Stadtleben

Attraktive Stadt dank gewisser Spielregeln

Innenstadt-Gestaltung, öffentliche Bauvorschriften, Innenstadtbereich, Gabriele Bilke, Frank Hofmeister und Jana Mendorf

Innenstadt-Gestaltung, öffentliche Bauvorschriften, Innenstadtbereich, Gabriele Bilke, Frank Hofmeister und Jana Mendorf

Foto: Cornelia Merkel / IKZ

Iserlohn.  Die neue Gestaltungssatzung ist mit vielen Akteuren abgestimmt: „Damit Investoren weiter Geld investieren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Das was wir als Schatz haben, das müssen wir bewahren“, erklärt Gabriele Bilke, Bereichsleiterin für Städtebau im Rathaus. Ein einheitliches, schönes Stadtbild, die Erhaltung und Wiederherstellung der Stadtbildqualitäten der Iserlohner Innenstadt sind das Ziel der aktualisierten Gestaltungssatzung und der neuen Gestaltungsrichtlinien für Sondernutzungen in der City sowie in Letmathe, die jetzt nach einem entsprechenden Ratsbeschluss in Kraft getreten sind.

Was das bedeutet, erläutert Gabriele Bilke gemeinsam mit Jana Mendorf (Städtebauliche Planung und Bauberatung) und Frank Hofmeister, Abteilung Städtebauliche Planung. „Wir haben mit allen Innenstadt-Aktiven zusammen nach Hinweisen gefragt und sind auf breiten Zuspruch gestoßen. Wir sind mit diesen beiden Werken zufrieden und hoffen, auf einem guten Weg zu sein“, unterstreicht Frank Hofmeister. Sie umfassen Fassaden, Dächer, Schaufenster, Fenster und Türen ebenso wie Materialien und Farben sowie Vorgaben für die Werbeanlagen. „Die Regelungen beziehen sich auf die Zukunft, Werbeanlagen wie bei C&A, die seit 30 Jahren in Betrieb sind, genießen Bestandsschutz. Mit diesen Aktualisierungen haben wir einen Fuß in der Tür, wenn es einen Besitzerwechsel gibt“, erläutert Jana Mendorf, erste Ansprechpartnerin für solche Vorhaben.

Das Verständnis ist inder Bevölkerung gewachsen

Frank Hofmeister vergleicht die Umsetzung der Gestaltungssatzung mit einem Marathonlauf. „Wir möchten die Innenstadt mittelfristig so schön gestalten, dass Investoren weiter Geld investieren, um Geld zu verdienen. Jeder Eigentümer muss Lust bekommen, in sein Gebäude zu investieren.“ Gabriele Bilke verweist auf Förderprogramme wie beispielsweise in der südlichen Innenstadt: „Das muss ein Selbstläufer werden, dass der Einzelne investiert, auch wenn er sich reglementiert fühlt, damit die Investitionen jedem Einzelnen zugutekommen. Das Verständnis ist auch gewachsen. Die Leute kennen die Gestaltungssatzung und sehen die Fortschritte.“ Das heiße im Umkehrschluss: „Wir brauchen keine Investoren, die das Stadtbild grundlegend verändern.“ Gabriele Bilke weiß: „Auch Ketten sind gewillt, ihre Werbeanlagen anzupassen.“ Sie zeigt beim Rundgang durch die Wermingser Straße auf die Geschäftslokale von Fielmann und S. Oliver als positive Beispiele für eine Fassadengestaltung, die die den Charakter der vorhandenen Gebäude erhalten und durch moderne, transparente Schaufenstergestaltung aufwerten. „Es werden immer wieder neue kommen, aber die müssen sich ein- und anpassen“, stellt Frank Hofmeister klar.

„Der Wettbewerb Mühlentor ist ein schönes Beispiel, wie man mit Baulücken umgeht und die Struktur der Innenstadt doch erhält“, verweist Gabriele Bilke auf weitere positive Impulse. Und sie kommt auf noch ein weiteres positives Beispiel zu sprechen: „Wenn man sieht, was im früheren Bölling-Haus entsteht, wird es eine gute Lösung.“ Die Großbaustelle lasse jetzt schon erkennen: Die alte kleinteilige Struktur bleibe erhalten.

Die Gestaltungsrichtlinien für Sondernutzungen in der Innenstadt und in Letmathe enthält grobe Vorgaben zu Möblierungen im öffentlichen Raum. „Wir haben uns mit Gewerbetreibenden zusammengesetzt, um ihre Interessen zu berücksichtigen“, berichtet Jana Mendorf.

Außengastronomie bestimmtmaßgeblich die Atmosphäre

Beim Gang zum Marktplatz wird deutlich, was gemeint ist mit den Richtlinien zur Möblierung der Außengastronomie: „Die Außengastronomie bestimmt maßgeblich die Atmosphäre einer Innenstadt und trägt zum positiven Stadtimage bei, sofern die Möblierungselemente harmonisch zusammenpassen und sichtbare Qualität aufweisen.“ Bilke verweist auf die unterschiedlichen Lokale rund um den Marktplatz, angefangen beim Café täglich, hin zum Eiscafé San Remo, rüber zu Hennes, Koch am Markt, zur „Kuhbar“ und zu „Fuchs & Hase“ in der Wasserstraße, die allesamt die empfohlenen Materialien wie Holz, Aluminium, Edelstahl, Rattan und ähnliches verwenden und auch bei Sonnenschirmen, Windschutzwänden und Markisen die Vorgaben in Gestalt, Größe und Material einhalten.

Möglichst frühzeitigeAbstimmung empfohlen

„Dinge, die nicht genehmigt sind, werden untersagt. Es gibt Übergangsfristen für die Sondernutzungserlaubnisse, die der Bereich Sicherheit und Ordnung ausstellt“, erläutert Jana Mendorf. „Wir arbeiten bei der Erlaubniserteilung zusammen.“ Sie verweist auf Übergangsfristen von zwölf bis 24 Monaten, in denen verbotene Gestaltungselemente entfernt sein müssen. „Bevor jemand für seine Außengastronomie neue Möbel anschafft, sollte er sich möglichst frühzeitig mit uns abstimmen. Wir wollen nicht zu viele Vorschriften machen. Wir wollen, dass die Gastronomie lebt. Wir haben eine bunte Vielfalt und bisher für alle einen Weg gefunden.“ Damit verweist sie auf die speziellen Holztische und Bänke der „Kuhbar“ und vor „Fuchs & Hase“. „Wir sind eine bunte Stadt, suchen das Gespräch, haben aber auch gewisse Spielregeln, und dann passt es.“ Zugeklebte Fenster widersprechen den Gestaltungssatzungen, nur ein Drittel dürfte zugeklebt sein.

Angesprochen auf den Schandfleck des früheren Bahnhofshotels, in dem seit Jahrzehnten ein Imbiss beheimatet ist, warnt Gabriele Bilke vor falschen Erwartungen an die Möglichkeiten, den privaten Besitzer dazu zu bewegen, die zugenagelten Fensterpartien aufzuhübschen: „Wir schreiten ein, wenn von der Fassade oder dem Dach Gefahr im Verzug ist, um die Gefahrenabwehr sicherzustellen. Reine Schönheit haben wir nicht zu beurteilen. Erst bei Bauanträgen greift die Satzung sofort.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben