Kirche

St. Dionysius Herne feierlich aus der Taufe gehoben

Mit einem großen Gottesdienst im Kulturzentrum Herne feierten über 800 Herner Katholiken am Sonntag die Gründung ihrer neuen Gesamtpfarrei.

Mit einem großen Gottesdienst im Kulturzentrum Herne feierten über 800 Herner Katholiken am Sonntag die Gründung ihrer neuen Gesamtpfarrei.

Foto: Jörg Schimmel

Herne.   Mit einer beeindruckenden Messe feierten die Herner Katholiken Sonntag die Gründung ihrer neuen Gesamtpfarrei. Es gab aber auch Tränen.

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Feierlich, aber nicht pompös, modern, aber alle Altersgruppen ansprechend: Es war ein beeindruckender Gottesdienst, mit dem die neue Gesamtpfarrei St. Dionysius in Herne am Sonntag aus der Taufe gehoben wurde.

Auch wenn die Messe erst um 10.30 Uhr begann, hatten sich viele Besucher schon frühzeitig auf den Weg gemacht und füllten ab 10 Uhr die Reihen im Kulturzentrum. Manch einer musste das Geschehen vom Foyer aus verfolgen, in das der Ton übertragen wurde. Das städtische Veranstaltungszentrum war nicht nur ausgewählt worden, weil es genügend Platz bot, sondern „weil die Gründung von St. Dionysius die Herner Öffentlichkeit betrifft“, betonte Pfarrer Thomas Poggel, der die Messe leitete.

Erste Überlegungen schon 1998

Der stellvertretende Dechant, Ludger Plümpe, ließ den langen Weg zur Gesamtpfarrei noch einmal Revue passieren, begonnen 1998 und nach vorne getragen vom damaligen, inzwischen verstorbenen Dechanten, Heribert Zerkowski.Viele seien in den Prozess, der auch weiter andauere, einbezogen worden, Hauptamtliche wie Ehrenamtliche.

Dass es durchaus gegenläufige Strömungen gibt, verschwieg auch Pfarrer Poggel in seiner Predigt nicht. „Wir alle haben Fragen“, gab er offen zu. Und nur durch Veränderungen von Strukturen gelinge das Eigentliche nicht: Sich die Frage „Wozu bist du da, katholische Kirche und St. Dionysius?“ immer wieder neu zu stellen, zu beantworten und zu leben. Das sei auch heute noch eine Herausforderung, wenn auch nicht in der Form wie zu Zeiten des Heiligen Dionysius: Er wurde dafür geköpft.

St. Dionysius in Herne als Bild für Ökumene

Dies sei ein Moment, in dem Stadtgeschichte geschrieben werde, erklärte Oberbürgermeister Frank Dudda in seinem Grußwort. „Ich glaube, Sie schaffen das“, sagte er. Das Gemeinschaftsgefühl und die Zuversicht, die auch in der Messe zu spüren gewesen seien, würden die neue Gemeinde tragen. Über die Wahl des Patronats von St. Dionysius sei er erfreut, denn „wir haben ihn immer als Bild für Ökumene gesehen“, spielte er auf die Historie an.

Klangvolle Stimme gegeben

Daran knüpfte Arno Wittekind als Vertreter des evangelischen Kirchenkreises an, der als „schwarzes Schaf“, so sein Hinweis auf seinen Talar, unter all den „Weißen“ an dem Gottesdienst teilnahm. Mit Blick auf das Lutherjahr betonte er: „Reformation ist nicht etwas, was wir haben, sondern was wir alle brauchen.“

Wesentlichen Anteil an der Messe hatte der Chor 77 aus St. Peter und Paul. Unter Leitung von Johannes Rau verlieh er dem Gottesdienst eine klangvolle Stimme.

Alte Taufbücher geschlossen, neues geöffnet

Der emotionalste Augenblick des Gottesdienstes war zweifellos die Schließung der Taufbücher der ehemals zehn Gemeinden. Die Sekretärinnen oder Gemeindereferentinnen, die für die Pflege der Bücher zuständig waren, trugen die großen, dunkel eingebundenen Bücher geöffnet nach vorne auf die Bühne, zeigten sie noch einmal der versammelten Gemeinde, schlossen die Bücher und stellten sie vor der Kerze mit dem Namen der jeweiligen Gemeinde auf. Mehr als eine von ihnen kämpfte dabei einen Augenblick lang mit den Tränen, und auch im Kulturzentrum war es für einen Moment verdächtig still.

Die Taufbücher sind das Gedächtnis einer Gemeinde, seit ihrer Gründung werden darin die Namen aller Gemeindemitglieder -- auch heute noch mit Tinte und von Hand –- eingetragen und nach jedem empfangenen Sakrament ergänzt. Die Bücher reichen oft Jahrzehnte und Jahrhunderte zurück. Der neue Leiter der Gesamtpfarrei, Georg Birwer, der im März sein Amt in Herne antritt, öffnete anschließend das neue Taufbuch von St. Dionysius - mit seinen noch leeren Seiten.

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