NS-Zeit

Zeitzeugen aus der NS-Zeit werden immer weniger

Im Rahmen der Veranstaltung „Auschwitz-war da was?“ diskutierten Alt-OB Horst Schiereck, Schüler und Pädagogen über Erinnerungskultur in der Schule.

Foto: Jan Woitas, dpa

Im Rahmen der Veranstaltung „Auschwitz-war da was?“ diskutierten Alt-OB Horst Schiereck, Schüler und Pädagogen über Erinnerungskultur in der Schule. Foto: Jan Woitas, dpa

Herne.   Alt-Oberbürgermeister Horst Schiereck, Herner Schüler und Pädagogen diskutierten darüber, wie die NS-Zeit im Unterricht behandelt werden soll.

„Auschwitz - war da was?“ Zu dieser Frage hat die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung am Mittwoch einen Diskussionsabend im Bürgersaal der Akademie Mont-Cenis organisiert. Am Gespräch nahm der ehemalige Oberbürgermeister und Lehrer Horst Schiereck teil.

Den Tisch teilte er mit Geschichtsdoktorandin Lena Behrendt, Schülerin Paula Bulitta und dem Lehrer Benjamin Grabowski, der regelmäßig mit Schülern Gedenkstätten besucht. Die vier Gäste führten ein offenes 90-minütiges Gespräch mit rund 25 Bürgern.

„In der zehnten Klasse haben wir sehr oberflächlich die NS-Zeit angekratzt“, erzählt Paula Bulitta, die die Realschule an der Burg besucht. „Anstatt Skireisen zu machen, halte ich es für sinnvoll, ein Lager zu besuchen“, sagt sie. „So kann man besser verstehen, wie es wirklich war“, ergänzt aus dem Publikum ihre Mitschülerin Svenja Heimann.

Schiereck und Benjamin Grabowski sehen KZ-Besuche eher differenziert. „Das muss auf keinen Fall verpflichtend sein, sondern von Eltern und Lehrern einzeln abgesprochen werden“, so Schiereck. Ein Besuch berühre ja außerdem auch nicht alle, ergänzt Grabowski. Problematisch finden beide mit Geschichtsdoktorandin Lena Behrendt, dass Zeitzeugen aussterben und die Jugend nicht unbedingt einen biologischen Bezug zu dieser Zeit habe.

Relevanz für die heutige Jugend

„Das Ganze ist ja zu weit weg. Einige meiner Mitschüler machen sich sogar über die NS-Zeit lustig“, erzählt Heimann. Gerade die Relevanz für das Leben und die Zukunft der jungen Menschen findet Geschichtsdoktorandin Behrendt bedeutsam. Es gehe nicht darum, dass Schüler etwas auswendig lernten, sondern dass sie verständen, wie es dazu gekommen sei, so Behrendt.

Was alle Diskussionspartner verbindet, ist das Bedürfnis, Geschichte im Unterricht möglichst greifbar zu machen. „Geschichte ist abstrakt. Der Lehrer kann die Schüler mit einzelnen Menschengeschichten packen“, sagt Grabowski. Das erzeuge eine andere Betroffenheit, ergänzt aus dem Publikum eine Lehrerin am Emschertal-Berufskolleg. Doch die nicht ausreichenden Mittel für Bildung vom Land und der Mangel an Stunden verhinderten es, den Unterricht lebendig zu gestalten, sagt Schiereck.

„Zu hohe Erwartungen seitens der Gesellschaft“

„Die Gesellschaft hat zu hohe Erwartungen und Anforderungen an den Geschichtsunterricht“, so Grabowski. Auch andere Fächer wie Politik seien für Aufklärung geeignet, ergänzt er. Zu der Anregung der Bürger, dass die NS-Zeit viel ausführlicher behandelt werden müsste, antwortet Grabowski: „Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, Geschichte kritisch zu vermitteln und nicht darin, Themen in Vordergrund zu rücken“.

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