Pro und Contra

Sollte Sportkleidung in der Schule vorgeschrieben werden?

Unter anderem Tops, die die Arme nicht bedecken, wollen einige Schulleiter in Herne beim Sportunterricht verbieten.

Unter anderem Tops, die die Arme nicht bedecken, wollen einige Schulleiter in Herne beim Sportunterricht verbieten.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Herne.  Sollte Schülern in Herne vorgeschrieben werden, was sie im Sportunterricht tragen dürfen? Ein Pro und Contra von zwei WAZ-Redakteurinnen.

Einige Herner Schulen schreiben ihren Schülern vor, was sie im Sportunterricht anziehen dürfen. Ob bauchfreie Klamotten oder Sport-Tops: Es gibt unterschiedliche Regeln. Doch sollte Sportkleidung vorgeschrieben werden? Dazu ein Pro und Contra.

„Verbot schützt vor Gruppenzwang“ – Ein Pro von Lea Wittor

Die Frage, wer durch das Verbot von knappen Tops geschützt werden soll, ist klar zu beantworten: Die Mädchen selbst! Aber nicht, weil männliche Betrachter die Kleidung falsch deuten könnten, sondern vielmehr, weil sich Mädchen in ihrem Outfit wohl und sicher fühlen sollen.

Spricht man heute mit 13-jährigen Mädels, stellt man fest, unter welchem Druck sie stehen, mit ihren Mitschülerinnen mithalten zu können. Haben sie nicht das neuste iPhone oder Instagram, sind sie ganz schnell raus. Und so ist es auch im Sportunterricht: Ziehen die ersten Mädchen bauchfrei Tops an, fühlen sich die anderen Mädchen, die vielleicht nicht so viel Haut zeigen möchten, dazu gedrängt, ihnen nachzueifern. Gerade in der Pubertät dürfte das für einige Mädchen unangenehm sein.

Selbstverständlich sollte sich kein Mädchen vorschreiben lassen, was es tragen soll und frei entscheiden, was es anziehen will. Wenn das aber durch Gruppenzwang entsteht und die Mädchen sich nicht mehr wohl in ihrer Haut fühlen, kann ein solches Verbot helfen. Es ist also keine Frage, ob Lehrer geschützt werden müssen. Vielmehr sollten Lehrer ihre Schülerinnen schützen und ihnen die Entscheidung, was sie im Sportunterricht anziehen, abnehmen.

„Mädchen nicht bevormunden“ – Ein Contra von Ute Eickenbusch

Wen sollen die T-Shirts schützen? Die Mädchen vor den Blicken der Jungen? Die Jungen vor sich selbst?

Sportkleidung sollte in erster Linie dem Zweck angemessen sein, das heißt, die Mädchen bei der Ausübung des Sportes nicht behindern. Darüber hinaus sollten Schülerinnen allerdings selbst entscheiden, was sie im Sportunterricht tragen wollen, Top oder T-Shirt.

Wie andere das von ihnen gewählte Outfit deuten, liegt nicht in der Verantwortung der Mädchen. Sondern in der des (männlichen) Betrachters. Schon Jungen müssen verstehen lernen, dass sie aus eventuell empfundener sexueller Anziehung keinerlei Rechte ableiten dürfen, siehe „Me Too“-Debatte. Grapschen und Sprüche unerwünscht – das zu vermitteln, wäre ein lebensnahes Unterrichtsziel. Lehrer sollten selbstverständlich die gebotene Distanz ohnehin zu wahren wissen. Die Mädchen vorsorglich zu verhüllen, wäre der falsche Weg, was ja in der Kopftuch-Frage auch gerne angeführt wird.

Über die konkrete Kleidungsfrage hinaus sollten Mädchen im emanzipatorischen Sinne dabei unterstützt werden, für sich selbst ein Gefühl zu entwickeln und dafür einzustehen. Das umfasst auch das äußere Erscheinungsbild, aber nicht nur.

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