalen‘ Teilnehmer des Festivals wurden gebeten, musikalische Beiträge beizusteuern und damit das Festival abzurunden und zu beschließen. Dies taten sie mit einer beeindruckend vielfältigen und stilistisch sehr breitgefächerten Palette aus der Geschichte und Gegenwart der Gitarrenmusikliteratur.

Immense Bandbreiteder Vortragsstücke

Bereits im ersten Teil wurde diese immense Bandbreite der Vortragsstücke sehr deutlich. Es begann mit Sichen Guo (China) und seinem Beitrag des klassisch-spanischen Komponisten Fernando Sor, führte über einen mit avantgardistischen Akzenten ausgestatteten Vortrag des schwedischen Duos Thomas Gernbeck und Hakan Odeberg (Roland Dyens‚ Niteroi) bis hin zu Eigenkompositionen von Rossini Hayward (Wales) und Yuval Seeberger (Israel).

Die Präsentation der Gewinner der Wettbewerbe in den Klassen der 12- bis 16-Jährigen und der 17- bis 21-Jährigen war bereits am Vortag in der Villigster Akademie erfolgt (die Heimatzeitung berichtete). Das Publikum war, nichtsdestotrotz, sehr gespannt auf das ‚Ausnahmetalent‘ und gleichzeitig Gewinner des Wettbewerbs seiner Altersklasse, den erst 12-jährigen Si Wenjie aus China, der im ersten Abschnitt des Abends den Schlusspunkt setzen sollte. Er hatte die Fantasie Hongroise des romantischen Gitarristen Johann K. Mertz mitgebracht und zog mit diesem Werk, aber in erster Linie durch seine äußerst konzentrierte Haltung und seine spielerisch und gestalterisch bereits unglaubliche „Reife“ ausstrahlende Interpretation, die Zuschauer unmittelbar in ihren Bann und führte zugleich zu einer stürmisch geforderten Zugabe.

Nach der kurzen Pause war es ein Herzensanliegen von Thomas Kirchhoff, nicht nur den vielen Helfern hinter den Kulissen, den Dozenten und Jurymitgliedern und natürlich auch allen Teilnehmern seinen Dank auszusprechen, sondern gerade an diesem Abend seinen langjährigen Freund und gleichzeitig die „Seele des Festivals“, Gerald Garcia, in einer beeindruckend emotionalen Art und Weise („Wenn er kommt, geht die Sonne auf“) besonders hervorzuheben. Und dies nicht nur, weil dieser am darauffolgenden Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert. Auch das Publikum, das Garcias langjähriges Mitwirken am Festival offensichtlich gut einzuschätzen weiß, griff die Intensität des Moments gleich auf und würdigte im Stehen mit brausendem Applaus dessen Leistung, um anschließend ein kräftiges „Happy Birthday“ anzustimmen. Als dann ein Mitglied des Gitarrenorchesters spontan „Here Comes The Sun“ intonierte, schienen nicht nur die anwesenden Musiker und Zuschauer, sondern auch Thomas Kirchhoff und der hinzugeholte Gerald Garcia selbst, tief ergriffen zu sein.

Gitarrenorchester mitMusikern aus 30 Nationen

Eine weitere sehr persönliche Note fügte Gerald Garcia selbst hinzu, in dem er mit dem „Concerto for 4 Guitars and Guitar Orchestra“, zusammen mit dem renommierten Quarteto Senemaya, dem Kontrabassisten Matthias Hacker und einem über 40-köpfigen mit Musikern aus 30 Nationen bestehenden Gitarrenorchester, ein eigenes Werk aufführte, das er im Gedenken an seinen 2011 verstorbenen Vater komponiert hatte und das im Jahre 2013 seine Uraufführung erlebte. Emotion pur!

Das Abschlusskonzert bestach auch im zweiten Teil der von den Seminaristen gestalteten Programmfolge sowohl mit „klassischen Hits“, zum Beispiel Si Chenyu (China) mit „Canarios“ von Gaspar Sanz, als auch mit zeitgenössischen Kompositionen, zum Beispiel Lorik Pylla (Deutschland) mit „Due Canzon Lidie“ von Nuccio D‘Angelo. Folkoloristische Anleihen, so die Vertonung eines japanischen Volksliedes von Birk Arnold (Deutschland) und die sechs Miniaturen vom Balkan von Dusan Bogdanovic, vorgetragen von einer der Preisträgerinnen aus dem Feld der 17-bis 21-Jährigen, Antonia Haslinger (Österreich), vervollständigten eindrucksvoll das Bild der Vielfalt und der Originalität der an diesem Abend gebotenen Beiträge.

Wenn Wettbewerbe zuweilen auch das „Salz in der Suppe“ eines Festivals sein können, so ist die Entscheidung des Veranstalters, die Prämierung der Preisträger und deren Präsentation etwas dezenter im internen Rahmen zu begehen, gerade im Hinblick auf die erfolgte Erweiterung auf jüngere Preisträgerzielgruppen, zu begrüßen. Die persönliche Begegnung über viele Nationen hinweg und die musikalische Weiterbildung in Dozentenkursen auch auf breiter Basis sollten, wie dieser Abend eindrucksvoll unter Beweis stellte, das eigentliche Standbein des Festivalkonzepts bleiben.

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