Interview am Samstag

UPS-Personaldirektorin packt auch schon mal selbst mit an

Britta Weber ist Personaldirektorin von UPS Deutschland.

Britta Weber ist Personaldirektorin von UPS Deutschland.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Wie sie als Frau in der Männerdomäne Logistik Fuß gefasst hat, hat UPS-Personaldirektorin Britta Weber der WAZ beim Besuch in Herne erzählt.

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Britta Weber ist seit drei Jahren Personaldirektorin bei UPS-Deutschland in Neuss. Bei einem Besuch in Herne moderierte sie in dieser Woche eine Diskussionsrunde mit Profifußballerinnen zum Thema „Männerdomäne: Starke Frauen in der Logistik und im Fußball“. Die 35-Jährige erzählt im Interview mit WAZ-Mitarbeiterin Jennifer Humpfle, warum man als Frau keine Scheu haben sollte, in einer Männerdomäne zu arbeiten und warum die Logistik ein Beruf mit viel Herz ist.

Frauen in ihrer Position gibt es nicht allzu häufig. Wie konnten Sie sich in dieser Männerdomäne durchsetzen?

Ich bin verantwortlich für nahezu 80 Niederlassungen und damit für rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Das ist eine Tätigkeit, die einem nicht in den Schoß fällt. Von Unternehmensseite war es aber immer eher eine Zurückhaltung im Hinblick auf mein Alter und nicht auf mein Geschlecht. Vorstandsmitglied wird man selten mit 32 und ich war davor schon Personaldirektorin für Osteuropa.

Welche Bedenken hatte UPS?

Dass man einen Höhenflug bekommt, wenn man so jung eine solche Position übernimmt. Am Ende des Tages sind wir eine Trucker-Company. Da ist es wichtig, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen. Da gehört auch dazu, dass man am Kaffeeautomaten steht und der LKW-Fahrer sagt: „Weißt du was Mädel, ich geb‘ dir heute deinen Kaffee aus, blond und süß.“ Wenn man da nicht drüber lachen kann, wäre es in unserer Branche schwierig.

Gab es Hürden, die Frauen nehmen müssen, Männer aber nicht?

Ich glaube, dass man anders beäugt wird. Wir haben eine Frauenquote von leicht unter 15 Prozent, eher in den Stabsabteilungen als in den Operationen. Die Erwartungshaltung ist, dass ich das kann, was die Männer können: einen Container be- und entladen und eine Tour fahren. Entscheidender ist aber das Netzwerk.

Was meinen Sie?

Wenn Sie ein Mann in vergleichbarer Position sind, haben Sie genügend andere Männer in vergleichbaren Positionen. Man findet einen anderen Austausch. Frauennetzwerke müssen stärker wachsen, aber nicht zwangsläufig nur aus Frauen bestehen. Natürlich hat man von Frau zu Frau andere Themen. Manchmal packt einen das schlechte Gewissen, weil wir immer noch ein bisschen in der klassischen Rollenverteilung hängen. Da fragt man sich, investiere ich zu viel in den Job?

UPS hat ein eigenes Netzwerk für Frauen?

Wir haben 2011 das Women’s Leadership Developement (WD) gestartet. Die Gruppe wird von motivierten Frauen aus dem Unternehmen geleitet. Ich versuche mich da zurückzuhalten. Ich stehe immer zur Verfügung, wenn sie mal jemanden brauchen, aber ich möchte, dass es die Handschrift von unseren Frauen trägt und nicht meine. In Planung ist eine Zusatzgruppe für arbeitende Eltern.

Wer hat Ihnen geholfen?

Ich hatte eine amerikanische Kollegin, mit der ich mich sehr gut verstanden habe. Sie war ein Mix aus Vorgesetzter und großer Schwester. Ich habe mich aber bei UPS auch nie so verloren gefühlt, weil wir eine Mentalität der offenen Tür haben.

Warum braucht es mehr Frauen in den Führungsetagen?

Ich glaube, dass es für die Ideenfindung eine große Relevanz hat. Ich würde aber eher sagen, warum brauchen wir mehr Menschen, die unterschiedlich denken. Ich habe das kulturell sehr stark in meiner Zeit in Osteuropa erfahren dürfen, was das ausmacht. Ideal ist eine gesunde Mischung aus Frauen, Menschen, die international unterwegs waren, und Menschen aus anderen Ländern, in die jeder seine Ideen einbringen kann.

Rekrutieren Sie auch Facharbeiter in Herne?

Herne ist unser drittgrößter Standort in Deutschland und hat für uns eine immense Bedeutung. Aktuell haben wir fast 1500 Mitarbeiter, viele mit einer langen Betriebszugehörigkeit. Aber es ist auch ein stark wachsender Standort, an dem wir hohe Paketvolumina umschlagen und dementsprechend neue Arbeitsplätze schaffen.https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/ups-baut-seinen-standort-in-herne-fuer-72-millionen-euro-aus-id11621715.html

Was tut UPS, um Frauen zu werben?

Wir bieten in Herne das Management-Trainee-Programm an. Das ist ein schöner Seiteneinstieg speziell für Frauen, die eine Tätigkeit als Paketzusteller gar nicht als Option für sich wahrnehmen. Das Programm dauert 18 Monate und es werden alle Arbeitsbereiche durchlaufen, mit der Perspektive als Einsatzleiter zu arbeiten. Unser Standort hier ist wie eine große Familie. Deswegen bin ich so gerne hier. Manche wechseln aber auch nach dem Weihnachtsgeschäft in die Zustellung.

Wie ist das zu verstehen?

In der Weihnachtszeit hilft der gesamte Vertrieb mit. Viele stellen morgens Express-Sendungen zu. Es ist eine jährlich wiederkehrende Routine. Manchen gefällt es so gut, dass sie nach der Zeit fragen, ob es eine Möglichkeit zum Wechseln gibt. Andere Mitarbeiter aus den Stabsabteilungen fahren als Helfer bei einem Zusteller mit oder unterstützen in der Sortierung.

Fassen Sie auch selber mit an?

Ich habe meine Sicherheitsschuhe immer im Auto. Letzte Woche habe ich einen halben Tag zugestellt, sehr zur Freude meines Kollegen auf der Nachbartour. (lacht) Wenn Sie einmal im Jahr aus ihrem regulären Trott rauskommen, ist das eine schöne Erfahrung. Nächste Woche kommt der Endspurt, da werde ich schon jeden Tag die Arbeitshandschuhe für zwei, drei Stunden schwingen.

Fördern Sie aktiv Frauen im Unternehmen?

Ich möchte nicht nur die Frauenquote sein. Ich möchte das auch nicht für eine unserer Mitarbeiterinnen. Wir haben so viele tolle, hochqualifizierte Frauen im Unternehmen, die den Wettbewerb mit all ihren männlichen Kollegen locker und selbstbewusst aufnehmen können. Wichtig ist, dass die Einstiegspositionen einen ausgewogenen Frauenanteil haben, damit genug Kandidaten ins Rennen gehen. Die Rennstrecke sollte jeder für sich absolvieren.

Warum ist die Logistik für Frauen interessant?

Es ist sehr abwechslungsreich. Unsere Mitarbeiter sind extrem gut ausgebildet, haben Studienabschlüsse und haben den Vorteil, nicht den ganzen Tag hinterm Schreibtisch sitzen zu müssen. In der Logistik ist kein Tag wie der andere. Das macht es reizvoll. Außerdem hat der Job mehr Herz, als man erwarten würde.https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/ups-herne-schenkt-kita-kindern-einzigartiges-tretauto-id227846583.html

Wie meinen Sie das?

Wann immer ich in der Halle stehe, überlege ich, was ist in den Paketen drin und warum ist es wichtig, dass es ankommt und wem zaubert man damit ein Lächeln ins Gesicht? Im Sommerurlaub schrieb mich ein ausländischer Kunde an, dass die verschickten Eheringe im Zoll hängen geblieben sind. Es war Freitag, die Hochzeit am Sonntag. Wir haben uns eingesetzt und ein Einsatzleiter ist geschniegelt und gebügelt in der UPS-Uniform in die Kirche und hat die Ringe überreicht. Ein anderes Beispiel: Mit Mitte 20 musste ich ein Herztransplantat fahren. Der Kollege sagte: ,Es darf kein Unfall passieren. Die OP läuft schon und wenn du nicht kommst, hat der Patient keine Überlebenschance.‘ Das ist beeindruckend, macht aber auch stolz zugleich. Viele Paketzusteller haben eine enge Bindung zu ihren Kunden.

Das klingt nicht nach dem oft gezeichneten Bild des Zustellers – unterbezahlt und unter Zeitdruck.

Wir zahlen weit über Tarif. Der Endlohn für Zusteller liegt in Herne bei 19,06 Euro die Stunde. Das ist uns wichtig, weil wir erstklassigen Service gegenüber den Kunden erwarten und wir wissen, dass die Straßen voll und die Belastung hoch ist. Das muss fair kompensiert werden. Überstunden werden bezahlt, sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Außerdem müssen sie ihre Wagen nicht selber packen.

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