Prozess

Zeugin mit schweren Vorwürfen im Herner Stalker-Prozess

Der Prozess gegen den Herner Stalker findet am Landgericht in Bochum statt.

Der Prozess gegen den Herner Stalker findet am Landgericht in Bochum statt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Herne/Bochum.  Im Prozess gegen einen Herner Stalker, der seine Ex-Freundin in den Tod getrieben haben soll, hat die ehemalige Ehefrau schwere Vorwürfe erhoben.

Mit der Vernehmung seiner ehemaligen Ehefrau ist am Montag der Prozess gegen den Vater aus Röhlinghausen fortgesetzt worden. Der Mann soll seine frühere Lebensgefährtin (49) im Juni 2018 durch Psychoterror in den Tod getrieben haben.

Gleich beim ersten Satz der Aussage brachte die Zeugin (46) vor dem Bochumer Schwurgericht ihre ganze Verachtung über ihren Ex-Mann zum Ausdruck: „Ich kenne keinen Menschen, der schlimmer ist, als er.“ Bereits kurz nach dem Kennenlernen an Silvester 1996/97 im Vereinsheim eines Sportplatzes in Röhlinghausen habe der Angeklagte, der wegen seiner Vorliebe für dunkle, hochprozentige Spirituosen den Spitznamen „Brauner“ gehabt habe, „ganz schnell sein wahres Gesicht gezeigt“, berichtete die Ex-Frau.

Der Mann soll an Wochenende exzessiv Alkohol getrunken haben

„Er wurde sehr schnell aggressiv und jähzornig, immer wenn er Alkohol getrunken hatte“, so die Zeugin weiter. Und getrunken habe der heute 50-Jährige damals vor allem an den Wochenenden „exzessiv“. In Serie, so berichtete die Zeugin, sei sie Opfer von hässlichen Gewaltattacken und Bedrohungen („Ich besorge mir eine 45er und ballere Dir die Birne weg“) geworden. Mal habe ihr der heute 50-Jährige durch einen brutalen Faustschlag die Nase zertrümmert, mal sogar einen Draht in den Augapfel gedrückt. „Er hat mich immer wieder geschlagen, teilweise auch die Wohnung verwüstet. Bei uns hat sich die Polizei die Klinke in die Hand gegeben“, so die Ex-Frau.

Nach zweieinhalb Jahren Ehe habe sie im Jahr 2000 die Scheidung vollzogen. Ausschlaggebend für die Trennung sei letztlich gewesen, dass sich der Angeklagte gewalttätig gegenüber der damals noch kleinen, gemeinsamen Tochter gezeigt hätte. „Ich hatte davor schon zweimal die Scheidung eingereicht, aber zweimal wieder eingefroren. Aber beim dritten Mal habe ich gesagt, jetzt ist Schluss.“ Auch nach der Trennung und dem Umzug von Röhlinghausen ins benachbarte Gelsenkirchen soll der Angeklagte seine Ex-Frau noch bedrängt und belästigt haben. „Es hat gar nicht lange gedauert, da ging schon das erste Mal das Telefon“, erinnerte sich die Zeugin. Kurz danach habe er tatsächlich bei ihr vor der Tür gestanden. „Ich kann mir bis heute nicht erklären, woher er damals wusste, wo ich wohne.“

Ex-Partnerin hatte sich 2018 das Leben genommen

Laut Anklage (Nachstellung mit Todesfolge) hat der Mann ab Mitte Juli 2017 auch seiner Ex-Partnerin aus Wanne-Eickel das Leben zur Hölle gemacht. Die seit 2010 an Depressionen erkrankte Frau hatte sich am 27. Juni 2018 mit einer Überdosis Tabletten das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief hatte die 49-Jährige den unerträglichen Psychoterror des Angeklagten als Grund für den Suizid angegeben. Der Angeklagte sitzt seit dem 22. November 2018 in U-Haft. Bei einer Verurteilung nach Anklage drohen dem einschlägig vorbestraften Stalker bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess wird fortgesetzt.

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