Mobilität

Verkehrswende: Herne plant Rückbau von Hauptverkehrsstraße

Zwei statt vier Spuren: Die zurückgebaute Hauptverkehrsstraße würde mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger bieten.

Zwei statt vier Spuren: Die zurückgebaute Hauptverkehrsstraße würde mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger bieten.

Foto: P3 Agentur / IGS mbH

Herne.  Die Stadt plant, eine vierspurige Hauptverkehrsstraße zurückzubauen, um Radlern und Fußgängern mehr Raum zu geben. Um diese Straße geht es.

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Die Verkehrswende ist bisher in Herne trotz vieler Beschlüsse, Konzepte und Absichtserklärungen nur ein Wort. Das könnte sich bald ändern. Für Herne-Mitte zeichnet sich nun ein Projekt ab, mit dem die Stadt ein deutliches Signal für die Stärkung von Radfahrern und Fußgängern zu Lasten von Autofahrern setzen würde.

Einen Abschnitt der Sodinger Straße bzw. Holsterhauser Straße hat die Verwaltung für einen Rückbau von aktuell vier auf zwei Fahrspuren ins Auge gefasst. Konkrete Pläne oder gar Beschlüsse gibt es dafür noch nicht, doch die Vorstellung dieser Vision in einer gemeinsamen Sondersitzung von Planungs- und Umweltausschuss stieß in der Politik auf Zustimmung. Und Hernes Chefplaner lässt auch keinen Zweifel am Ziel: „Wir müssen den Verkehrsraum neu verteilen“, so Achim Wixforth, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtplanung.

Workshop für „Neue Mobilität“

Erste Pläne für eine „Transformation“ der Sodinger Straße zwischen Berliner Platz und Hermann-Löns-Straße sind beim Workshop „Neue Mobilität in Herne“ - die Nachfolgeveranstaltung des Umwelttages - entwickelt worden. Unter Leitung von Michael Vieten vom Büro IGS ist der Straßenraum auf dem Reißbrett neu verteilt worden.

Die Ist-Situation - viel Raum für den Individualverkehr, wenig Raum für Radler und Fußgänger - müsse umgekehrt werden, um die Lebensqualität zu erhöhen, so der Tenor. In der im Workshop entwickelten Vision sieht das so aus: Statt vier gibt es nur zwei Fahrspuren. Der zusätzliche Platz wird für drei Meter breite Radfahrstreifen, großzügige Gehwege, mehr Grün sowie einen „Multifunktionsstreifen“ unter anderem für Busse genutzt.

Ulrich Syberg (SPD) steht hinter den Plänen

„Wir stehen vor einem Epochenwandel“, sagte Franz Linder (Planerbüro Südstadt) in der Sondersitzung. Viele Städte hätten längst reagiert, indem sie vierspurige Straßen zurückbauten - zum Beispiel Köln: „In der ersten Phase gab es Proteste, heute ist das dort kein Diskussionsthema mehr“, so Linder. Sein Appell an die Herner Verantwortlichen: „Wenn Sie experimentieren, brauchen Sie einen langem Atem.“ Anfangs gebe es viele Widerstände.

Eine konsequente Verkehrswende fordert auch der Planungsausschussvorsitzende Ulrich Syberg. Im Gespräch mit der WAZ stellt sich der SPD-Ratsherr hinter die Überlegungen für die Sodinger Straße. „Der Ball liegt im Spiel. Nun müssen wir ihn ins Tor schießen“, sagt Syberg, der auch Bundesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen-Fahrradclubs ist. Dafür bräuchte es mutige Politiker und Verkehrsplaner. Es müsse Schluss sein mit dem Vorrang fürs Auto. Das dürfe aber nicht „von oben“ angeordnet werden. Sondern: „Wir müssen die Menschen mitnehmen, sie überzeugen und ihnen Alternativen anbieten.“

Bochumer Straße könnte einbezogen werden

Wie geht es nun konkret weiter? Planungsdezernent Karlheinz Friedrichs kündigte an, an die Workshop-Ergebnisse anknüpfen zu wollen und konkrete Untersuchungen - zum Beispiel über die Leistungsfähigkeit einer zweispurigen Sodinger Straße, über Verkehrsströme und Rettungswege - einzuleiten. Und auch die Bürger würden natürlich einbezogen, so der Dezernent.

Die Stadt könne sich die - im Workshop ebenfalls bereits angedachte - Einbeziehung des oberen Teils der Bochumer Straße in die Rückbaupläne vorstellen. Auch wenn die Bochumer Straße anders als die Sodinger Straße nicht im Stadtumbaugebiet Herne-Mitte liege, sehe er sehe Chancen, dafür Fördermittel zu bekommen, so Friedrichs.

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