Stadtleben

Aus der Traum vom Tanzpalast

Christoph Mangelsdorff wollte noch einen neuen Tanzsaal bauen, hat schon damit begonnen, doch jetzt muss er seine Tanzschule schließen.

Christoph Mangelsdorff wollte noch einen neuen Tanzsaal bauen, hat schon damit begonnen, doch jetzt muss er seine Tanzschule schließen.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.  Christoph Mangelsdorff hatte noch viel vor. Jetzt gibt er überraschend das Aus seiner Tanzschule in Iserlohn bekannt.

Wenn Christoph Mangelsdorff Samstagnacht zum letzten Mal den Schlüssel herumdreht und seine Tanzschule schließt, dann wird diese innere Spannung zwischen Trauer und Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit wieder in ihm hochkommen. „Eine Schule, die eigentlich gut läuft, wird so kaputt gemacht“, sagt der Tanzlehrer und Eigentümer und macht den Staat dafür verantwortlich, dass er sein Geschäft an der Karl-Arnold-Straße jetzt schließen muss.

„Es bleibt mir tatsächlich nichts anderes übrig, obwohl wir noch viel Geld für einen zweiten Tanzsaal investiert haben“, sagt der 46-Jährige, der die Tanzschule von seinen Eltern übernommen hatte, der hier schon als Kind seine ersten „Gehversuche“ auf dem Parkett machte, der in diesen Räumen geheiratet und viele große Feiern erlebt hat. Alles vorbei, sagt Christoph Mangelsdorff.

Und er erklärt den Hintergrund: Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) konnte 2015 erreichen, dass Tanzschulen als Aktive im Bereich Jugendförderung ebenso anerkannt werden wie Sportvereine, und Tanzschulen grundsätzlich die Möglichkeit haben, ihre Kurse umsatzsteuerfrei anzubieten. „Dies galt auch rückwirkend bis zum Zeitpunkt der letzten Steuerprüfung – das war bei uns im Jahr 1989.“ So seien tatsächlich auch Steuerrückzahlungen erfolgt, die Mangelsdorff direkt in die Renovierung des alten Gemäuers gesteckt und mit dem Bau eines weiteren Tanzsaals begonnen habe. In der Erwartung weiterer Rückzahlungen habe er zudem einen Kredit für die umfangreiche Renovierung aufgenommen.

„Dann kam 2018 der Knaller“, sagt der ausgebildete Tanzlehrer, der auch als Discjockey unterwegs ist und Silvester wieder im Parktheater auflegt. Der Bundesrat, sagt er, habe diese Regelung relativiert. Seine ganze Rechnung gehe plötzlich nicht mehr auf, im Gegenteil. „Das Geld sei unter falschen Voraussetzungen gezahlt worden und müsse zurückgezahlt werden, ließ mich das Finanzamt wissen. Und das betrifft nicht nur mich, sondern auch viele Kollegen, weshalb der ADTV sich jetzt mit einer Sammelklage an den Europäischen Gerichtshof wendet. Doch mir hilft das nicht mehr“, sagt der desillusionierte Unternehmer.

Mit Mangelsdorff schließt eine Tanzschule mit über 40-jähriger Tradition. Die Eltern Barbara und Egon hatten die Tanzschule vom legendären Bobby Linden übernommen, als sie noch eine Art Benimm-Schmiede war, „in der neben Standardtanz vor allem Standardtanz und Standardtanz gelehrt wurde“, wie Christoph Mangelsdorff scherzt.

Ein Leben für den Tanzund die Show

Viel hat er seitdem hier in „seinem Zuhause“ erlebt. Große Bälle, Lambada und Ententanz, große TV-Auftritte, vierfacher Gewinn der Europameisterschaft mit „Dance4Fans“ („Das haben wir nach Iserlohn gebracht“) und viele andere für Mangelsdorff unvergessene Momente. Ein letzter soll heute folgen, wenn Mangelsdorff zum großen „Show-Tag“ einlädt und noch einmal alles an Licht und Sound auffährt, was die Tanzschule zu bieten hat. „Das wird ein schwerer Abend für mich“, weiß der Tänzer aus Leidenschaft.

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