Wirtschaft

35 Prozent halten Auftragslage für schlecht

Bericht zur Lage: Horst-Werner Maier-Hunke (Mi.) und Özgür Gökce (re.) stellen die Konjunkturumfrage vor.

Bericht zur Lage: Horst-Werner Maier-Hunke (Mi.) und Özgür Gökce (re.) stellen die Konjunkturumfrage vor.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Eine aktuelle Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes zeugt von einer wachsenden Skepsis bei den Mitgliedsbetrieben.

„Die Rezession ist da.“ Mit diesen vier Worten beginnt die Pressemitteilung des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) zu seiner aktuellen Konjunkturumfrage 2019/2020, an der 130 Unternehmen mit rund 18.000 Beschäftigen teilgenommen haben, nach MAV-Angaben überwiegend Betriebe aus der Metall- und Elektro-Industrie und zuliefernden Branchen. MAV-Vorsitzender Horst-Werner Maier-Hunke sagte aber auch, dass der deutschen Wirtschaft für 2020 ja immerhin noch ein Wachstum von 0,6 Prozent prognostiziert werde. Ein kleines Wachstum, aber immerhin.

Andererseits stehe man auch auf einer Leiter, auf der es schnell bergab gehen könne. Konjunkturelle Einflüsse, etwa in Form von Krisenherden, so Maier-Hunke, würden heute schneller durchschlagen, als früher. Das sei auch spürbar. Zwar verhindere die Nachfrage durch Konsum bisweilen noch schlechtere Zahlen, das sei bezogen auf die wirtschaftliche Entwicklung aber auch kein wirklich stabilisierender Faktor. Vor dem Hintergrund der Exportabhängigkeit hält der MAV-Vorsitzende ein anhaltend hausgemachtes Wirtschaftswachstum für wenig wahrscheinlich. Dazu seien Abhängigkeiten zu groß: „Wenn China nicht wächst, wachsen wir auch nicht.“

Zur Umfrage: MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce teilte mit, dass 22 Prozent der befragten Unternehmen im ersten Halbjahr 2020 mit der Einführung von Kurzarbeit rechnen würden, weitere 14 Prozent hätten bereits für das zweite Halbjahr Kurzarbeit angemeldet. Und auch der Anteil der Unternehmen, die Entlassungen planen würden, nehme zu.

Dass die aktuelle Konjunkturumfrage die „Wirtschaftskrise“ widerspiegele, werde besonders deutlich bei der Frage nach der aktuellen Geschäftslage. Waren es zum Jahreswechsel 2018/2019 nur fünf Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen, die ihre Auftragslage als schlecht bezeichnet haben, seien es nunmehr 35 Prozent. Damit liege die deutlichste Verschlechterung dieser Kennzahl seit Jahren vor. Und immerhin 31 Prozent – Tendenz ebenfalls steigend – rechnen laut Umfrage mit einer weiteren Verschlechterung.

Verband hofft aufmoderaten Tarifabschluss

Und zur Ertragssituation: Im Verbandsgebiet, so der Bericht zur Umfrage, sei der Anteil der Unternehmen mit aktuell schlechter Ertragslage deutlich von 15 auf 38 Prozent gestiegen. Nur noch 15 Prozent würden von einer guten Ertragslage sprechen. „Lediglich elf Prozent gehen von einer Verbesserung im Jahr 2020 aus, 30 Prozent erwarten noch eine weitere Verschlechterung“, heißt es.

Vor diesem Hintergrund sprach MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce auch von der Notwendigkeit eines moderaten Tarifabschlusses. Bedenklich sei auch, dass durch sinkende Erträge wichtige Investitionsmittel für notwendige Transformationsprozesse fehlen würden, Stichwort Digitalisierung.

MAV-Vorsitzender Horst-Werner Maier-Hunke sieht auch reichlich Gründe für wachsende Skepsis. So rechnet er persönlich mit einem harten Brexit ohne nennenswerte Abfederungen. Er sieht eine inzwischen verschlechterte Position des Maschinenbaus, da verfüge beispielsweise China längst auch über eigene gute Produkte und er spricht von einer weiter schwieriger werdenden Situation bei den Automobilzulieferern in der Region. Maier-Hunke warnt aber auch vor übertriebenem Pessimismus. Unternehmer seien sehr schnell kritisch eingestellt, sobald irgendwo etwas wackelt. Ein solches Verhalten liege vielleicht auch in der Seele des Kaufmanns. Das Instrument der Kurzarbeit bezeichnet der MAV-Vorsitzende auch jetzt als ein wichtiges Instrument, das „hat uns 2009 den Hals gerettet“. Einige Unternehmen hätten bislang noch nicht darauf zurückgreifen müssen, weil zunächst Überstunden-Konten abgebaut würden.

Lobend hob Maier-Hunke hervor, dass es in der Region weiterhin eine gute Ausbildungsquote gebe. Diese Aussage wird auch durch die Umfrage gestützt. Demnach werden 72 Prozent der Betriebe 2020 an ihrer Ausbildungsquote festhalten. Die Industrie wisse um die anstehenden Zukunftsherausforderungen, heißt es dazu, man könne mittelfristig nicht auf Fachkräfte verzichten. Horst-Werner Maier-Hunke fordert bei der Ausbildung auch Anstrengungen für den ländlichen Raum. Es könne nicht sein, dass eine Ausbildung daran scheitere, weil ein Auszubildender den Weg zur Ausbildungsstelle nicht zumutbar bewältigen könne. Er kündigte zwei Pilotprojekte im Verbandsbereich an.

Neben Arbeitsrecht weitereTätigkeitsfelder ausbauen

Die Wirtschaft ist im Wandel, eigentlich immer, mal mehr, mal weniger. Weiterentwickeln, so der MAV-Vorsitzende, müsse sich daher auch der Unternehmensverband selber. Für ihn sind demnach die Zeiten vorbei, wo man sich schwerpunktmäßig auf die arbeitsrechtliche Begleitung von Mitgliedsunternehmen konzentriert habe. Die Beratung von Unternehmen, Kooperationen mit Schulen, Mitarbeiter-Gesundheit und einiges mehr seien Felder, die ausgebaut werden müssten. „Der Verband muss auch Dinge tun, die beiden Seiten nutzen“, so Maier-Hunke.

Auch grundsätzliche Gedanken zur Wirtschaft treiben den MAV-Vorsitzenden durchaus um. Wenn Menschen zwei Arbeitsplätze zum Lebensunterhalt bräuchten, sei das politisch eigentlich nicht tragbar. Maier-Hunke bezeichnete die Zweiteilung des Arbeitsmarktes daher als großen Fehler. Und: Digitalisierung biete auch die Chance, ins Ausland ausgelagerte Produktionen wieder nach Deutschland zurückzuholen. Nämlich dann, wenn durch einen modernen Produktionsprozess der Lohnkostenanteil an einem Produkt gesunken sei.

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