Jochen F. Kirchhoff

Achtung und Wertschätzung aller Menschen

Musik nahm bei dem Gedenkgottesdienst in der Obersten Stadtkirche einen großen Raum ein. Hier spielt Moritz Ter Nedden die Chaconne von Bach, die sich der Geiger Jochen F. Kirchhoff selbst gewünscht hatte.

Musik nahm bei dem Gedenkgottesdienst in der Obersten Stadtkirche einen großen Raum ein. Hier spielt Moritz Ter Nedden die Chaconne von Bach, die sich der Geiger Jochen F. Kirchhoff selbst gewünscht hatte.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Mehr als 900 Menschen nehmen in der Obersten Stadtkirche und der Bauernkirche Abschied von Dr. Jochen F. Kirchhoff.

Allein mit unternehmerischem Erfolg und herausragendem Engagement in den Spitzenverbänden ist so etwas sicherlich nicht zu erklären. Dr. Jochen F. Kirchhoff war offenbar sehr viel mehr. Ein Menschenfreund, ein Vorbild in jeder Hinsicht, eine Ausnahmeerscheinung, ein Sport- und Kulturförderer und vor allem jemand, der sich für das Gemeinwohl einsetzt, der jeden Menschen wertschätzt und bei allem Erfolg immer bescheiden geblieben ist. Und so wurde die gestrige Trauerfeier zu seinem Tod zu dem wohl größten und eindrucksvollsten Abschied, den Iserlohn bisher genommen hat.

Schon auf dem Weg zur Obersten Stadtkirche war klar, dass das kein normaler Tag für Iserlohn werden würde, und dieser Abschied kein alltäglicher. Am 18. Dezember ist Dr. Jochen F. Kirchhoff im Alter von 92 Jahren gestorben. Zwei Tage später wurde er im Kreise der Familie auf dem Iserlohner Hauptfriedhof bestattet. Nun folgte die Trauerfeier, und dazu strömten Hunderte von Trauergästen zu den beiden evangelischen Kirchen. Aufgrund des großen Andrangs wurde die Gedenkfeier in der Obersten Stadtkirche auch in die Bauernkirche auf eine Leinwand übertragen. Beide Kirchen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr als 900 Gäste waren gekommen. Viele mussten an der Obersten Stadtkirche abgewiesen werden, weil kein Platz mehr war.

Das, was die meisten dieser Trauergäste empfunden haben, hat Pfarrer Jürgen Löprich in seiner Predigt so ausgedrückt: Der Verstorbene habe die Überzeugung gehabt, dass er mit seinen Leistungen von Gott beschenkt worden sei. Und dieses Geschenk habe er an andere weitergegeben. „Wir sind beschenkt worden von diesem Menschen. Er hat unser Leben reicher gemacht.“

Im Mittelpunkt der Trauerfeier stand die Ansprache von Johannes F. Kirchhoff, dem zweiten von vier Kindern des Verstorbenen, der einen eindrücklichen und auch emotionalen Blick auf das Leben seines Vaters warf. Geprägt habe ihn der Krieg. Als Jahrgang 1927 sei er mit 16 Jahren eingezogen worden, habe zwei Brüder verloren und sei schließlich selbst in Gefangenschaft geraten. Er sei 1945 auch unter Tage gewesen und habe körperliche Arbeit kennengelernt. „Das hat ihn gelehrt, die Arbeit und die Menschen zu achten und wertzuschätzen.“

Und diese Haltung habe er auch an seine Kinder weitergegeben. Er habe sie von klein auf ernst genommen und ihnen beigebracht: Füllt man das Leben mit Angst und Furcht, bleibt es klein und unbedeutend, füllt man es mit Liebe und Leidenschaft, wird es groß und nachhaltig. „Seine Liebe und seine Leidenschaft sind noch heute zu spüren.“ Und mehr noch. Er habe ihnen Sportgeist und Siegeswillen beigebracht – kein Ski-Urlaub ohne Stoppuhr. Musikalische Erziehung sei ihm wichtig gewesen, er habe sie harte Arbeit, aber auch ausgelassene Fröhlichkeit und das Feiern gelehrt, den Mut, Neues zu wagen, aber auch Bescheidenheit („Exponiertes Verhalten hat er nicht geduldet“) und immer wieder die Wertschätzung aller Menschen. „Er war ein großartiger Vater und Großvater.“ Was auch in den Fürbitten der 13 Enkel zu spüren war, die mit ihrem Dank an ihren „Opi“ für einen sehr emotionalen Moment sorgten.

Daneben kam gestern bei dem fast zweistündigen Gedenkgottesdienst vor allem die Musik zu Wort, denn Dr. Jochen F. Kirchhoff war ein großer Musikkenner und –liebhaber, der selbst gerne und gut Geige spielte und – wie Johannes F. Kirchhoff sagte – aus der klassischen Musik viel Kraft und Inspiration zog. Das Programm war hochkarätig. Ein besondere Moment war sicherlich der himmlisch schöne Choral „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ von Mendelssohn, gesungen vom Märkischen Motettenkreis. Ebenso wie das „Adagio for Strings“ von Samuel Barber – ein langer, Musik gewordener Weg empor zum Licht mit einem friedlichen Nachhall, wunderbar musiziert vom Folkwang-Kammerorchester Essen.

Hunderte Meter langer Trauerzug zur Schauburg

Dazu gab es viel vom Lieblingskomponisten des Verstorbenen: Bach. Dale Kavanagh trug eine Sarabande auf der Gitarre vor, Hanns-Peter Springer steuerte große Orgelwerke bei, und für den Geiger Jochen F. Kirchhoff erklang die berühmte Chaconne, die er sich selbst schon vor 20 Jahren für seine eigene Beerdigung gewünscht hatte, wie der Gitarrist und Neffe von Jochen F. Kirchhoff, Thomas Kirchhoff, der das Programm zusammengestellt hatte, sagte.

Nach dem Gottesdienst zog sich der hunderte Meter lange Trauerzug von den Kirchen zum Goldsaal der Schauburg, zu einem festlichen Empfang, an dem neben NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart viele weitere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Gesellschaft teilnahmen, um sich an den herausragenden Menschen Dr. Jochen F. Kirchhoff zu erinnern.

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