Justiz

Angriff mit Armbrust in Iserlohn: Start der Verhandlungen

Rechtsanwalt Martin Düerkop vertritt den 49-jährigen Angeklagten.

Rechtsanwalt Martin Düerkop vertritt den 49-jährigen Angeklagten.

Foto: Thomas Krumm

Hagen.  Am Landgericht Hagen hat die Verhandlung gegen einen 49-jährigen Iserlohner begonnen, der seinen Nachbarn mit einer Armbrust verletzt haben soll.

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Die Waffe war außergewöhnlich: Mit einer Armbrust soll ein 49-jähriger Iserlohner einen 32-jährigen Nachbarn zunächst bedroht und kurz darauf auch abgedrückt haben. „Ich hatte nur einen Kratzer“, erklärte das Opfer der Attacke im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hagen. Denn die Staatsanwaltschaft hat den Angriff aufgrund der immensen Gefährlichkeit als ein versuchtes Tötungsdelikt angeklagt: Der 49-Jährige habe „versucht einen Menschen zu töten, ohne ein Mörder zu sein“, leitete Staatsanwalt Nils Warmbold die Verlesung der Anklage wegen versuchten Totschlags, Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung ein.

Erheblich gewöhnlicher als die Waffe waren die Begleitumstände der Tat: Der Angeklagte müsse auch damit rechnen, in einer Entziehungsanstalt untergebracht zu werden, erklärte ihm die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen. Denn zum Zeitpunkt der Tat am Vorabend von Silvester 2018 soll der von Rechtsanwalt Martin Düerkop vertretene 49-Jährige einen ganzen Cocktail von Drogen und Alkohol im Blut gehabt haben. Dass er zu dem Vorwurf zunächst schwieg, überraschte deshalb nicht: Möglicherweise kann er sich tatsächlich nicht an den Streit und den gefährlichen Schuss auf seinen Nachbarn erinnern.

Aussage des Opfers bestätigt die Anklage

Der 32-Jährige redete zwar zu schnell und zu undeutlich, aber es wurde dennoch klar, dass seine Aussage die Anklage bestätigte. Randale habe es schon zuvor im Haus gegeben, berichtete er. Dann habe ihm der 49-Jährige plötzlich die Armbrust in geringer Entfernung vor den Kopf gehalten. „Ich war nicht davon ausgegangen, dass da schon ein Pfeil drauf lag“, erinnerte sich der Zeuge. Mit einer Bierflasche habe er die Waffe beiseite geschlagen, und zunächst habe sich der Angreifer entfernt.

Doch dabei blieb es nicht: „Dann ist er noch einmal wiedergekommen.“ Und kurz darauf zischte ein Pfeil so knapp am Hals des 32-Jährigen entlang, dass dieser glücklicherweise nur einen kleinen Kratzer abbekam. „Es ging wirklich um nichts“, versicherte der Zeuge und nahm Stellung zu einem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen.

Demnach sollte es Streit um die Nutzung der gemeinsamen Haus-Waschmaschine gegeben haben. Doch dieses Problem war offenbar nur ein Detail in einem umfassenderen Streit: „Es gab von vorne bis hinten Randale“, erklärte der Zeuge. „Er hat mich auf’s Heftigste beleidigt, und dann ging es auch um die Waschmaschine.“

Dass der Angeklagte diese Ausführungen über den 30. Dezember 2018 in einer Iserlohner Wohnung mit einem fast seligen Lächeln begleitete, trug zu dem Eindruck bei, dass er tatsächlich keine Erinnerungen mehr an einen Abend hatte, in dessen Verlauf sich die nachbarschaftliche Verbundenheit umfassend aufgelöst hatte.

Ob es bei der Anklage wegen versuchten Totschlags bleibt, müssen letztlich die fünf Richter der Schwurgerichtskammer entscheiden. Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz verfolgt den Prozess aus psychiatrischer Sicht, um zur Schuldfähigkeit des Angeklagten und zu den Chancen der möglichen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt Stellung zu nehmen.

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