Gericht

Prozess um Prügelattacke in Herne: Zeuge räumt Fehler ein

Der Prozess geht in Bochum weiter.

Der Prozess geht in Bochum weiter.

Foto: Stefan Arend

Herne.   Ein Freund (21) des Angeklagten sagt als Zeuge vor dem Landgericht aus. Er habe dem Opfer helfen wollen, aber ihm sei dessen Kopf weggerutscht.

Im Prozess um die folgenschwere Prügelattacke auf einen Nachtschwärmer vor dem Archäologiemuseum hat ein Freund des Angeklagten (20) vor dem Bochumer Landgericht einen möglicherweise verhängnisvollen Fehler eingeräumt. Der Zeuge (21) beteuerte am Freitag, er habe dem bewusstlosen Mann helfen wollen - letztlich sei ihm dessen Kopf dabei aus der Hand gerutscht und auf den Boden geprallt.

Zu viert auf einer „Sauftour“ unterwegs

Der junge Herner war in der Nacht auf den 18. Oktober 2018 mit dem Angeklagten und zwei weiteren Begleitern stundenlang auf einer Art Sauftour unterwegs gewesen. „Wir waren alle voll besoffen“, erinnerte sich der 21-Jährige. Sicher ist: Zu später Stunde traf die Gruppe am Europaplatz auf das spätere Opfer. Es kam es zu einem Gerangel, der angetrunkene Nachtschwärmer stürzte zu Boden, erlitt schwerste Kopfverletzungen und verstarb am 10. Januar 2019.

An die Eskalation des Geschehens erinnerte sich der Zeuge so: Nach einem verbalen Schlagabtausch des späteren Opfers mit dem Angeklagten will der 21-Jährige erst ein „Faustgeräusch“ wahrgenommen haben. „Als ich dann hingeguckt habe, habe ich gesehen, wie der Mann heftig und ungebremst auf den Boden gefallen ist“, so der Zeuge. Während seine Freunde sofort weggerannt seien, sei er dageblieben. „Ich habe versucht, zu helfen. Ich hatte den Mann im Arm und immer wieder probiert, ihn hochzuheben. Er hat dabei ganz seltsame Geräusche gemacht. Als ob er schnarchen oder seine Zunge verschlucken würde.“

Angeklagter sitzt seit November in Untersuchungshaft

Als ihn seine Freunde aus der Distanz angeschrien hätten, endlich auch abzuhauen, habe er dann wohl „was falsch“ gemacht, gab der 21-Jährige zu. „Ich war völlig durcheinander. Meine Gedanken haben verrückt gespielt. Ich sage ganz ehrlich, dass mir sein Kopf zum Schluss ein bisschen aus der Hand gerutscht ist. Dann bin auch ich wie verrückt weggerannt. Ich hatte Angst, am Ende als einziger Beschuldigter dazustehen.“

Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt erklärt, er habe sich provoziert gefühlt und das spätere Opfer daher zu Boden gebracht. Nach dem Absetzen eines Notrufs sei er weggerannt. Seit dem 13. November sitzt der Wanne-Eickeler in Untersuchungs-Haft. Fraglich ist, ob sich zweifelsfrei aufklären lässt, durch welchen Aufprall der Nachtschwärmer am Ende die schweren Kopfverletzungen erlitten hat.

Die Anklage gegen den 20-Jährigen lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge.

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